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Bride-Insights Was ist, wenn der Verlobungsring nicht gefällt?

"Bride Insights"-Kolumne
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© Shutterstock
Endlich ist es soweit - er fällt auf die Knie! Doch was ist, wenn mir der Verlobungsring nicht gefällt? Kann einer der schönsten Momente im Leben durch das falsche Schmuckstück ruiniert werden? Und wie geht man damit um?

"Willst Du mich heiraten?" - nach fünf Jahren Beziehung haben diese Worte den Mund meines Freundes verlassen. Ich war zwar nie eine der Frauen, die es kaum abwarten kann zu heiraten und sehnlichst auf einen Antrag wartet, doch abgeneigt war ich auch nicht. Ich lebte ganz nach dem Motto "Wenn es passiert, dann passiert's". Tja, es passierte - und ich sagte natürlich Ja! Ich hatte keine Traumvorstellung eines Antrags, aber ein wenig romantisch sollte es schon sein - und der Verlobungsring spielt selbstverständlich auch eine gewisse Rolle. Ich liebe den Ring, den mein Freund, nein mein Verlobter, gewählt hat! Doch wie hätte ich reagiert, wenn er mir nicht gefallen hätte?

Antrag in den Dünen

Im April 2019 fuhren mein Freund und ich für eine Woche nach Dänemark. Bereits vor unserer Abreise beschlich mich das Gefühl, dass Julius mir in diesem Urlaub ein Antrag machen könnte. Das habe ich jedoch nicht meiner unbestechlichen weiblichen Intuition zu verdanken, sondern der Tatsache, dass meine bessere Hälfte einen Juwelier-Katalog in einer viel genutzten Schublade liegen ließ.

Julius ist jedoch ein sehr organisierter Mensch, der auch gern Dinge weit im Voraus plant. Ich konnte mir also nicht sicher sein. Darauf angesprochen habe ich ihn nicht, da ich ihm die Überraschung - falls sie denn kommt - nicht verderben wollte. Obwohl ich in dieser Hinsicht stets gelassen war, war ich plötzlich aufgeregt und konnte es tatsächlich kaum abwarten!

Bride-Insights: Was ist, wenn der Verlobungsring nicht gefällt?

Auch wenn ich weiterhin keine bestimmten Erwartungen an den Antrag hatte, war eines aber sicher: Ich wollte möglichst gut aussehen. Daher flogen Jogging-Anzüge wieder aus dem Koffer und wurden durch schöne (und trotzdem bequeme) Kleider ersetzt. Wenn wir nach Dänemark fahren, machen wir es uns eigentlich mit einem guten Buch vor dem Kamin gemütlich, relaxen in der Sauna und fahren einfach runter. Es war zuvor immer ein entspannter und dementsprechend unstylischer Urlaub. Dieses Mal war es anders! Jeden Morgen saß ich geschminkt und zurechtgemacht am Frühstückstisch unseres gemieteten Ferienhauses. Immerhin wusste ich ja nicht, wann der Kniefall kommen würde. Also war ich wie ein Pfadfinder "allzeit bereit". 

Der Moment war gekommen

Als wir am fünften (!) Abend noch einmal frische Luft schnappen wollten, krakselten wir auf die Düne hinterm Haus, setzten uns dort auf eine Holzbank, unterhielten uns und betrachteten den Sonnenuntergang. Irgendwann fiel mir auf, dass Julius sichtlich nervös wurde und unaufhörlich mit seinem linken Bein wippte. Das tut er sonst nicht - es war also soweit. Er fiel auf Knie, holte eine Schatulle aus seiner Jackentasche und sprach die magischen Worte.

Er steckte mir den Ring an, der zwar heillos zu groß war, aber dafür wunderschön!

Ein Verlobungsring aus Weißgold mit einem Brillanten, der von vier Krappen gehalten wird, zierte dann zunächst meinen linken Mittelfinger - bis wir ihn beim Juwelier anpassen lassen konnten und er schließlich seinen rechtmäßigen Platz einnahm. Ich hatte Glück, dass ich mich augenblicklich in den Ring verliebt habe.

Aber hätte ich es meinen Freund wissen lassen, wenn ich den Ring scheußlich gefunden hätte? In einem Wort: Ja!

Ehrlich währt am längsten ...

... ist nicht umsonst ein uraltes Sprichwort. In meinen Augen ist es sinnvoller, ehrlich zu seinem Partner zu sein, wenn man den Verlobungsring schrecklich findet. Denn die bevorstehende Ehe möchte ich schließlich nicht auf einer Lüge aufbauen. Hinzu kommt, dass ich diesen Ring, im besten Fall, bis an mein Lebensende tragen werde - dann muss er mir doch gefallen!

Außerdem wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit jeder "Antragsteller" irgendwann fragen, ob der Ring alle Erwartungen erfüllt. Spätestens dann ist die Stunde der Wahrheit gekommen! Für mich stellt sich also nicht die Frage, ob man die Wahrheit sagen sollte, sondern viel mehr wie. Ja, ich kann nur von einem hypothetischen Fall sprechen. Allerdings habe ich vor dem Antrag viel darüber nachgedacht, wie ich mich in solch einer Situation verhalten würde. 

Fingerspitzengefühl ist gefragt

Vermutlich ist es nicht ratsam unmittelbar nach dem Kniefall mit einer Aussage wie "Gott, ist der hässlich" herauszuplatzen und den schönen Moment zu ruinieren. Natürlich hat mein Verlobter sich bei der Ringauswahl Gedanken gemacht, viel Zeit, Mühe und Geld investiert. Das hätte ich selbstverständlich berücksichtigt, da ich seine Gefühle auf keinen Fall hätte verletzen wollen.

Ich hätte wahrscheinlich ein wenig Zeit verstreichen lassen und ihm dann schonend beigebracht, dass ich ein anderes Design im Sinn hatte. Das war mein Notfall-Plan, der allerdings einen Haken hat: Ich kann beim besten Willen nicht gut lügen. Meine Meinung steht mir meist ins Gesicht geschrieben. Julius hätte es sofort gemerkt, wenn ich enttäuscht oder Ähnliches gewesen wäre.

Doch bemerkt man in diesem Moment der Euphorie und des puren Glücks überhaupt, dass das Schmuckstück zu wünschen übrig lässt? Das ist sicherlich Typ-abhängig. Bestimmt wäre ich erst später, bei näherer Betrachtung und sich wieder normalisierendem Endorphinspiegel, auf etwaige Unzulänglichkeiten des Schmuckstücks aufmerksam geworden - und hätte auf besagten Notfall-Plan zurückgegriffen.

Dass ich gar nicht erst in diese Situation kam, hängt auch damit zusammen, dass ich meiner Schwester vor circa zwei Jahren erzählt habe, wie ich mir einen Verlobungsring in etwa vorstelle. Glücklicherweise hat meine Schwester sich an meine Ausführungen erinnert und mein Freund sie vor dem Kauf des Rings nach ihrer Meinung gefragt. Ich muss jedoch dazu sagen, dass Julius bereits den perfekten Ring ausgesucht hat und meine liebe Schwester lediglich zustimmen musste. Trotzdem: So eine "Absicherung" kann sicherlich nicht schaden!

Gala

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