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Bride-Insights Meine Hochzeit in Las Vegas

"Bride Insights"-Kolumne
"Bride Insights"-Kolumne
© Shutterstock
Heiraten stand eigentlich nie auf meiner To-do-Liste und Las Vegas definitiv nie auf meiner To-visit-Liste. Aber das Leben pfeift in der Regel auf Listen und so kam alles ganz anders als geplant ... 

Es gibt viele Dinge im Leben, die ich unbedingt machen wollte, heiraten gehörte eigentlich nie dazu. Ich fand Hochzeiten immer schön, emotional und rührend. Ich zelebriere gerne die Liebe der anderen, aber hatte nie das Bedürfnis, dass alle meine Liebesbeziehung zelebrieren sollten.

Der Traum von einer Märchenhochzeit

Der Traum vom weißen Kleid und einer Märchenkulisse war nie mein Traum. Mich monatelang auf einen einzigen Tag meines Lebens vorbereiten, Sitzpläne erstellen, 14 verschiedene Kleider anprobieren, Locations auskundschaften, Menüs zusammenstellen, Blumen und Deko aussuchen, einen überteuerten DJ engagieren und am Ende 20.000 Euro bezahlen, damit alle mich ein paar Stunden feiern und ein, zwei Köstlichkeiten verspeisen können – mein persönlicher Albtraum

Ein anderer Albtraum für mich? Massen an betrunkenen und lauten Touristen, die in Scharen durch die von künstlichem Licht hell erleuchteten Straßen tingeln auf der Suche nach Ekstase, Glück und Seligkeit. Oder eben dem Jackpot, der im nächstgelegenen Casino vermeintlich auf sie wartet. Gruselige Vorstellung. Klingt, als wäre ich eine menschliche Version von Grumpy Cat.

Liebe und Bürokratie

Doch dann kam die Liebe in mein Leben. Auch die war nicht geplant (Ist sie doch nie, oder?), kam unverhofft und mit der geballten Power. Grumpiness hin oder her. Schmetterlinge im Bauch, Ring am Finger und plötzlich vor der spannenden Frage: Wie machen wir es? Die Antwort: ohne Tamtam und heimlich!

Da weder ich noch der Mann meines Herzens in Deutschland geboren wurden und dieses schöne Land seine Bürokratie noch mehr liebt als die 3200 verschiedenen Brotsorten, die es hervorgebracht hat, sollte eine Hochzeit in Hamburg sich als schwieriges, bürokratisches und vor allem kostspieliges Unterfangen entpuppen.

Die Beschaffung, Beglaubigung, Übersetzung und Anerkennung aller benötigten Dokumente würde viele Hundert Euro und laut Aussage der Standesbeamtin fast ein Jahr in Anspruch nehmen – wenn das Oberlandesgericht nicht noch kurzfristig diverse Unterlagen nachfordert.

So wie bei meiner Freundin. Der Saal war gebucht, die Gäste eingeladen, das Kleid saß perfekt, aber in letzter Sekunde wollten die deutschen Behörden NOCH mehr Dokumente aus ihrem Heimatland, damit die Trauung auch stattfinden kann. Gefeiert hat sie trotzdem, geheiratet wurde einige Wochen später in Kopenhagen

Auf diese Behördenwillkür wollte ich verzichten. Und wenn ich schon so viele Scheine für die legale Anerkennung meiner Liebe hinblättere, dann nicht für ein paar Papiere, auf denen eigentlich überall dasselbe steht. Ganz abgesehen davon, dass es so etwas wie eine "Ledigkeitsbescheinigung" in vielen Ländern dieser Welt einfach nicht gibt. 

Da sich mittlerweile auch die dänischen Gesetze geändert haben, war das Land der Hygge leider keine ganz so unkomplizierte Option für uns. Jamaika klang auch noch sexy, aber nirgendwo ist es schließlich so easy, sich zu trauen, wie in Las Vegas

Die Vorbereitungen

Alles, was man dort zum Heiraten braucht: gültige Pässe und eine Heiratserlaubnis des Staates Nevada (diese kann man online beantragen und kurz vor der Trauung abholen). Also haben wir Flüge gebucht, Ringe gekauft und uns vor all unseren Freunden und Verwandten in Schweigen gehüllt.

Es waren aber auch nur drei Wochen, die wir überbrücken mussten bis zum Abflug. Mein Hochzeitskleid habe ich bei Asos bestellt und meinen handgemachten Brautkranz bei Etsy. Mein Look: weniger Braut, dafür mehr griechische Göttin. Zumindest rede ich mir das ein ...

Vegas, Baby

Wir haben uns gedacht, wenn schon Las Vegas, dann richtig. Darum haben wir für die legendäre Little White Chapel entschieden. In dieser haben unter anderem Michael Jordan, Frank Sinatra, Britney Spears, Demi Moore und Bruce Willis geheiratet. Auch die feuchtfröhliche Hochzeit von Ross und Rachel aus "Friends" hat dort stattgefunden

Auch die Location für die Hochzeitsnacht sollte schön stereotypisch Las Vegas verkörpern. Darum haben wir uns für das Bellagio entschieden, Schauplatz von "Ocean´s Eleven" und eines der größten Hotels der Welt. Den Rest unserer Woche haben in einem coolen Airbnb fünf Minuten entfernt vom Las Vegas Strip gewohnt.

Neben dem Pool mit integrierten Akrobatik-Geräten war ein im Garten stehender "Globe of Death" ein absolutes Highlight. Dabei handelt es sich um eine gigantische Stahlkugel, in der drei bis fünf Motorräder zeitgleich Kunststücke vorführen. Unser Gastgeber Rick (grauhaariger Mann mit Sixpack) hat das mal beruflich gemacht. 

Ich glaube, er hatte eine T-Shirt-Allergie. In einer Woche habe ich ihn nicht ein einziges Mal mit bekleidetem Oberkörper gesehen. Allein Rick war die Personifizierung von Las Vegas. Es haben eigentlich nur noch die Tiger im Garten gefehlt.

Das Highlight meines Verlobten war jedoch mit Abstand unser Mietauto. Ein schwarzer Dodge Challenger. Sein Blick als er mich im Hochzeitskleid gesehen hat, war natürlich unvergesslich, schön und emotional. Aber einige Monate nach unserer Hochzeit habe ich ein Video auf seinem Handy entdeckt. Darauf zu sehen: der Dodge. Drei Minuten lang. Von innen, von außen, von vorne und von hinten. So ein Video gibt es von mir an unserem Hochzeitstag nicht. Just saying. 

Der große Tag

Meine Erwartungen an den "großen Tag" selbst waren nicht so groß. Ich hatte schon gelesen, dass Trauungen in der Stadt der Sünde nur wenige Minuten dauern. In der Kapelle angekommen, wurden wir gefragt, ob wir eine religiöse Zeremonie wollen. Wir wollten. Und ob ich den Gang herunter schreiten will. Aber natürlich!

Dann hieß es Musik an und los geht's. Ich schritt mit meinem Strauß weißer Lilien zum Altar. Der Mensch meines Herzens hatte Tränen in den Augen. Ich fand die Situation eher amüsant und aufregend als emotional. Der liebe Opi, der uns traute, hielt eine schöne Rede über die Ehe, wir beteten, es war eigentlich viel besser als ich es mir vorgestellt hatte. Schließlich kam es zum Tausch der Ringe und den Gelübden. Mit Tränen in den Augen gaben wir uns das Ja-Wort und küssten uns. Tadaaa, wie waren verheiratet!

Bürokratie im Las Vegas Style

Nach der Trauung schwangen wir uns in unsere heiße Karre und haben erstmal zwei Behörden abgeklappert. Eigentlich muss man das nicht. Die Kapelle reicht alle Unterlagen ein und nach ein paar Wochen bekommt man alle Dokumente nach Hause geschickt. Wir wollten aber alles direkt mitnehmen und haben uns von der Kapelle alle Unterlagen zur Anerkennung aushändigen lassen.

Dann haben wir unsere offizielle Heiratsurkunde ein paar Blocks weiter abgeholt und sind zur Secretary of State gefahren, um eine Apostille zu beantragen, ohne diese geht in puncto Anerkennung der Ehe in Deutschland gar nichts. 

Keine Traumhochzeit ohne Traumkulisse

Nach dem Behördentrip ging es schließlich ins Bellagio. Unsere Hochzeitstorte (Red Velvet Cake mit Buttercreme) und Champagner besorgten wir auf dem Weg dorthin. Wir genossen den wunderschönen Sonnenuntergang am Fenster unseres Zimmers bevor wir im Restaurant "Lago" unser Hochzeitsdinner verköstigt haben.

Wir saßen direkt am Fenster und konnten den Blick auf den Strip und die Fontänen des Bellagio genießen. Im Anschluss machten wir einen kurzen Abstecher zum berühmten Las-Vegas-Schild, um ein Foto in voller Hochzeitsmontur zu machen. Wenn schon, denn schon.

Wir schlenderten noch ein wenig durch die Straßen und das Casino des Bellagio, bevor wir den Abend im Zimmer haben ausklingen lassen. Am nächsten Morgen gönnten wir uns den Zimmerservice und aßen pochierte Eier, Obst und den restlichen Hochzeitskuchen im Bett. Ein wahr gewordener Traum. 

Mike Tyson, Cirque du Soleil und Wüstenromantik

Den Rest des Tages verbrachten wir unter anderem im Mandalay Bay Resort. Eine MMA-Kollegin meines Mannes hatte uns zu ihrem Kampf eingeladen. Sie gewann. Im Publikum saß Mike Tyson. Mehr Las Vegas geht nicht.

Die restlichen Tage unseres Aufenthaltes verbrachten wir am Pool unseres Airbnb, verloren 50 Dollar beim Roulette, schauten uns "Zumanity by Cirque du Soleil" an und machten mehrere Ausflüge in die unfassbar schöne Wüstenlandschaft rund um Las Vegas.

Eines der vielen Highlights: die Nelson Ghost Town, etwa 50 Meilen von Las Vegas entfernt. Mitten in der Wüste findet man alte Autos, Busse, Flugzeuge, Pianos und Häuser. Alles Originale aus Wild Wild West. Ein familienbetriebenes kleines Restaurant inklusive Shop mit unzähligen Relikten aus einer anderen Zeit rundet das Erlebnis ab. 

Wie Träume sich ändern können

Alles in allem war meine Hochzeit in Las Vegas ein tolles und unvergessliches Erlebnis - auch wenn Casinos nicht so meine Welt sind. Aber die Wüstenstadt hat tatsächlich viel mehr zu bieten.

Unsere Freunde und Familien haben über Instagram von unserer Hochzeit erfahren. Da waren wir schon verheiratet. Teilweise geschockt, teilweise ungläubig, aber alle glücklich haben sie uns gratuliert. Und weil die Grumpy Cat in mir mit der Zeit immer leiser geworden ist, finde ich die Vorstellung einer traditionelleren Hochzeit gar nicht mehr so schlimm.

Vielleicht feiern wir in ein paar Jahren doch noch mal mit unseren Angehörigen. Einmal in Hamburg, einmal am Strand von Rio. Ohne Schnickschnack und überteuerten DJ. Dann kann ich auch noch mal als griechische Göttin posieren und von unseren zukünftigen Kindern mit Blumen beworfen werden ...

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Gala

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