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Bright-Insights Meine Hochzeit abseits der Norm

"Bride Insights"-Kolumne
"Bride Insights"-Kolumne
© Shutterstock
Weißes Brautkleid, Brautstrauß, Hochzeitstorte, Hochzeitstanz, Hochzeitsspiele und etliche Gäste: All das möchte ich nicht. Eigentlich wollte ich nie heiraten, nun aber doch - zu zweit, ohne großes Tamtam. Und dafür habe ich gute Gründe.

Viele Frauen haben schon als kleines Mädchen von einer Märchenhochzeit geträumt - sagt man sich zumindest. Ich nie. Weiße Spitzenkleider habe ich lieber im Sommer getragen, als sie mir vor dem Altar mitsamt Schleier und Hochsteckfrisur vorzustellen.

Auch jetzt, mit 31 Jahren und seit acht Jahren in einer Beziehung, denke ich: Eine Hochzeit ist so kostspielig. Mit dem Geld kann ich Besseres anstellen. Außerdem stehe ich nicht gerne im Mittelpunkt, schon gar nicht für einen ganzen Tag. Doch diese fadenscheinigen, unromantischen Gründe sind es nicht, weswegen ich nie heiraten wollte. Es sind vielmehr die veralteten Rollenbilder und Bräuche, die mit einer Hochzeit einhergehen.

Nun kam alles anders. Ich will trotzdem heiraten. In den letzten Monaten keimte immer wieder ein morbider Gedanke in mir auf: Falls meinem Freund (Gott bewahre) etwas zustoßen und er bewusstlos im Krankenhaus liegen würde, habe ich kein Recht, etwas über seinen Gesundheitszustand zu erfahren. Auf dem bürokratischen Blatt Papier sind wir eben keine Familie.

Doch keiner steht mir so nahe wie mein Partner, mit dem ich seit fast einem Jahrzehnt meine Sorgen, Ängste und Freuden teile. Das ist für mich kein tragbarer Zustand, den ich lieber ändern will. Und so soll mein großer (kleiner) nun Tag aussehen.

Hochzeit: klassisch-weißes Brautkleid? Fehlanzeige

Ich liebe verspielte Kleider, die weiß und aus Spitze sind. Mindestens einmal die Woche sehe ich an wärmeren Tagen aus, als wenn ich standesamtlich heiraten wollen würde, inklusive blonder Locken und roten Lippen. Doch an meinem Hochzeitstag gibt es kein weißes Kleid. Da trage ich ein Dunkelblaues. Zum einen, weil mir die Farbe steht und weil es die Lieblingsfarbe meines Freundes ist, zum anderen wegen der ursprünglichen Bedeutung, die hinter einem weißen Hochzeitskleid steckt.

Im Jahr 1600 trug der Adel (damals Maria de’ Medici, Frau des französischen Königs Heinrich IV.) erstmals Brautkleider in helleren Farben. Spätestens seit der Hochzeit von Königin Victoria (1819-1901) von England sind weiße Brautkleider Trend - oder eher Tradition. Die Farbe Weiß steht in der westlichen Welt für Reinheit und sexuelle Unberührtheit. Ein uneheliches Kind galt lange als Tabubruch.

Diese auferlegten Traditionen sind im heutigen Deutschland nicht mehr gängig. Aus meiner Sicht: zum Glück! Dennoch missfällt mir die ursprüngliche Bedeutung - jungfräulich in die Ehe zu gehen und damit die Sexualität der Frau zu unterdrücken - so sehr, dass ich an meinem Hochzeitstag kein Weiß tragen möchte. Das blaue Chiffonkleid habe ich mir bei einem Luxus-Onlineshop bestellt und es hat wie angegossen gepasst. Juhu!

Hochzeitsstyling: Marke Eigenbau

Der Besuch im Brautladen mit Sekt und Freundinnen fällt also weg. Und auch für das, was mein Styling vollendet - Frisur und Make-up - habe ich eine andere Lösung parat. Ich möchte nicht mein Gesicht oder meine Haare einem Profi überlassen, sondern style mich lieber selbst. Dann weiß ich, dass das Ergebnis mir zu hundert Prozent gefällt und ich ich selbst bin.

Trauung zu zweit - ohne Eltern und Freunde

Der große (kleine) Tag ist gekommen. Viel Vorbereitung bedarf es bis dato nicht, denn: Wir laden keinen zu unserer Hochzeit ein. Wir haben uns ganz bewusst dazu entschieden, da es eine Lebensentscheidung ist, die wir zu zweit treffen und erleben möchten. Lediglich Ringe, Kleid und Anzug haben wir uns zugelegt sowie zuvor alle nötigen Formalia beantragt. Ein Brautstrauß brauche ich ebenfalls nicht. Meine schicke Designerhandtasche reicht mir als Accessoire.

Auch beim Termin selbst halten wir es minimalistisch: Der Ehebucheintrag wird unterschrieben, die Ringe ausgetauscht, das wars. Dann verlassen wir den Raum wieder und genießen den Tag zu zweit. Die Verwandten erhalten zur Überraschung ein Bild mit Text. Denn bis jetzt wusste keiner von unserem Vorhaben.

Mein Nachname bleibt

Auch beim Thema Nachname treffe ich eine unkonventionelle Entscheidung. Immer noch ist es üblich, dass Frauen den Nachnamen ihres Mannes annehmen, laut einer Studie der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfDS) aus dem Jahr 2018 sogar 72 Prozent. Ich behalte lieber meinen, aus zwei Gründen. Zum einen identifiziere ich mich als Person extrem mit meinem Nachnamen und meiner bisherigen Lebensgeschichte.

Zum anderen geht es mir um die Emanzipation der Frau und um die Auflösung patriarchalischer Geschlechterrollen, die auch heute noch vorherrschen. Männer werden immer noch besser bezahlt, als Frauen in gleicher Jobposition. Es gibt immer noch viel mehr Männer in Chefpositionen, als Frauen. Nach der Geburt des Kindes gehen weniger Frauen wieder Vollzeit arbeiten, als Männer, haben dadurch ein niedrigeres Gehalts- und Rentenniveau. Frauen erledigen deutlich mehr Care-Arbeit, als Männer wie zum Beispiel Haushalt, Erziehung der Kinder oder Pflege von Angehörigen. Das sind alles statistisch bewiesene Fakten.

Mit der Wahl meines Nachnamens kann ich diesem seit Jahrhunderten vorherrschendem Hausfrauenbild entgegenwirken, Stellung beziehen und mein Umfeld zum Nachdenken bewegen. Damit wäre doch schon etwas gewonnen. Ich toleriere dennoch die Wahl meiner Freundinnen, die den Nachnamen ihres Mannes angenommen haben. Denn das gehört auch zum Feminismus dazu: die freie Entscheidung der Frau.

Gala

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