Hillary Clinton: So schafft sie das Wunder

Hillary Clinton setzt zum Endspurt an. Knapp 100 Tage bleiben der Kandidatin noch, um Trump den Weg ins Weiße Haus abzuschneiden. Das ist ihre Strategie

Hillary Clinton: So schafft sie das Wunder

Zufällig passiert hier gar nichts. Jedes Wort hat Hillary Clinton, 68, sich sorgfältig zurechtgelegt. Jede Geste muss sitzen, jede Haarsträhne. Und damit das so ist, plant die Präsidentschaftskandidatin ihre Auftritte generalstabsmäßig.

Denn die Demokratin hat eine Mission. Oder besser: zwei. Sie will nach 44 Amtsinhabern nicht nur die erste Frau an der Spitze der USA werden, sie will ihr Land auch vor schützen – dem Gegenkandidat der Republikaner, der von internationalen Medien wahlweise als "Amerikas größter Albtraum" oder der "Untergang der USA" tituliert wird. Hinter dem derzeit aber rund die Hälfte der amerikanischen Wähler stehen.

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen also, in das Clinton nach dem erfolgreichen Parteitag in Philadelphia kämpferisch startet. Gestählt durch jede Menge Krisen und Erfahrungen, gestärkt durch ihre Familie und eine Entourage an Beratern und Helfern. Alles zusammen soll ihr helfen, bei der Wahl am 8. November das Wunder von Amerika zu schaffen. Der Kosmos der vielleicht bald mächtigsten Frau der Welt:

Ihre Motivation: "Sie hat nie aufgegeben. Und mir hat sie beigebracht, das Gleiche zu tun." Wenn Clinton über ihre Mutter Dorothy Emma Howell spricht, zeigt die sonst so beherrschte Politikerin Gefühle. Missbraucht und von den eigenen Eltern vertrieben wuchs Howell bei ihren Großeltern auf, gegen deren Willen. Ihre Tochter setzt sich heute für Kinder- und Frauenrechte ein, pflegte die Mutter bis zu deren Tod bei sich zu Hause und nahm sie sich in ihrer Zähigkeit und Zuversicht zum Vorbild.

Große Liebe: "Sie hatte dicke blonde Haare, eine Brille, trug kein Make-up und strahlte diese Stärke und Selbstbeherrschung aus, die ich gleich magnetisch anziehend fand." Nicht gerade die glühende Liebeserklärung, die eine Frau sich wünscht. Oder? Hillary jedenfalls ist seit 45 Jahren mit dem Mann zusammen, der ihr diese nüchternen Worte widmete: Bill. Fehlende Romantik scheint angesichts von Seitensprüngen und der berüchtigten Affäre mit Praktikantin allerdings das kleinere Problem in dieser nun 41 Jahre dauernden Ehe zu sein. Bisher meisterten die Clintons jede Krise gemeinsam. So, wie sie Bill von 1993 bis 2001 als US-Präsident unterstützte, steht er nun ihr zur Seite. Ob es die Liebe zur Macht ist, die das Paar verbindet oder die Gefühle füreinander, wissen nur die beiden.

Hillary und Bill mit Tochter Chelsea und Schwiegersohn Marc Mezvinsky. Das Paar hat sie zu zweifachen Großeltern gemacht

Hillary und Bill mit Tochter Chelsea und Schwiegersohn Marc Mezvinsky. Das Paar hat sie zu zweifachen Großeltern gemacht

Die Familie: Dass Hillary sich als glückliche Großmutter präsentieren kann, passt perfekt zu ihrem offensichtlich angestrebten Imagewandel von der Polit-Maschine zur mitfühlenden Kümmerin. Tochter Chelsea brachte am 18. Juni ihr zweites Kind zur Welt, Sohn Aidan. Und auch sonst wächst die Familie weiter – zumindest in der Öffentlichkeit. So tauchte Tyler Clinton, 18, jetzt erstmals beim Parteitag auf, küsste seine Tante und war als der "heiße Neffe" sofort in allen Medien. Der Sohn von Bills Halbbruder Roger ist nämlich Model. Rückzugsort für die gesamte Familie ist an den wenigen freien Tagen übrigens das luxuriöse Clinton-Anwesen in Chappaqua nahe New York.

Der Look: Rein optisch hat Clinton nichts mehr mit der Yale-Studentin mit der dicken Brille gemein. Blondiert, frisiert und geschminkt zieht sie in den Wahlkampf. Denn sie weiß um die Macht der Optik: "Wenn ich eine Geschichte auf der Titelseite platzieren will, ändere ich meine Frisur." Neben Promi-Coiffeur John Barrett vertraut sie auf die Grande Dame der Modeszene: Vogue-Chefredakteurin . Sie berät Hillary bei ihrer Garderobe. Ihr patriotischer Tipp: Outfits von US-Designern!

Prominente Wahlkampf-Unterstützung von Katy Perry

Prominente Wahlkampf-Unterstützung von Katy Perry

Ihre Fangemeinde: Bei den Promis hätte die Kandidatin die Wahl schon längst gewonnen. Von über bis , oder auch Paula Abdul: Sie alle machen sich für Hillary stark und brüllen mit Sängerin Katy Perry den Song "Roar". Geballte Frauenpower gegen Trump, bei der das Wahlprogramm manchmal fast nebensächlich scheint. Doch auch das richtet sich neben vielen anderen Punkten – ein vereinfachtes Steuersystem oder besserer Schutz der Arbeitsplätze – an Frauen. So fordert Clinton etwa gleiche Bezahlung für Frauen und Männer plus besseren Mutterschutz. Aber natürlich haben auch Männer Zutritt zum Clinton-Fanclub: Amtsinhaber Barack Obama etwa oder der als Vize-Präsident kandidierende Tim Kaine.

Mehr zum Thema

Star-News der Woche