Frisch hapeziert: Die Tücken der Technik

Ganz schön helle, diese VIP-Erfinder! Vielleicht nehmen die sich mal den Fernseher vor?


Liebe GALA-Freunde,

letztens wollte ich das Licht anmachen. Ich fand das eine prima Idee, weil es draußen schon düster war. Knackpunkt: Ich war auf Reisen, hatte gerade im Hotel eingecheckt und stand nun in der Tür eines mir völlig fremden Zimmers. Die Finger in die Dunkelheit auszustrecken ist eigentlich schon gruselig genug.
Spürt man dann beim Abtasten der Wände ständig nur Tapete statt Schalter, wird’s zum Slapstick- Thriller. Um es kurz zu machen: Zehn Minuten später kam mir die Erleuchtung. Händeklatschend ging ich ins Dimmer-Zimmer. Ob das Applaus für den Interior-Profi war, der sich das Superdooper- Lichtsystem ausgedacht hat? Bestimmt nicht … 

Es ist keineswegs so, dass ich dem technischen Fortschritt gegenüber nicht aufgeschlossen wäre. Im Gegenteil. Ich schaue im Leben immer nach vorn. Und ich bewundere, dass auch berühmte Künstler in Sachen Hausund Unterhaltungselektronik (bzw. technical consumer goods and digital products) zu millionenschweren Erfindern werden können. Die Kopfhörer des Rapper-Doktors Dre trägt inzwischen ja die halbe VIP-Welt von David Guetta bis Mario Götze.

Allerdings: Technik soll bitteschön einfach funktionieren. Und mit einfach meine ich einfach. Wie konnten sich nur diese Multimedia-TV-Apparate durchsetzen, bei denen man für den flotten Feierabend-Wunsch „Ich schau mal schnell, was gerade läuft“ drei Fernbedienungen, Nerven wie Drahtseile und einen Kurzurlaub braucht? Herrje, was habe ich 1980 über meine Großmutter – Gott hab sie selig! – gelacht, als sie mich ernsthaft fragte: „Junge, weißt du, wie die Mainzelmännchen ins Fernsehen kommen?“ Heute lautet meine Frage oft: „Wie geht das verdammte Ding überhaupt an?!“ Und das ist nicht als Pointe gemeint. In so manchem Hotel musste ich schon die freundliche Haustechnik bemühen.

Als ich ein Knirps war, und wir reden da zeitlich über einen Wimpernschlag der Geschichte, galt der Buntfernseher als das Nonplusultra des Home-Entertainments. Er hatte exakt zwei Funktionen: An/Aus und Programme wählen. Superseriöse Formate wurden erst mal weiter in Schwarz- Weiß gesendet, denn Farbe auf dem Bildschirm empfanden viele Zuschauer als Tingeltangel. Ganz zu schweigen von HDMI oder MHL. So was hätte man seinerzeit vermutlich für künftige Mars-Missionen gehalten.

Philosophisch betrachtet begann das Dilemma für mich mit dem Standby. Nicht richtig an, nicht richtig aus. Nicht Fisch, nicht Fleisch. Vielleicht ist das symptomatisch für unsere Zeit? Meine zweitbeste Freundin Gudrun berichtete mir neulich bei einem Gläschen Amaretto, sie sei jetzt trotz ihrer Neuerwerbung fernsehabstinent. Steif und fest behauptete sie, der Grund sei das schlechte Programm. Ich glaube, sie lügt. In Wahrheit kriegt sie das Ding nicht an.

In einem Anflug von Vergnügungssucht checkte ich dieser Tage im Netz, welche neuen gadgets auf der Berliner IFA präsentiert werden. „The Frame“ weckte mein Interesse, schließlich stelle ich mir gern Fotos in schönen Bilderrahmen auf. Denkste! Dieser „Frame“ ist ein digital photo device. Mit Multi-Slideshow-Wechselfunktion.Plus TV-Gerät mit Zukunftstechnik … Kurz wurde mir schummrig. Dann klappte ich mein Laptop zu, strich über meinen Vogelaugenahorn- Bilderrahmen mit einem Lieblingsfoto drin und erfreute mich daran, dass das Glas nicht spiegelt (für mich bis heute ein Wunder der Technik).

Ich drücke erst mal keine Fernbedienung mehr. Ich drücke Sie!

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