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Guido Maria Kretschmer "Liebe ist geschlechtslos"

Guido Maria Kretschmer
© Action Press
Guido Maria Kretschmer und sein Partner Frank Mutters haben im September 2018 auf Sylt geheiratet - kurz nachdem sich die Gesetzeslage in puncto gleichgeschlechtlicher Ehe geändert hat. Seine Meinung dazu und warum er sein Ja-Wort nicht wiederholen möchte..

Es war eine großartige Feier mit 230 Gästen: Modedesigner Guido Maria Kretschmer, 54, ehelichte seinen Partner, den Künstler Frank Mutters, 65, im September 2018 auf Sylt. Jetzt, eineinhalb Jahre später, denkt das Paar noch immer gerne an das Fest zurück.

Doch den Bund der Ehe mit allem Drum und Dran zu erneuern, kommt für den 54-Jährigen nicht in Frage, wie er uns auf bei seinem Sonnenbrillen-Launch von Edel-Optics in Hamburg verraten hat. Eine gute Nachricht konnten wir dem Designer in Sachen Hochzeit auch entlocken: Guido Maria Kretschmer wird demnächst eine Hochzeitskollektion kreieren. 

Guido Maria Kretschmer im GALA-Interview

GALA: Herzlichen Glückwunsch zu ihrer neuen Sonnenbrillen-Kollektion. Apropos: Eine Brille, die man nicht kaufen kann, ist die rosarote Brille. Sie haben im September 2018 geheiratet, würden Sie Ihre Hochzeit heute noch genauso feiern?
Guido Maria Kretschmer: Ja, genauso! Frank hat sogar vor ein paar Tagen noch zu mir gesagt, dass es wirklich ein tolles Fest war – und das war es auch. Meine Leute haben das so super organisiert, ich hatte ja nur so wenig Zeit und wusste nur, wie ich es haben will, und das haben die wirklich alles möglich gemacht. Es war so schön auf Sylt, die Kirche, die Pastorin, die vielen Menschen vor der Kirche - das war wunderschön.

Und wie war das Feedback ihrer Gäste?
Mir haben auch im Nachhinein viele Gäste gesagt, dass sie danach nie mehr auf einer Hochzeit waren, bei der sie so viel Liebe gespürt haben und wo sich Menschen so sehr gefreut und auch selber wieder etwas verliebt haben.

Ganz rührend fand ich, dass mir mein Cousin nachher erzählt hat, dass er und seine Partnerin sich danach vorgenommen haben, ein bisschen so wie Frank und ich werden zu wollen.

Das war für mich eine total süße Message.

Was war der schönste Moment für Sie an diesem Tag?

Der schönste Moment war für mich – und das hat meine Mutter danach auch gesagt – dass so viele Menschen draußen gewartet haben, als wir in der Kirche waren.

Ich habe das als so freundliche Hülle empfunden und genau das hat mir meine Mutter später auch gesagt. Auch für sie war das ein toller Tag, sie hat mich immer so sehr geliebt und war extrem bewegt, dass so viele Menschen mit uns feiern wollten, obwohl sie mich nur durch das Fernsehen kennen. 

Wie viele Personen standen auf Ihrer Gästeliste?
Ein paar hundert…ich weiß das jetzt gar nicht mehr so genau. (guckt fragend zu seinem Pressesprecher)
Pressesprecher David: 236. Eigentlich war nur Platz für 190.

Und gab es dabei Schwierigkeiten?
(lacht) Ja, es waren viel zu viele Menschen, David hat richtig gekämpft. Aber ich könnte dir jetzt bestimmt 20 Menschen aufzählen, bei denen es mir total Leid tut, dass ich sie nicht eingeladen habe, weil sie mir einfach durch die Lappen gegangen sind. 

Was halten Sie denn von dem Trend, dass man sein Ja-Wort alle paar Jahren wieder mit einem pompösen Fest erneuert?
Das ist nichts für mich, obwohl: Wir hatten ja auch schon vor unserer Hochzeit ein paar Hochzeitspartys. Und ich habe mir auch vorgenommen, dass ich das Fest wiederholen werde, allerdings auf keinen Fall als Hochzeitsding mit Eheversprechen, sondern einfach die Feier an sich, vielleicht auch wieder in der Sansibar. Einfach mit unserer Familie und Freunden ein Fest feiern, ohne das ganze drum herum und uns im Mittelpunkt. Einfach gute Leute einladen und das Gefühl haben, zusammen zu sein und die Freundschaften zu feiern. 

Dann können sich ja schon all diejenigen freuen, die Sie beim ersten Mal vergessen haben.
Ja, die sind auf jeden Fall eingeladen! (lacht)

Aber dann gibt es wieder fünf die denken: "Scheiße, ich gehöre doch eigentlich auch dazu…“ Das ist immer schwierig, man ist bei solchen Feiern ja meistens limitiert. 

Finden Sie, dass Deutschland seine Gesetzeslage in puncto gleichgeschlechtliche Ehe viel zu spät geändert hat?
Auf jeden Fall. Ich glaube schon, dass das sehr lange gebraucht hat. Aber auch die Gesellschaft muss sich überlegen, wie sie damit umgeht, das ist kein Ausbildungsberuf. Für Menschen, die man liebt, wünscht man sich einfach ein gutes Leben. Und dazu gehört eben auch eine Partnerschaft. Und Verantwortung. Auch bei einer eingetragenen Partnerschaft verlangt man von den Partnern Verantwortung, aber es gibt leider kaum Rechte.

Ich finde es wirklich schön, dass ich jetzt in einer Gesellschaft lebe, die endlich reif dafür ist.

Obwohl es durch die ganzen Rechten natürlich jetzt auch wieder viele gibt, die schreien. Trotzdem stellen sich sehr viele Menschen dagegen, für die gleichgeschlechtliche Ehen schon zur Normalität geworden sind. Und das ist auch so. Diese Gesetzesänderung war eine gute Message für all diejenigen, die noch auf dem Weg sind oder sich vielleicht schwerer tun.

Was haben Sie nach Ihrer Hochzeit für Feedback erhalten?
Nach meiner Hochzeit habe ich viel Post bekommen und es gibt einen Brief von einem sehr netten älteren Herrn, den ich immer wieder zitiere, der schrieb: „Ich bin so glücklich Herr Kretschmer, dass Sie ihre Liebe so öffentlich machen und so ein normales Leben führen können.“ Der Hintergrund: Sein Lieblingsenkelsohn ist auch schwul und hat sich damit unheimlich schwergetan, er hatte Angst, dass er in der Gesellschaft keinen Platz findet. Und das hat mir der Herr mir so süß geschrieben, da war ich echt gerührt. Und ganz ehrlich: Liebe ist auch eigentlich geschlechtslos. 

Könnten Sie sich vorstellen, Hochzeitskleider zu designen?
Das reizt mich total, ich habe das früher ja auch schon oft gemacht, aber da kannte ich auch jede Braut persönlich und habe für jede Frau individuell ein Kleid designt. Das ist etwas zurückgegangen, weil es ehrlich gesagt auch ziemlich mühsam ist. Man muss dann schließlich auch auf jede Hochzeit gehen, du glaubst gar nicht, auf wie vielen Hochzeiten ich schon in meinem Leben war…

Manchmal musste ich der Schwiegermutter nur in die Augen sehen und wusste direkt, ob die Ehe hält oder nicht.

Und ich hatte eigentlich immer Recht. (lacht) Ich habe schon viel erlebt, tränenreiche Nervenzusammenbrüche und und und.

Also doch keine Kollektion?
Doch, wir überlegen jetzt, eine „Standard-Kollektion“ zu designen, obwohl ich das auch sehr schwierig finde, weil Frauen ja meistens einen ganz besonderen Tag wollen. Deswegen würde ich eigentlich allen Bräuten raten: Rennt in die Ateliers, lasst euch die Kleider anfertigen und nutzt die tollen Schneiderinnen und Schneider in eurer Stadt.

Wir werden aber trotzdem bald eine Hochzeitskollektion mit Kleidern machen, die man auch später noch tragen kann.

Wie wird die aussehen?
Ein bisschen Boho, ein bisschen Hippie, ein bisschen Spitzentraum und Cinderella, wenn man Bock drauf hat. Den Local-Designern sollte man aber auch weiterhin eine Chance geben, das ist immer ein schöner Prozess. Und die jungen Frauen müssen mutig bleiben, es muss schließlich nicht immer ein weißes Kleid sein, also Mädels: Seid mutig und lebt eure Träume, denn das ist euer Traumtag! 

Und was raten Sie den Männern?
Ich fände es ganz gut, wenn die Männer ihren Look auch etwas ändern würden. Als Bräutigam ist man meistens nur Beiwerk, es geht eigentlich immer nur um die Mädels und viele wirklich zauberhafte Männer stehen dann am Traualtar ganz schüchtern neben ihrer gutaussehenden Braut.

Da tun mir die Männer manchmal etwas leid.

Als Braut würde ich deswegen nicht so viel Gas geben, dass mein Mann neben mir total untergeht, weil er irgendwie so aussieht wie alle anderen auf der Veranstaltung.

Verwendete Quellen: Interview mit Guido Maria Kretschmer

aen / jku Gala


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