Wochenbettdepressionen: Auch Chrissy Teigen litt darunter: Ein Experte klärt auf

Chrissy Teigen und weitere Stars litten bereits unter Wochenbettdepressionen. Es betrifft zwar viele Frauen, doch trotzdem gilt diese Krankheit noch immer als Tabuthema. GALA hat mit einem Experten darüber gesprochen.

Stars wie Chrissy Teigen, 34, Sarah Michelle Gellar, 42, und Hayden Panettiere, 30, gehen offen damit um, an einer sogenannten postpartalen Depression, besser bekannt als Wochenbettdepression, gelitten zu haben. Es ist ein Thema, dass viele Frauen bewegt - und doch wird es häufig stigmatisiert. Dabei handelt es sich auch bei dieser Form von Depression um eine Krankheit, und nicht etwa um ein Fehlverhalten der Mutter. Das bestätigt Prof. Dr. Michael Schulte-Markwort, ärztlicher Leiter des Zentrums für Psychosoziale Medizin im Universitätsklinikum Eppendorf (Hamburg), der mit GALA über die Ursachen und Symptome von Wochenbettdepressionen sprach.

Wochenbettdepression: Unterschied zum Babyblues

Laut Prof. Dr. Schulte-Markwort, Autor des Ratgebers "Familienjahre", muss zwischen zwei möglichen Erscheinungen nach einer Geburt unterschieden werden: dem "Babyblues", der nach wenigen Wochen vorübergeht, und einer "manifesten Wochenbettdepression", die unvorhersehbar lang anhält.

"Während der Babyblues in Form von intensiver, grundloser Traurigkeit und Stimmungsschwankungen gekennzeichnet ist und nach zwei bis spätestens vier Wochen wieder vorüber gegangen sein sollte, kann die Wochenbettdepression bis zu 12 Monate nach der Geburt auftreten. Bis zu 50 Prozent aller Mütter entwickeln den Blues und zwischen fünf und fünfzehn Prozent eine Depression, durchschnittlich sind das acht Prozent. Väter können übrigens auch beide Formen von Depressionen entwickeln, nur sehr viel seltener", erklärt der Experte.

Chrissy Teigen

"Es war ein trauriges Dasein"

Chrissy Teigen mit Tochter Luna

Postpartale Depression: mögliche Ursachen

Die Ursachen könne man nicht mit absoluter Sicherheit bestimmen, doch es gebe einige Faktoren, die das Auftreten der Erkrankung fördern können. So könne der Östrogenabfall nach der Entbindung eine Rolle spielen. Auch "psychosoziale Faktoren sowie Vorerkrankungen" seien mögliche Ursachen. "Psychisch darf man nicht unterschätzen, dass jede Geburt für eine Mutter auch eine Trennung von ihrem Kind im Bauch bedeutet".

Frauen mit Depressionen in der Familie oder in der eigenen Vorgeschichte haben ein erhöhtes Risiko, ebenso wie Mütter mit vielen Geburten.

Wochenbettdepression: Symptome

Generell unterscheide sich weder der Babyblues noch die postpartale Depression von anderen Depressions-Formen. Beim Blues seien die "Stimmungsschwankungen etwas ausgeprägter." Schulte-Markwort nennt jedoch mehrere typische Symptome:

  • Herabgestimmtheit
  • Schlafstörungen
  • Appetitverlust

Wie verläuft eine Wochenbettdepression?

Diese Form von Depression könne in verschiedenen Schweregraden auftreten: Es gibt "milde Verläufe und Verläufe, die so schwer sind, dass die betroffenen Frauen suizidal werden können", erläutert der Psychologe.

Dementsprechend hänge der Verlauf der Krankheit von ihrer Schwere ab: "Abhängig von Schweregrad kann sie schnell medikamentenpflichtig werden und auch chronifizieren".

Je schneller die Frauen sich in Diagnostik und Behandlung begeben, desto besser die Prognose.

Wichtig ist, dass die betroffenen Frauen sich nicht nur psychotherapeutisch, sondern auch unter Umständen medikamentös behandeln lassen. Hierzu brauchen sie einen Arzt bzw. Psychiater, der sich mit Antidepressiva gut auskennt, die man während des Stillens geben kann."

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Das Stigma der postpartalen Depression

Es scheint, als fiele es Frauen oft schwer sich oder anderen einzugestehen, dass sie an einer Wochenbettdepression leiden. Der von GALA befragte Experte erklärt dieses Phänomen folgendermaßen: "Depressionen sind oft sehr ich-synthon, wie wir sagen, womit wir meinen, dass man sich manchmal schwertut, sie als Krankheit der eigenen Seele anzuerkennen. Dann aber geht sie oft mit großer Scham und Gefühlen des Versagens einher. Da alle um die Frauen herum denken, dass sie doch nur große Freude empfinden sollten über ihr Kind, trauen sie sich umso weniger, sich und anderen die Depression einzugestehen, weil das so undankbar wirkt."

Dabei sei diese Erkrankung "auf keinen Fall selbstverschuldet". Daher rät Prof. Dr. Schulte-Markwort allen Frauen, die an einer Wochenbettdepression leiden, sich an jemanden zu wenden: "Sie (postpartale Depressionen, Anm. d. Redaktion) sind heute gut behandelbar, je früher, desto besser. Seien Sie ein Vorbild für ihr Kind und wenden sich vertrauensvoll an ihren Partner und einen Arzt ihres Vertrauens." Denn was jeder Mensch wissen sollte: 

Depressionen sind kein Grund, sich zu schämen!

Verwendete Quelle: eigenes Experteninterview

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