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Endlos-Streamen von Serien Binge-Watching ist gar nicht so ungesund – wenn wir dabei eine Sache beachten

Frauen schauen Fernsehen: Binge-Watching ist gar nicht so ungesund – wenn wir dabei eine Sache beachten
© David Prado Perucha / Shutterstock
Mit Netflix und Co. hat auch das Binge-Watchen bei uns Einzug gehalten. Wann das Endlos-Streamen aber gar nicht so schlimm ist und wann sehr schädlich, erklärt ein Experte.

Früher saßen wir tatsächlich jeden Tag oder jede Woche zu einer bestimmten Uhrzeit vor dem Fernseher, um unsere Lieblingsserie zu schauen. Das ist heute in Zeiten von Streaming-Plattformen wie Netflix, Prime Video und Co. kaum noch vorstellbar. Stattdessen können wir schauen, was wir möchten und vor allem: wann wir es möchten.

Durch die praktisch unbegrenzten Möglichkeiten des Serien-Streamens haben wir auch keinen automatischen End-Zeitpunkt mehr. Wir können so viele Folgen schauen, wie wir wollen. Das Binge-Watching hat heute einen festen Platz im Leben der meisten Menschen – gesund ist das Endlos-Streamen allerdings nicht immer.

Binge-Watching: Die Kontrolle ist der Knackpunkt

"Netflix ist auf Binge-Watching aufgebaut", erklärt Dr. Emil Steiner, Assistenzprofessor für Journalistik an der Rowan University in Philadelphia, gegenüber der "Deutschen Welle". "So möchte es das eigene Angebot vom Fernsehen abheben. Das Interessante daran ist: Die Zuschauer nutzen die Kontrolle, die sie durch Streaming-Plattformen haben, so, dass sie so viel wie möglich konsumieren."

Die negativen Folgen des endlosen Streamens für unsere Gesundheit sind vielfältig – vor allem unser Schlaf leidet darunter, wie etwa eine Studie belegen konnte. Aber ist das Binge-Viewing wirklich unter allen Umständen ungesund? Es kommt darauf an, erklärt Dr. Schneider. Das hängt stark damit zusammen, WIE wir gucken – Psycholog:innen unterscheiden zwischen "Cringe-Watching" und "Feast-Watching."

Cringe-Watching vs. Feast-Watching: Wann das Endlos-Streamen unserer Gesundheit nicht (so stark) schadet

In jedem Fall schädlich ist das sogenannte Cringe-Watching – abgeleitet vom englischen Begriff "to cringe" für "schaudern, zurückschrecken, sich schämen". Diese Art des Serienkonsums passiert meist allein, eher zufällig und noch dazu abgelenkt. Wir schauen also gar nicht bewusst hin, sondern sind vielleicht nebenbei noch mit dem Smartphone beschäftigt.

"Wir können voraussagen, dass man Cringe-Watching hinterher bereuen wird", so Dr. Emil Steiner. " Wir haben empirische Daten, die das zeigen." Das Cringe-Watching hinterlässt meist ein schlechtes Gefühl und schadet so langfristig der Gesundheit.

Weniger negative Folgen hat das sogenannte Feast-Watching. Der Begriff ist an das englische Wort "feast" angelehnt, auf Deutsch "Festmahl" oder "Feierlichkeit". Der größte Unterschied liegt im bewussten Konsum. Wir planen das Schauen einer Serie oft im Vorfeld und freuen uns darauf. Entsprechend stärker genießen wir das Binge-Watching und nehmen das Gesehene bewusst wahr. Vielleicht haben wir uns sogar mit dem:der Partner:in oder der besten Freundin zum Schauen unserer Lieblingsshow verabredet. Hier ist die Gefahr sehr viel geringer, das Streamen hinterher zu bereuen.

Aber egal, wie aufmerksam oder bewusst wir unsere Serien binge-watchen – übertreiben sollten wir es nicht. Denn wenn wir einen gewissen zeitlichen Rahmen überschreiten, wird es in jedem Fall schädlich für die Gesundheit. "Wie bei jedem Festmahl gilt: Wenn man zu viel isst, hat man das Gefühl, nicht mehr die Kontrolle zu haben", so Dr. Steiner. Beim Binge-Watching gehe es also um das Austarieren der Kontrolle, die dem Zuschauer wie noch nie zuvor gegeben wurde.

Verwendete Quellen: Deutsche Welle, spektrum.de

Gala

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