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Phantom-Vibrations-Syndrom Warum wir ständig unser Handy hören, obwohl es nicht wirklich klingelt

Frau am Smartphone | Phantom-Vibrations-Syndrom: Warum wir ständig unser Handy hören, obwohl es nicht wirklich klingelt
© Jacob Lund / Shutterstock
So sehr uns das Smartphone das Leben erleichtert, so sehr kann es uns auch schaden. Eine Folge des digitalen Dauerkonsums kann das Phantom-Vibrations-Syndrom sein.

Kennen Sie das? Sie sind sich sicher, dass Ihr Telefon in der Tasche gerade geklingelt oder vibriert hat. Dann schauen Sie drauf – nichts. Vermutlich sind Sie auch vom sogenannten Phantom-Vibrations-Syndrom betroffen. Dieses medizinische Phänomen beschreibt das Gefühl, dass das Smartphone mit einem Anruf, einer Nachricht oder einer anderen Notification vibriert, obwohl es das in Wirklichkeit nicht tut.

Die ersten Handys waren nur zum Telefonieren da, irgendwann kamen SMS dazu. Dann machten die Telefone mit dem Internet eine Evolution durch, die teure Klingeltöne zum Download, WhatsApp-Nachrichten und Spiele wie Candy Crush mit sich brachte. Das Smartphone bietet uns so inzwischen unzählige Alltagshilfen – verlangt dafür aber auch ständig unsere Aufmerksamkeit und Zeit. Gesund ist das nicht immer.

Digitales Phänomen unserer Zeit: Das Phantom-Vibrations-Syndrom

Zu viel Bildschirmzeit kann sich unter anderem mit dem Phantom-Vibrations-Syndrom bemerkbar machen, eine sogenannte taktile Halluzination. Das bedeutet, wir bilden uns ein etwas zu fühlen, das aber gar nicht da ist. Unbewusste, kleine Muskelzuckungen, die wir fälschlicherweise als Smartphone-Vibrieren interpretieren, rufen dieses Gefühl hervor.

Aber warum meinen wir, dieses Vibrieren zu spüren, obwohl es gar nicht real ist? Das ist auf die Funktionsweise unseres Gehirns zurückzuführen. Es reagiert nämlich auf Reize. Und die sind im Falle der Phantom-Vibration zwar nicht wirklich da – wir erwarten sie aber. Das hängt vermutlich damit zusammen, dass unser Smartphone ständig mit irgendwelchen Notifications vibriert. Steht es dann ausnahmsweise kurz still, erwarten wir konstant, dass wieder eine Push-Nachricht oder ein Anruf kommt.

Das Phantom-Vibrations-Syndrom wird wissenschaftlich erforscht

Dieses vermeintlich harmlose Phänomen kann im schlimmsten Fall zu ernsthaften psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen führen. Eine Studie unter indischen Studierenden hat gezeigt, wie weit verbreitet es ist – vor allem unter jungen Menschen: Rund 70 Prozent leiden am Phantom-Vibrations-Syndrom.

Eine US-amerikanische Studie der University of Michigan hat das Thema ebenfalls erforscht. Die Ergebnisse zeigen, dass das Syndrom mit einer Abhängigkeit vom Smartphone zusammenhängt. Emotional stabile Menschen und solche, die sehr bewusst mit dem Handy umgehen, laufen laut den Forschenden weniger Gefahr, abhängig zu werden und Störungen wie das Phantom-Vibrieren zu erleiden.

Sie erwarten ständig die nächste Smartphone-Nachricht? Das können Sie tun

Wenn Sie ebenfalls zu den Personen gehören, die immer wieder in Erwartung einer Notification oder eines Anrufs auf den Handybildschirm starren, sollten Sie Ihren Smartphone-Konsum vielleicht genauer unter die Lupe nehmen und überdenken. Diese Tipps können Sie dabei unterstützen:

1. Tracken Sie Ihre Bildschirmanzeigen

Die meisten Smartphones können inzwischen messen, welche App wir täglich wie lange nutzen. Sich diese Auswertung regelmäßig anzuschauen, kann helfen herauszufinden, welche Funktionen uns abhängig machen.

2. Ziehen Sie Grenzen

Nun wissen Sie, welche Apps die größten Zeitfresser sind. Basierend darauf können Sie in den Einstellungen Ihres Telefons Obergrenzen festlegen, wie lange Sie diese Programme täglich nutzen möchten. Wenn diese Grenze erreicht ist, sperrt das Smartphone sie automatisch.

3. Lassen Sie das Handy liegen

Alternativ können Sie diesen Digital Detox auch mal ganz analog gestalten – und Ihr Smartphone im Nebenzimmer und zumindest außer Reichweite lassen. Denn oft geht unser Griff beim Fernsehen oder auch am Esstisch ganz automatisch ständig zum Handy, und wir surfen nebenbei. Wenn das Gerät nicht in Sichtweite ist, lässt sich diese Gewohnheit leichter ablegen.

4. Verzichten Sie auf Push Notifications

Apps buhlen ständig um unsere Aufmerksamkeit – besonders gerne mit ständig aufploppenden Push-Meldungen. Wenn Sie eine App installieren, sind oft viele dieser Notifications voreingestellt. Überlegen Sie sich hier genau, von welchen Apps Sie wirklich ständig etwas hören möchten.

Bei Eilmeldungen von News-Apps oder Nachrichten von Ihren Lieben bieten diese Push-Meldungen vielleicht einen wirklichen Mehrwert – ,aber brauchen Sie wirklich mehrmals täglich eine neue Notification mit vermeintlich supergünstigen Deals von Online-Shops, bei denen Sie einmal bestellt haben? Wenn die Antwort hier Nein lautet: Stellen Sie diese Meldungen aus. Denn je weniger Ihr Smartphone tatsächlich bimmelt und vibriert, desto weniger verharren Sie auch in ständiger Erwartungshaltung, dass es das tut.

Verwendete Quellen: gedankenwelt.com, gesund.at, news.umich.edu

Gala

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