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Sinnvoll oder totaler Quatsch: Wie gut ist Meditation per App?

Meditieren per App funktioniert gut.
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Alle reden vom Meditieren. Aber wie geht das eigentlich? Und wie sinnvoll ist eine Meditations-App? Gala-Redakteurin Rachel hat darüber mit dem Psychologen und Meditations-Experten Dr. Boris Bornemann gesprochen

Meditation per App - kann das wirklich funktionieren? Der Psychologe Dr. Boris Bornemann hat die Antwort und erklärt, wie Meditation funktioniert und warum es gar nicht so schwer ist, wie viele denken.

Man hört ja neuerdings überall, dass irgendjemand mit Meditation begonnen hat. Warum ist das so gut?

Meditation hilft, Stress zu reduzieren, ruhiger zu schlafen und unsere Beziehungen zu verbessern. Wir lernen dadurch, unsere Gefühle klarer wahrzunehmen und den Augenblick intensiver zu erleben. Menschen, die sich so auf das Hier und Jetzt konzentrieren können, sind nachweislich glücklicher.

Dr. Boris Bornemann
Dr. Boris Bornemann
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Da passiert bei der Meditation also was im Gehirn. Aber was genau?

Es gibt viele verschiedene Arten der Meditation, und sie haben teils unterschiedliche Auswirkungen. Bei den meisten stärken wir unsere Aufmerksamkeitsnetzwerke im Gehirn. Außerdem beobachten wir Wachstum im insulären Kortex. Dort werden Körperwahrnehmungen und Gefühle verarbeitet.

Meditation: Ausstattung nicht nötig, App hilfreich

Wie kann man als absoluter Anfänger am besten mit Meditation starten?

Am Anfang ist es gut, den Körper und den Atem wahrzunehmen, uns sozusagen in diese Empfindungen fallen zu lassen. Denn der Körper bringt uns immer ins Hier und Jetzt. Das ist eine gute Voraussetzung für andere Formen der Meditation.

Und was braucht man dafür?

Es ist keine besondere Ausstattung nötig. Man kann auf einem Stuhl, einem Kissen oder Sofa sitzen, am besten bequem und aufrecht. Wenn man tiefer einsteigen möchte, ist es wichtig, sich sachkundige Unterstützung und Inspiration zu suchen.

Meditations-Apps können den Einstieg enorm erleichtern

Können Meditations-Apps dabei helfen? Sind die wirklich gut?

Gut gemachte Apps können sehr hilfreich sein. Sie bieten qualifizierte Anleitung und Erklärungen - jederzeit und überall. Es ist ratsam, sich einen Überblick zu verschaffen, um eine App zu finden, die gut zu einem passt. Ich empfehle eine mit wissenschaftlichem Hintergrund und systematisch aufgebauten Kursen. Ich habe die Meditations-App „Balloon“ mitentwickelt, die sich sehr gut zum Einstieg eignet.

Ob mit oder ohne Meditations-App - Wie lange sollte man am Anfang damit meditieren und zu welcher Tageszeit?

Zehn Minuten sind erst einmal ein guter Einstieg. Die beste Tageszeit muss jeder für sich herausfinden. Für viele ist morgens gut. Da ist der Geist noch frisch und ausgeruht, und wir haben den ganzen Tag etwas von den Effekten.

Was hilft denn, wenn man die Gedanken einfach nicht stoppen kann?

Es ist ein Missverständnis, dass beim Meditieren die Gedanken ruhen sollen. Wichtiger ist, ein liebevolles Verhältnis zu ihnen zu entwickeln, zu erkennen, wie und was wir denken. So werden wir ruhiger und klarer und können auch die Gedanken wieder mehr genießen.

Dieses Interview erschien im März 2019 bereits in der Zeitschrift GUIDO.


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