Kribbeln, Juckreiz, Quaddeln: Kälteallergie: Wenn die Temperatur sinkt, streikt der Körper

Wer unter einer Kälteallergie oder auch Kälteurtikaria leidet, muss auf vieles verzichten, das für andere selbstverständlich ist. Im See baden, mit nackten Füßen im seichten Wasser den Strand entlang spazieren oder ein Eis essen: Das alles kann bei Kälteallergikern einen Hautausschlag mit starkem Juckreiz oder noch viel Schlimmeres auslösen

Winterkälte - für Menschen mit einer Kälteurtikaria ein ernsthaftes Problem.

Dass sie eine Kälteallergie haben, kommt für viele Betroffene völlig unvermittelt - wie bei Julia: Als sie im Frühjahr mit ihrer Freundin an einem Springbrunnen in der Stadt saß und ihre Füße in das kalte Wasser baumeln ließ, merkte sie auf einmal, wie die Haut an ihren Füßen schrecklich zu kribbeln begann. Nur wenige Minuten später waren die Füße mit juckenden Quaddeln überzogen. Ein Arzt stellt schnell die Diagnose: Kälteurtikaria, eine Allergie, die eigentlich keine richtige ist und deshalb unter die Pseudo-Allergien fällt. Denn sie geht nicht wie richtige Allergien mit einer Antikörper-Bildung einher. Doch der Körper der Betroffenen reagiert auf die Kälte mit der Freisetzung von Histamin. Die Kälte-Unverträglichkeit ist damit eine besondere Form der chronischen Urtikaria, besser bekannt als Nesselsucht.

Kälteallergie: Die Symptome sind quälend

Bei einer Kälteallergie bilden sich meist großflächige Quaddeln auf den betroffenen Hautstellen.

Tausende Deutsche reagieren so wie Julia auf kaltes Wasser, Wind oder andere Kältereize. Sogar kalte Getränke oder Eiscreme können bei einer Kälteallergie unangenehme Symptome auslösen. Denn auf die Erfrischung folgt oftmals das Anschwellen des Rachens und es kommt zu Atemproblemen. Viele Betroffene trauen sich nicht einmal mehr schwimmen zu gehen, aus Angst davor, dass der gesamte Körper von Quaddeln befallen wird oder - im extremen Fall - es zu einem anaphylaktischen Schock kommt. Im Winter ist es dann besonders schlimm, denn die Allergiker können sich so gut wie gar nicht mehr im Freien aufhalten. Ein Spaziergang durch die Winterlandschaft oder gar ein Skiurlaub sind undenkbar. Ausflüge per Auto sind dann nur mit Stand- und Sitzheizung möglich.

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Kälteallergie: Wer ist betroffen?

Schätzungsweise 45 bis 75.000 Menschen leiden allein in Deutschland unter einer Kälteurtikaria. Frauen doppelt so häufig wie Männer. In durchschnittlich kälteren Regionen ist die Zahl höher als in wärmeren Gefilden. Die Schwellentemperatur, also die Temperatur bei deren Unterschreitung die ersten Reaktionen auftreten, sind von Person zu Person unterschiedlich. Manchen macht eine Temperatur von 5 Grad bereits große Probleme, bei anderen Kälteallergikern muss das Thermometer weit unter Null anzeigen, bevor sie reagieren. Zum Glück ist die Kälteallergie meist nur vorübergehend, im Schnitt hält sie fünf Jahre an.

Kälteallergie: Ursachen noch nicht ausreichend erforscht

Noch ist man sich nicht einig, was genau der Grund für die Entstehung einer Kälteallergie ist. Allerdings gibt es auf Basis verschiedener Forschungsergebnisse Vermutungen, dass der Kälteurtikaria Infektionskrankheiten wie Pfeiffersches Drüsenfieber, Windpocken, Masern, HIV oder Atemwegsinfektionen zugrunde liegen. Sicher ist, dass viele der Betroffenen auch an anderen Formen der Nesselsucht wie zum Beispiel der Kontakturtikaria oder auch an Nahrungsmittelallergien leiden. 

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Kälteallergie: Diagnose unkompliziert

Besteht erst einmal der Verdacht einer Kälteurtikaria, ist diese schnell diagnostiziert. Per Eiswürfeltest, bei dem Eiswürfel auf die Haut gelegt werden und eine allergische Reaktion abgewartet wird, lässt sich eine Kälteallergie sehr eindeutig erkennen. Um auch die genaue Schwellentemperatur festzustellen, gibt es inzwischen sogar spezielle elektronische Messgeräte. 

Kälteallergie: So behandelt man sie

Sollte der Kälteallergie eine Infektion zugrunde liegen, erfolgt eine Behandlung mit Antibiotika. Rein symptomatisch wird die Urtikaria mit Antihistaminika und Leukotrienantagonisten behandelt. Zudem können auch Cremes zum Einsatz kommen, die lokalanästhetisch wirken und somit den Juckreiz mindern (z.B Optiderm, Policalm oder Anaesthesulf). Auch cortisonhaltige Präparate werden oft verschrieben. Diese wirken jedoch weniger gegen den Juckreiz als mehr gegen die im Verlauf der Erkrankung entstehenden Hautentzündungen.

Behandlung von Allergien

So helfen Antihistaminika

Behandlung von Allergien: So helfen Antihistaminika

Capsaicin, ein Alkaloid, das unter anderem auch in Chili- und Paprikaschoten enthalten ist, kann ebenfalls den Juckreiz der betreffenden Hautareale lindern, indem es vorübergehend die Neurotransmitter aus den Nervenendigungen entleert. Auch das Auftreten von Quaddeln kann mit Capsaicin verhindert werden.

Weiter gibt es noch einige Behandlungsmethoden, deren Wirkungsweisen noch nicht völlig geklärt sind, wie zum Beispiel die sogenannte Hardening-Methode, bei der der Patient sich gezielt immer wieder der Kälte aussetzt, um den Körper daran zu gewöhnen. Auch eine regelmäßige Bestrahlung mit UV-Licht soll Abhilfe schaffen.

Neben all diesen Therapiemöglichkeiten, wird bei Kälteallergie aber vor allem zu folgendem geraten:

So ein Spaziergang mit nackten Füßen im seichten, kühlen See- oder Meerwasser ist für die meisten Betroffenen einer Kälteallergie nicht möglich.

  • Kälte und schnelle Temperaturwechsel meiden
  • an ausreichenden Kälteschutz (Kleidung) denken
  • ungeschützte Stellen wie das Gesicht vorab mit fetthaltiger Creme versorgen
  • Bäder in kaltem Wasser meiden
  • kalte Speisen und Getränke meiden
  • Notfallmedikation in Form von Cortison und Antihistaminika

Sollten Sie unter den oben aufgeführten Symptomen leiden, sprechen Sie unbedingt mit einem Arzt. Die Symptomatik kann sich im Verlauf der Erkrankung verschlimmern, daher ist es ratsam vorbeugende Maßnahmen zu treffen. Wir wünschen Ihnen gute Besserung!

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen, weshalb wir Ihnen dringend ans Herz legen, einen Spezialisten aufzusuchen. Gute Besserung wünscht Ihr GALA.de-Team.

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