Prozess gegen Bayer: Streit um die Antibabypille

Die Antibabypille ist das am häufigsten genutzte Verhütungsmittel. Dass sie auch Risiken birgt, weiß aber kaum jemand

Als die Antibabypille in den 60er Jahren des vergangenen Jahrtausends auf den Markt kam, war sie eine Sensation: Zum ersten Mal konnten sich Frauen wirksam und unkompliziert vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen. Diese neu gewonnene Freiheit führte dazu, dass rund 100 Millionen Frauen weltweit mit der "Pille" verhüten.

Die "Pille": Eine Erfolgsgeschichte mit Haken

Felicitas Rohrer mit der "Yasminelle"

War die Antibabypille anfangs noch eine echte Hormonbombe, entwickelte die Forschung über die Jahrzehnte immer niedriger dosierte Mini-und Mikropillen bei gleicher Wirksamkeit. Damit sollte der Eingriff in den Hormonhaushalt und die Wahrscheinlichkeit einer möglichen Thrombose möglichst gering gehalten werden, denn bisher galt: Je höher die Östrogendosis, desto höher ist auch das Thrombose-Risiko. Doch insbesondere die neuen Pillen der dritten und vierten Generation, die u.a. noch ein Gestagen enthalten, stehen im Verdacht Thrombosen zu fördern.

Posttraumatisches Stresssyndrom

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©Gala

Klage gegen Bayer

Erstmals in der deutschen Geschichte wurde nun eine Klage gegen den Pharmakonzern Bayer eingereicht. Die Klägerin Felicitas Rohrer erlitt 2009 mit damals 25 Jahren eine Lungenembolie, was zu einem Herzstillstand führte. Nur durch eine schnelle Not-OP konnte sie wieder ins Leben geholt werden. Die Lungenembolie war auf eine Thrombose zurückzuführen, die sie nicht bemerkte. Das Gerinnsel in der Vene löste sich, gelangte mit dem Blutfluss übers Herz in die Lunge und verstopfte dort ein Gefäß. Wenige Monate zuvor hatte sie begonnen die Antibabypille "Yasminelle" einzunehmen.

Felicitas Rohrer sagt, sie hätte diese Pille nie genommen, hätte sie gewusst, dass das Thrombose-Risiko derart steigen würde und meint, dass Bayer nicht ausreichend davor gewarnt hätte, dass gerade diese Pille ein höheres Risiko birgt, als die Pillen der Generationen zuvor. Es ginge ihr auch gar nicht um Geld, sondern darum, dass möglicherweise lebensgefährliche Produkte wie "Yasminelle" vom Markt genommen werden, um andere Frauen zu schützen.

Sollte sie mit dieser Klage Erfolg haben, ist davon auszugehen, dass viele andere Frauen sich überlegen werden zu klagen. Kein Wunder also, dass Bayer diesen Prozess unbedingt gewinnen will. Ein baldiges Ende ist nicht in Sicht.

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