Organspende-Debatte: Junger Mann postet dramatischen Appell für seine Frau bei Facebook

Am heutigen Donnerstag (16. Januar) hat der Bundestag gegen die "doppelte Widerspruchslösung" von Gesundheitsminister Jens Spahn abgelehnt. Ein Rückschlag für all diejenigen, die auf ein Spenderorgan warten. Auch für Laura W., die schwer kranke Frau von Tobias Schied.

Ein Organspendeausweis kann Leben retten

"Hallo zusammen, heute möchte ich euch meine Geschichte erzählen, weil sie ein Thema behandelt, das uns alle angeht, ein Thema, das Tausenden von Menschen das Leben retten kann!", so leitet Tobias Schied seinen Appell ein, den er Anfang Januar bei Facebook postete. Unter ein Schwarz-Weiß-Foto seiner Frau Laura schreibt er ihre Geschichte auf – und die ist hoch emotional. 

Laura erkrankt über Nacht schwer

"Bisher führten wir, wie viele von euch, ein ganz normales Leben", schreibt Tobias. Das änderte sich 2018, als Laura plötzlich über Nacht in die Notaufnahme musste. "Diagnose: eine unheilbare Herzerkrankung." Laura braucht ein Spenderorgan. Ohne das hat die 33-Jährige keine Chance zu überleben. Die Ärzte geben Lauras Herz gerade einmal ein bis anderthalb Jahre. Die Wartezeit auf ein Organ beträgt durchschnittlich sechs Jahre. Mindestens. Seit Juni 2019 steht Laura auf der Warteliste für ein neues Herz. Ausgang ungewiss. 

Hallo zusammen, heute möchte ich euch meine Geschichte erzählen, weil sie ein Thema behandelt, das uns alle angeht, ein...

Gepostet von Tobias Schied am Mittwoch, 8. Januar 2020

Bundestag lehnt Spahn-Vorschlag ab

Am heutigen 16. Januar lehnte der Bundestag den Antrag auf Einführung der "doppelten Widerspruchslösung" ab. Eine Abgeordnetengruppe um Gesundheitsminister Jens Spahn hatte sich dafür stark gemacht, dass künftig jeder als Spender gelten solle, außer man widerspricht. Es bleibt daher weiterhin nur mit ausdrücklicher Zustimmung erlaubt, Verstorbenen Organe zu entnehmen. Das ist ein Rückschlag, nicht nur für Tobias Schied und seine Frau Laura, sondern für alle 9000 Menschen, die derzeit in Deutschland auf ein Spenderorgan warten. 

Zahl der Organspender leicht rückläufig

Lediglich 932 Organe konnten im vergangenen Jahr erfolgreich in Deutschland transplantiert werden. 2018 waren es noch 955 gewesen. Der Trend ist also leicht rückläufig. Und das, obwohl die Bereitschaft der Menschen, ihre Organe nach dem Tod zu spenden, durchaus da ist. Die Hürde, sich eine Organspendeausweis zuzulegen, halte allerdings viele davon ab, aktiv zu werden. Dementsprechend ist es durchaus zu begrüßen, dass der zweite Entwurf, den eine Gruppe um Grünen-Chefin Annalena Baerbock und die Linke-Vorsitzende Katja Kipping heute im Bundestag eingebracht hat, angenommen wurde. Demnach sollen Bürger nun mindestens alle zehn Jahre beim Abholen eines neuen Personalausweises auf das Thema Organspende aufmerksam gemacht werden. Hausärzte sollen bei Bedarf alle zwei Jahre über das Thema aufklären.

Ob die Entscheidung Tobias Schied und seiner Frau helfen wird, bleibt abzuwarten. Dennoch gibt sich der junge Mann in seinem Facebook-Posting zuversichtlich. "Ihr habt es in der Hand, dem Thema eine starke Stimme zu geben. Wenn aufgrund dieses Posts nur einige Leben gerettet werden können, ist viel erreicht", schreibt er zum Ende seines Textes.

Organspendeausweis: Zum Download oder kostenfreien Bestellen

Verwendete Quelle: Focus, Facebook, Welt

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