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Unglaublich Mann setzt sich für die Freilassung des Mörders seines Sohnes ein

Tony Hicks sitzt im Gefängnis, weil er einen Jungen ermordete
Tony Hicks sitzt im Gefängnis, weil er einen Jungen ermordete
© Shutterstock
24 Jahre ist es her, dass Azim Khamisa seinen Sohn Tariq verlor. Er wurde im Alter von 20 Jahren ermordet. Heute ist Azim mit dem Mörder seines Sohnes befreundet, setzt sich sogar für dessen Freilassung ein

Knapp 40.000 Menschen sind in den USA im vergangenen Jahr durch Schusswaffen ums Leben gekommen. Genau diesen Horror musste Azim Khamisa erleben. Der Vorfall, bei dem sein Sohn Tariq ums Leben kam, ist mittlerweile 24 Jahre her, der Schmerz darüber ist allerdings noch nicht verebbt. Dennoch hat der US-Amerikaner es geschafft, dem Mörder seines Sohnes zu verzeihen. Mehr noch. Denn Azim ist heute sogar eng mit Tony Hicks befreundet, betreibt gemeinsam mit dessen Großvater eine Charity-Foundation und kämpft für die Freilassung des Mörders seines Sohnes.

"Es fühlte sich an, als wäre eine Atombombe in meinem Herzen explodiert"

Es war am 21. Januar 1995, als die Welt von Azim Khamisa zusammenbrach. Der Anruf der Mordkommission, die ihm mitteilte, dass sein damals 20-jähriger Sohn Tariq erschossen worden war, traf ihn aus heiterem Himmel. "Noch nie in meinem Leben habe ich so einen Schmerz gespürt", erinnert sich Azim im Gespräch mit "Huffington Post". Tariq war von einer Jugendbande in einen Hinterhalt gelockt und dann erschossen worden. Von dem damals gerade einmal 14 Jahre alten Tony Hicks.

Azim begibt sich auf die "Reise der Vergebung"

Doch während sich bei vielen Hinterbliebenen Trauer schnell in Wut umwandelt, kam Azim zu der Erkenntnis, dass auch Tony ein Opfer sei – nämlich ein "Opfer der amerikanischen Gesellschaft". Und so nahm der Vater des getöteten Tariq Kontakt zur Familie des Mörders auf. Zunächst traf er sich mit Tonys Großvater "aus Mitgefühl und Vergebung". Immerhin hätten sie beide ein geliebtes Familienmitglied verloren, so Azim Khamisa. Fünf Jahre später besuchte er dann sogar Tony im Gefängnis. 

Er blickte dem Mörder seines Sohnes in die Augen

Anderthalb Stunden saßen die beiden Männer zusammen, unterhielten sich. Ohne Wut, aber mit ganz viel Schmerz. Und Verständnis. Denn Azim wollte verstehen, wie Tony zum Mörder werden konnte. "Ich blickte in seine Augen, er in meine. Gefühlt dauerte dieser Moment eine Ewigkeit. Ich versuchte, in seinen Augen einen Mörder zu finden – doch konnte ich es nicht.” 

Hinter Gittern

Heute – 24 Jahre später – sind Azim und Tony enge Freunde. Die Familie des getöteten Tariq setzt sich sogar für die Entlassung von Tony ein – eine Geste, die an Größe wohl kaum zu überbieten ist. 

abl Gala

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