Neuer Ferndiagnose-Service: Krankschreiben über WhatsApp ist jetzt möglich - aber auch legal?

Der Kopf ist dicht, der Hals geschwollen: Bei einer Erkältung ist insbesondere Bettruhe und Schonung angesagt. Wie praktisch, wenn man für ein Krankschreiben das Haus nicht mehr verlassen müsste ...

Krankschreiben via WhatsApp - hat dieser Service wirklich Zukunft?

Was meistens mit einem unangenehmen Halskratzen beginnt, nimmt seinen Weg häufig über eine schniefende Nase bis hin zu einem lästigen Husten - eine typische Erkältung kann der Großteil der Betroffenen selbst diagnostizieren und weiß in den meisten Fällen auch, was ihnen während dieser unangenehmen Phase am besten hilft. 

Das umfasst der WhatsApp-Service von "AU-Schein"

Doch für die Arbeit ist ein Krankschreiben häufig unabdinglich. Die Idee eines Hamburger Start-up-Unternehmens ist daher, das Bett weiterhin zu hüten und seine Zeit und Energie nicht für eine dreiminütige Untersuchung nach einem ewig langen Aufenthalt im  überfüllten Wartezimmer zu verschwenden.

Das Unternehmen entwickelte hierfür den Service "AU-Schein", der seit Mitte Dezember für neun Euro im Netz erhältlich ist. Dahinter verbirgt sich folgendes Konzept: Der Kranke muss im Rahmen eines Chats in WhatsApp Fragen zu Symptomen und etwaigen Risiken beantworten. Daraus ableitend wird dann eine Diagnose gestellt. Im Falle einer Erkältung stellt ein Arzt ein Krankschreiben aus und sendet diese dem Betroffenen als Foto zu. Einen Tag später erhält der Nutzer die Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit zusätzlich per Post.  

Der Service entspreche auch der "DSGVO", so der Firmengründer

Eine weitere Kommunikation zwischen Arzt und Patient - inklusive Foto der Versichertenkarte - erfolge über den Ende-zu-Ende-verschlüsselten Messenger-Dienst und entspreche damit auch der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), so der Firmengründer Can Ansay. 

Ist das Krankschreiben via Chat rechtens? 

Klingt einfach und plausibel - doch ist das überhaupt legal? Das Unternehmen sagt: ja - der Service sei von "Rechtsanwälten bestätigt". Sie beziehen sich auf eine Änderung zur Telemedizin: Diese darf seit 2018 in vielen Bundesländern im Einzelfall zum Einsatz kommen, in Schleswig-Holstein ist sie sogar umfassend zugelassen.

Prüfungen laufen

Doch es gibt auch kritische Stimmen zum neuen Krankschreibe-Service: Die Ärztekammern in Hamburg und Schleswig-Holstein raten von der Nutzung des Online-Angebots ab: Es könne sein, dass Arbeitgeber eine solche Krankschreibung nicht anerkennen, meint Nicola Timpe von der Ärztekammer Hamburg.

Carsten Leffmann, ärztlicher Geschäftsführer der Ärztekammer Schleswig-Holstein, sagt gegenüber der Nachrichtenseite "Heise": "Ich sehe schon einen Unterschied zwischen einer Fernbehandlung und der Fernausstellung eines Dokuments." Er rate von Angeboten global agierender Unternehmen wie WhatsApp oder Skype ab. Zusätzliche prüfe die Rechtsabteilung seiner Kammer das Geschäftsmodell des Services. 

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©Gala

Verwendete Quellen: Heise, AU-Schein, Bento

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