Antibiotika halfen nicht mehr: Bakterienfresser retten todkrankem Mädchen das Leben

Die Heilung eines britischen Mädchens gleicht einer medizinischen Sensation: Isabelle Holdaways Heilungschancen standen mehr als schlecht, bis sich die Ärzte dazu durchrangen, sogenannte Bakterienfresser einzusetzen

Isabelle Holdaway

Isabelle Holdaways junges Leben schien vorbei, als sich der Tuberkulose-ähnliche Erreger Mycobacterium abscessus in ihrer Lunge festsetzte. Dass sich Bakterien in ihrer Lunge einnisten konnten, war kein ganz ungewöhnliches Szenario: Die Britin leidet an Mukoviszidose. Als der besagte Erreger in der Lunge der damals 15-Jährigen bemerkt wurde, setzten die Ärzte eine beidseitige Transplantation an. Doch der Eingriff blieb erfolglos. Die Bakterien blieben im Körper und infizierten die Operationswunde, die Leber sowie viele weitere Stellen am Körper. Die Heilungschancen sahen die Ärzte bei weniger als einem Prozent, so schreibt es "Nature Medicine" – bis Isabelles Eltern um den Einsatz von Bakterienfressern baten.

Isabelle Holdaways Leben wurde gerettet

Was niedlich klingt, rettete letztlich Isabelles Leben, denn Antibiotika konnten ihr nicht mehr helfen, die Ärzte wollten schon die Palliativmedizin einleiten. Auf Druck von Isabelles Eltern hin nahmen die Mediziner Kontakt zu ihren Kollegen von der Universität von Pittsburgh auf, die an einer neuen Therapieform mit Bakteriophagen arbeiten. Hinter diesen Phagen verbergen sich sogenannte Bakterienfresser, also Viren, die andere Bakterien angreifen und ihr Erbgut in deren DNA bauen. Somit entsteht eine Vielzahl von Phagen-Kopien, die die anderen Bakterien verdrängen. Im besten Falle, so schreibt es "Spiegel Online", fressen die Phagen die krankmachenden Bakterien einfach auf. 

Muddy, JoeJ und BPs konnten Isabelle helfen

Bei Isabelle Holdaway schlug die noch nicht wirklich erprobte Therapie glücklicherweise an. Nachdem die Forscher drei Phagen-Stämme, ursprünglich hatten sie etwa 15.000 gezüchtet, nach London geschickt hatten, konnte die Behandlung an der damals 15-Jährigen beginnen. Von den drei Stämmen – Muddy, JoeJ und BPs – schlug lediglich Muddy an. Wie "Spiegel Online" weiter berichtet, hätten sich die beiden anderen zwar eingenistet, aber nicht vermehrt. Die Mediziner optimierten die Stämme daraufhin noch einmal. Isabelle wurden die Bakterien dann zuerst an der Operationswunde am Brustbein und später intravenös verabreicht. Über 32 Wochen wurden ihr etwa drei Millionen Einheiten Phagen pro Dosis injiziert, so ein Bericht des "Tagesspiegels". 

Heute lassen sich die Erreger in Isabelles Körper kaum noch nachweisen, auch die Wunden am Körper sind verheilt. Um den Krankheitserregern aber komplett den Garaus zu machen, wollen die Forscher noch eine weitere Phagen-Spezies ansetzen. Obwohl die Arbeit mit Phagen nichts gänzlich Neues ist, so ist Isabelles Fall der erste bekannte, bei dem genveränderte Bakterienfresser zum Einsatz kamen. Auf dem Gebiet der Phagen-Forschung erzielte vor allem Gregory Winter, 68, bahnbrechende Ergebnisse. 2018 erhielt er dafür den Nobelpreis für Chemie. 

Endlich wieder ein fast normales Leben

Heute ist Isabelle Holdaway 17 Jahre alt, macht der BBC zufolge gerade ihren Führerschein und geht wieder zur Schule. Obwohl es ihr heute sehr viel besser geht und sie auch in Sachen Gewicht wieder stabil ist, bekommt sie nach wie vor "Phagen-Cocktails" verabreicht. 

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©Gala

Verwendete Quellen: The Guardian, Spiegel Online, BBC, Tagesspiegel, Nature Medicine



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