Arbeitslosigkeit: Hartz-IV-Empfänger erzählen von demütigenden Jobcenter-Erlebnissen

Aufgaben lösen, die einem Grundschulniveau gleichkommen, statt einer Essensmarke eine Banane erhalten und mit 60 Jahren eine Waffe tragen müssen - Maßnahmen, die laut eigener Aussage Hartz-IV-Empfänger über sich ergehen lassen mussten

Jobcenter

Schwer vorzustellen: Eine Aufgabe der Arbeitsagentur, die an Hartz-IV-Empfängerinnen und -Empfänger gerichtet ist, kann beispielsweise wie folgt lauten: "Schreibe unter jedes Bild das passende Wort. Vorsicht, nicht jedes Wort wird mit "tz" geschrieben." Unter der Aufgaben finden sich Bilder von einer Katze, einem Blitz oder einem Kreuz.
Als sei es für manche der Betroffenen nicht schon erniedrigend genug, das Arbeitslosengeld II überhaupt beziehen zu müssen, werden sie zusätzlich mit solchen kinderleichten Rechtschreibübungen, die die Arbeitsagentur als sogenannte "Weiterbildungsmaßnahme" bezeichnet, behelligt. 

Diese Weiterbildungsmaßnahme sorgt auf Twitter für Aufsehen

Das Bild mit der kuriosen Aufgabenstellung sorgt bei "Twitter" derzeit für große Furore. Die Tochter, die das Papier fotografiert hat, schreibt zu dem Bild: "Meine Mutter ist seit gestern in einer Hartz-IV-Maßnahme und soll dort solche Aufgaben lösen. Das ist pure Erniedrigung erwachsener, intelligenter Menschen. Aber wenn sie fortbleibt, drohen Sanktionen." 

Die "Agentur für Arbeit" prüft den Fall

Das Bild der Twitter-Userin gefällt derzeit 6.477 Personen, 3.288 haben es sogar geteilt. Unter den zum Teil sehr entsetzten Kommentaren der User, findet sich auch einer des offiziellen Twitter-Accounts der "Agentur für Arbeit". In dem Kommentar bitten sie die Twitter-Userin, das Foto an eine E-Mail-Adresse zu verschicken, damit die Echtheit des Dokuments geprüft werden kann. Ein offizielles Ergebnis ihrer Prüfung ist derzeit jedoch noch nicht bekanntgegeben worden. 

"Vice" veröffentlicht weitere erniedrigende Jobcenter-Erlebnisse

Dass es scheinbar häufiger zu solchen erniedrigenden und zum Teil fraglichen Maßnahmen in deutschen Jobcentern kommt, hat ein Redakteur der Nachrichtenseite "Vice" ausfindig machen können. Er befragte zwei Tage lang Betroffene vor dem Jobcenter in Berlin-Kreuzberg, um über ihre Erlebnisse zu schreiben.

Darunter sprach er mit einem Mann, der durch eine längere Krankheit, die Termine auf dem Amt nicht wahrnehmen konnte. Seine Sanktion sollte lauten: Kürzung des Arbeitslosengeldes um 60 Prozent. Mit dieser Kürzung reichte das Geld kaum noch für Essen, weshalb er beim Amt nach Lebensmittelmarken fragte. Laut des Interviews gegenüber "Vice" habe der Mann Folgendes erfahren: Die Frau am Amt kramte in ihrer Schublade,  zog eine Banane hervor und legte sie vor ihm auf den Tisch. Dabei sagte sie: "Jetzt haben sie was."

Mit 62 Jahren sollte sie sich umschulen und eine Waffe tragen

Eine andere Betroffene erzählte dem "Vice"-Redakteur, dass das Jobcenter von ihr verlangte, mit 62 Jahren eine Umschulung zur Pförtnerin vorzunehmen. In der Berufsbeschreibung hieß es, der Job sei für Soldaten geeignet und mit Waffengebrauch verbunden. "Die wollten mich als alte Frau mit einer Knarre losschicken! Das nenne ich menschenverachtend", sagte sie im Interview. Den Job einfach abzulehnen, hätte die Frau sich jedoch nicht leisten können. Stattdessen habe sie einen Beschwerdebrief ans Berliner Abgeordnetenhaus geschickt. Danach sei sie beim Jobcenter immerhin wieder wie in Mensch behandelt worden. 

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Verwendete Quellen: Vice, Twitter

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