Ein Frauenarzt erklärt : Methoden hormoneller Verhütung

Die Antibabypille ist das am häufigsten verwendete Verhütungsmittel in Deutschland, wodurch viele andere Methoden unbekannt bleiben. Dr. med. Christian Albring sprach mit GALA über hormonelle Empfängnisverhütung 

Antibabypille, Spirale, Verhütungspflaster... Welche Verhütungsmethode ist die beste für Sie?

Verhütung ist in Deutschland immer noch Frauensache. Junge Mädchen werden als Teenager zum Frauenarzt geschickt , wo ihnen in den meisten Fällen die Antibabypille verschrieben wird. In den folgenden Jahren schlucken sie das hormonelle Präparat täglich. Andere Formen der hormonellen Verhütung erwägt der Frauenarzt erst, wenn die Pille für die Patientin nicht passend ist. So bleiben Verhütungsmittel, wie der Vaginalring oder das Verhütungspflaster, für viele Frauen unbekannt. 

Östrogene und Gestagene: Wie funktioniert hormonelle Verhütung?

Egal für welche Form der hormonellen Verhütung man sich entscheidet,  Östrogene und Gestagene spielen immer eine Rolle. Es handelt sich dabei um weibliche Geschlechtshormone, die den Menstruationszyklus im Körper einer Frau regeln. Verhütungsmittel auf hormoneller Basis enthalten künstlich hergestellte Geschlechtshormone, die den Hormonspiegel konstant halten sollen. Bei hormoneller Verhütung bleibt die Eireifung und normalerweise auch der Eisprung aus. Zudem machen die künstlichen Gestagene den Schleim am Muttermund für Spermien undurchlässiger. Die Spermien können damit nicht mehr in die Gebärmutter eindringen. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung verhüten 53 Prozent der sexuell aktiven Frauen in Deutschland mit der Antibabypille.

Die Antibabypille - die Lösung für viele Frauen?

Gegenüber GALA erklärt Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte und niedergelassener Frauenarzt in Hannover, die hormonelle Verhütung grundsätzlich als sehr zuverlässig. Speziell über die Antibabypille sagt der Frauenarzt: "Kein anderes Verhütungsmittel bietet eine solche Vielzahl an Möglichkeiten, sich an das Risikoprofil und die Besonderheiten der einzelnen Frau anzupassen, wie die Pille." Es gebe über 30 unterschiedliche Varianten von Antibabypillen, die sich durch die Menge des eingesetzten Östrogens und der Art des eingesetzten Gestagens unterscheiden. 
"Wenn eine Frau sich mit einer gewählten Variante der Antibabypille nicht wohlfühlt, stehen noch viele hormonelle Verhütungsalternativen offen", erklärt der Experte und macht deutlich, dass der behandelnde Frauenarzt die optimale hormonelle Verhütungsmethode auf die Patientin anpassen könne. Mit GALA sprach er über die verschiedenen Möglichkeiten der Empfängnisverhütung. 

Der Vaginalring ist ein beliebtes Verhütungsmittel. Der Frauenarzt erklärt die Vor-und Nachteile.

Der Vaginalring 

Der Vaginalring ist ein biegsamer Kunststoffring in Einheitsgröße. Es handelt sich um ein kombiniertes Hormonpräparat mit einem Östrogen und einem Gestagen. Der Vaginalring wird am ersten Tag einer Monatsblutung eigenständig von der Frau eingesetzt und für drei Wochen wie ein Tampon getragen.  Sicherheitshalber sollte die Anwenderin in regelmäßigen Abständen kontrollieren, ob der Ring noch vorhanden ist. In dieser Zeit gibt der Vaginalring kontinuierlich die künstlichen Hormone ab. Danach erfolgt eine Woche Pause, in der die nächste Regelblutung auftritt. 

Wem empfiehlt der Frauenarzt den Vaginalring?

"Der Vaginalring kann besonders sinnvoll bei Frauen mit einem sehr unregelmäßigen Tagesrhythmus sein", erklärt Frauenarzt Dr. med. Christian Albring. Ein stressiger, unregelmäßiger Alltag könne nämlich eine zuverlässige Einnahme der Antibabypille erschweren. Da die Hormone nicht durch den Darm aufgenommen werden, müssen sich Frauen mit einem empfindlichen Magen keine Sorgen machen, dass die Wirkung des Vaginalrings zum Beispiel nach dem Erbrechen abnimmt.

Das Verhütungspflaster

Bei dieser Verhütungsmethode wird ein Hormonpflaster auf die Haut geklebt. Ein Verhütungspflaster ist zwar hautfarben, aber 20cm2 groß und damit stark sichtbar. Es gibt die künstlichen Hormone Östrogen und Gestagen kontinuierlich über die Haut der Frau ab. Das Verhütungsmittel wird einmal pro Woche fest auf die Haut geklebt, wo es für sieben Tage bleibt. Am achten Tag wechselt die Frau eigenständig das Verhütungspflaster. Nach drei Wochen folgt eine Pause von sieben Tagen, in der die Monatsblutung auftritt. 
Beim Aufkleben des Verhütungspflasters ist zu beachten, die Körperstelle regelmäßig zu wechseln, da sonst Rötungen oder Hautirritationen auftreten können. Am Oberarm oder Bauch entsteht in den meisten Fällen keine Reibung durch Kleidung. Diese Körperstellen empfiehlt der Frauenarzt für das Verhütungspflaster.

Wem empfiehlt der Frauenarzt das Verhütungspflaster?

Ähnlich wie beim Verhütungsring, eignet sich auch das Verhütungspflaster für Frauen mit einem unregelmäßigen Alltag. Ab einem Körpergewicht von 90 kg nimmt die Wirkung dieser Verhütungsmethode allerdings ab und das Verhütungspflaster ist damit nicht für die Frau geeignet.
Mit der Einnahme der Pille durchlaufen die Hormone den gesamten Verdauungstrakt. Da die Hormone bei dem Verhütungspflaster aber über die Haut und nicht über den Darm aufgenommen werden, eignet sich die Verhütungsvariante für Frauen mit einem empfindlichen Magen. Die Patientin muss sich allerdings darüber im Klaren sein, dass durch das Verhütungspflaster Hautirritationen auftreten können.

Hormonfreie Verhütung

Eine sichere Alternative zur Pille?

Immer mehr Frauen entscheiden sich für eine natürliche Verhütung und schwören künstlichen Hormonen ab. Aber ist das sicher? 

Das Verhütungsstäbchen 

Das Verhütungsstäbchen wird während der Blutung für drei Jahre unter die Haut transplantiert und gibt von dort aus kontinuierlich ein Gestagen ab. Benutzerinnen können das Hormonpräparat danach unter der Haut ertasten. Ärzte platzieren das Verhütungsstäbchen meistens mithilfe einer örtlichen Betäubung an der Unterseite des Oberarmes. Der Nachteil dieser hormonellen Verhütungsmethode ist, dass die Verträglichkeit vor dem Einsetzen des Verhütungsstäbchens nicht getestet werden kann. 

Wem empfiehlt der Frauenarzt das Verhütungsstäbchen?

Der Experte rät Frauen, die nicht täglich an die Verhütung denken wollen und bei denen eine Spirale nicht in Frage kommt, zu dem Verhütungsstäbchen. Für Frauen mit Blutdruckproblemen ist dieses Verhütungsmittel nicht geeignet. Der Frauenarzt weist außerdem daraufhin, dass dieses hormonelle Verhütungsmittel nach drei Jahren operativ entfernt werden müsse. 

Hormonspirale 

Bei der Hormonspirale handelt es sich um einen kleinen T-förmigen Körper aus Kunststoff, der künstliche Hormone abgibt. Der Kunststoffkörper stellt einen Störfaktor für die Einnistung der Eizelle in der Gebärmutter dar. Nachdem die Hormonspirale während der Periode vom Frauenarzt eingesetzt wurde, kann sie fünf Jahre in der Gebärmutter liegen. Der Zeitpunkt  der Periode ist zum Einsetzen besonders günstig, weil der Muttermund zu diesem Zeitpunkt weicher und zugänglicher ist. In dieser Zeit muss sich die Frau keine Gedanken über die Verhütung machen. Die Menstruation tritt durch das Einsetzen der Hormonspirale bei vielen Frauen weniger stark auf. 

Wem empfiehlt der Frauenarzt die Hormonspirale?

In Beratungsgesprächen zur Verhütung empfiehlt Dr. med. Christian Albring Frauen eine Hormonspirale, wenn sie vergesslich sind oder eine systemische Hormongabe vermeiden möchten. Sie möchten also nicht, dass die Hormone, wie bei der Antibabypille, erst die gesamte Verdauung durchlaufen müssen. Stattdessen soll das Verhütungsmittel lokal in der Gebärmutter wirken. "Sie ist sehr zuverlässig und wird meist sehr gut vertragen. Bei Frauen mit Thromboserisiken ist die Hormonspirale besonders empfehlenswert", erklärt der Frauenarzt.  Er verschreibt das Verhütungsmittel, wenn ein längerfristiger Empfängnisschutz gewünscht wird. Da sich viele junge Frauen die Hormonspirale schon vor der ersten Schwangerschaft einsetzen lassen wollen und ihr Becken damit noch ziemlich schmal ist, gibt es das Verhütungsmittel in unterschiedlichen Größen. Vor dem Einsetzen ertastet der Frauenarzt die Größe  der Gebärmutter und kann sagen, ob sich eine Hormonspirale eignet. Bei vielen Mädchen ist aber sogar die kleinste Variante zu groß und kommt daher als erste Verhütungsmethode nicht in Frage. 

Themen

Erfahren Sie mehr:

Star-News der Woche