Busy Philipps: Sie spricht über ihre eigene Abtreibung

Ein neues Abtreibungsgesetz in Alabama beschäftigt nicht nur die USA, sondern löste eine weltweite Debatte über Frauenrechte aus. Auch das Netz reagiert: Auf Twitter formiert sich Widerstand gegen die Gesetzgebung

Das neue Abtreibungsgesetz, das im US-amerikanischen Bundesstaat Alabama verabschiedet wurde, löste auf der ganzen Welt heftige Debatten über Frauen, ihre Körper und Rechte aus. Das vom Repräsentantenhaus und auch vom Senat beschlossene Gesetz sieht harte Strafen gegen Ärzte vor, die Abtreibungen durchführen. So sollen Mediziner, die gegen das neue Gesetz verstoßen, mit bis zu 99 Jahren Haft bestraft werden – unabhängig davon, ob sich die Frau ausdrücklich für den Schwangerschaftsabbruch entschieden hat. Selbst wenn das Kind bei einer Vergewaltigung oder Inzest gezeugt wurde, so muss die Frau es austragen. Nur wenn die Gesundheit der Mutter gefährdet sei, sei eine Abtreibung erlaubt, so sieht es das neue Gesetz vor. Weltweit lehnen sich nun Frauen und Männer gegen den Beschluss der republikanischen Regierung auf. Schauspielerin Busy Philipps, 39, etablierte einen Hashtag, mit dem auf ganz besondere Art und Weise gegen das neue Gesetz vorgegangen werden soll. 

Busy Philipps gründet Twitter-Bewegung

Denn Philipps berichtete in ihrer Late-Night-Show "Busy Tonight" schonungslos ehrlich von ihrer eigenen Abtreibung, die sie im Alter von 15 Jahren vornehmen ließ. "Ich erzähle das, weil ich mich um alle Frauen und Mädchen in diesem Land sorge", sagt die 39-Jährige mit Tränen in den Augen. "Die Statistik ist, eine von vier Frauen treibt vor ihrem 45. Lebensjahr ab." Damit bezieht sie sich auf eine Studie aus dem "American Public Health Journal""Diese Statistik überrascht Menschen und vielleicht sitzt du jetzt da und denkst‚ 'Ich kenne niemanden, der eine Abtreibung hatte', aber du kennst mich", spricht sie weiter. Mit ihrem Aufruf, das Thema öffentlich zu machen, legte sie den Grundstein für eine mutige und ehrliche Twitter-Bewegung.

#youknowme gibt vielen Frauen die Möglichkeit, sich zu öffnen

Unter dem Hashtag "youknowme" berichten nun zahlreiche Frauen von ihren persönlichen Erfahrungen, teilen schockierende und emotionale Momente aus dem eigenen Leben. Eine Twitter-Nutzerin schreibt: "Ich war nicht jung und nicht schlecht über Verhütungsmittel informiert. Ich hatte eine selbstdestruktive Phase und einen Loser als Freund. Meine Mutter hatte eine gefährliche Hinterhof-Abtreibung, als sie sehr jung war und hat sich immer für Frauenrechte stark gemacht. Ich habe nicht zweimal drüber nachgedacht."

Eine andere berichtet ebenfalls von einem Schwangerschaftsabbruch aufgrund der eigenen schlechten Verfassung und einer gefährlichen Beziehung: "Ich lebe in Georgia. Katholisch aufgewachsen. Es stellte sich heraus, dass ich im vierten Monat war, während ich wegen einer Essstörung hungerte und in einer toxischen, missbräuchlichen Beziehung war, 21, arm. Ich bat meinen Chef um einen Kredit, allerdings war es mir zu peinliche zu sagen, warum. Alles war schrecklich, außer dass ich weiß, dass es die richtige Entscheidung für mich war." Die Userin berichtet weiter, dass sie sich erst hinterher ihrer Mutter anvertraute: "Kurz darauf erfuhr ich von meiner Mutter, dass auch sie als Teenager eine Abtreibung hatte. Sie hat es meinem Vater nie erzählt."

Milla Jovovich berichtet ebenfalls von ihrer Abtreibung

Busy Philipps erhält nicht nur im Netz Rückendeckung und Unterstützung, auch andere Prominente wagten nach ihrer mutigen Aussage den Schritt in die Öffentlichkeit. So zum Beispiel Milla Jovovich, 43, die auf Instagram von ihrer eigenen Abtreibung erzählte. Sie selbst habe eine Notabtreibung nach viereinhalb Monaten Schwangerschaft durchführen lassen müssen. "Es war eine der schrecklichsten Erfahrungen, die ich je gemacht habe. Ich habe immer noch Albträume. Ich war alleine und hilflos. Wenn ich an die Tatsache denke, dass Frauen aufgrund neuer Gesetze unter noch schlimmeren Bedingungen Schwangerschaftsabbrüche erleiden müssen als ich, dreht sich mein Magen um", so die dramatischen Worte der Schauspielerin. Im Anschluss an den Eingriff habe sie unter furchtbaren Depressionen gelitten. 

Kritische Kommentare im Netz

Natürlich ernten Philipps und Jovovich nicht nur Zuspruch und Unterstützung für ihre Ehrlichkeit. Die Aussagen wurden zahlreich und heftig kritisiert; den Frauen wurde gar vorgeworfen, stolz auf ihre Entscheidung zu sein. Dagegen wehrt sich Busy Philipps in der "New York Times": "Ich weigere mich, in Schande zu leben, und ich weigere mich, über etwas Stillschweigen zu bewahren, für das ich mich nicht schäme." Von Stolz könne jedoch keine Rede sein, vielmehr sei eine Abtreibung etwas, das viele Frauen durchgemacht haben und für das man sich nicht grämen müsse. 

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©Gala

Verwendete Quellen: Twitter, Instagram, YouTube, Stern Online, Spiegel Online, ARD, Süddeutsche Zeitung, ajph.aphapublications.org




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