Anschläge in Belgien: Wie die Liebe den Hass besiegte

#AufdieLiebe: Ein Selfie mit Wodka-Glas wird zur Gallionsfigur einer Twitter-Bewegung gegen den Hass

Kathrin Weßling

Kathrin Weßling

Entsetzen nach Terror-Attacken von Brüssel

Die Anschläge von Brüssel erschütterten die Welt. Mit mehreren gezielten Bomben-Attentaten auf den Brüsseler Flughafen und eine U-Bahnstation töteten Anhänger des "Islamischen Staats" mehr als 30 Menschen und hinterließen 250 Verletzte. Nicht nur Belgien war geschockt von den unerwarteten Bluttaten, auch das Internet nahm Anteil an der kollektiven Bestürzung.

Frontenbildung bei Twitter

Gerade auf Twitter bildete sich eine breite Front, die den Islam als Wurzel allen Übels identifizierte. Unter dem Hashtag #stopislam schmissen Islamgegner, Einwanderungskritiker und besorgte Bürger all ihren Unmut in einen Topf und befeuerten sich gegenseitig in ihren anti-islamischen Tweets.

Eigentor über den gegnerischen Hashtag

Diese Meinung wollten viele Twitter-User natürlich nicht so stehen lassen und feuerten über den gleichen Hashtag zurück. Das Problem daran: Indem sie den gleichen Hashtag benutzten, um die Islamkritiker zu erreichen, pushten sie den Hashtag #stopislam binnen kurzer Zeit in die "Trending Topics" bei Twitter. Das bedeutet, dass kaum etwas bei Twitter öfter gesucht wurde als der Hashtag #stopislam. Ein fatales Zeichen.

Eine Journalistin bringt den Ball ins Rollen

Frustriert von der schieren Ohnmacht angesichts der Ereignisse in Brüssel, setzte sich Kathrin Weßling, Social-Media-Redakteurin bei Spiegel Online, vor ihren Computer und machte ein Bild von sich mit einem Glas Wodka auf Eis in der Hand.

Dazu schrieb sie auf facebook: "PS: Auf die Liebe, sich zuhören, sich & andere respektieren, ehrlich sein, heulen, schreien, auf über alles reden und trinken, auf küssen und Konfetti, auf das Leben und die Freiheit."

Ein geradezu trotziges Statement dazu, dass der Hass nie über die Liebe triumphieren wird.

Die Magie der Sozialen Medien

Ihre Freunde waren begeistert von der Aussage des Bilds und kommentierten ihrerseits mit Fotos mit einem Drink in der Hand. Als das Ganze dann begann eine Eigendynamik zu entwickeln, rief sie dazu auf das Ganze auf Twitter zu verlegen und gemeinsam unter #AufdieLiebe gegen den Hass und den Terror anzutwittern/trinken. Was dann geschah, hätte sie sich in ihren kühnsten Träumen nicht ausmalen können. Der Hashtag #AufdieLiebe wurde sofort von der Twitter-Gemeinde verstanden und aufgenommen.

Abertausende twitterten daraufhin mit diesem Hashtag gegen den Hass. Ob sie dabei Alkohol tranken oder Tee oder überhaupt kein Bild hochluden, war egal. Die Botschaft war angekommen: "Wir lassen uns von dem Terror nicht unterkriegen. Gemeinsam sind wir stark gegen den Hass!"

Bald sprangen nicht nur Privatpersonen auf den Zug auf:

Einige Stunden später dann der erste Meilenstein: #AufdieLiebe hat es in die Trending Topics geschafft.

Am nächsten Morgen dann war es geschafft. Der Hashtag #StopIslam war aus den Trending Topics verschwunden und nur noch #AufdieLiebe war zu sehen.

Eine echte Social-Media-Love-Story, die mittlerweile die Grenzen Deutschlands gesprengt hat:

Auf die Liebe!

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