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GALA-Kolumne by Katja Kessler Spieglein, Spieglein....

Lily-Rose Depp
© Getty Images
Der Wettstreit der Lolita-Models zwischen Fashion und Facebook
Liebe GALA-Freundinnen,

machen Schlammpackungen wirklich schöner? Ich würde sagen: Auf jeden Fall! Bis der Schlamm anfängt zu bröckeln.

Ich finde ja, das Thema "Aussehen" können wir Frauen nur mit Humor nehmen. Gefühlt vergeht keine Woche, in der nicht ein neues Supermodel oder Sexsymbol das Licht der Kameras erblickt. Mal werden uns buschige Brauen à la Cara Delevingne als Beauty- Must-have verkauft, dann wieder brauchst du plötzlich eine große Kiste à la Kim Kardashian. Da kommt man mit dem Diäten und Zunehmen und Zupfen und Wachsenlassen gar nicht hinterher. 

Viele Ratgeber empfehlen Autogenes Training. Also auf die Couch legen und murmeln: "Ich bin schön. Ich bin schön. Ich bin schön." Kann aber passieren, dass sich dein Typ neben dich legt und ebenfalls mit Autogenem Training startet: "Ich bin blind! Ich bin blind! Ich bin blind!" Dabei geht es bei Schönheit gar nicht um Perfektion. Von Calvin Klein stammt der Satz: "Das Beste ist, natürlich auszusehen – aber dazu braucht's Make-up."

Derzeit bestreiten zwei Kinder den Wettbewerb "Spieglein, Spieglein in der Hand, wer ist die Schönste im ganzen Weltall?". Kristina Pimenowa aus Russland, zehn Jahre jung, gegen Thylane Blondeau aus Frankreich, inzwischen doch schon 15. Beide sehen so aus, als müssten sie sofort in Korea in Serie gehen: Porzellanteint, Schmollmund, Wallehaare.

Thylane, die Ältere, hat gerade einen Deal mit Dolce & Gabbana unterschrieben. Mit vier lief sie das erste Mal für Jean Paul Gaultier über den Laufsteg. Mit zehn rekelte sie sich für die französische "Vogue" wie ein Vamp auf dem Leopardenfell, unter der Überschrift "Cadeaux", also "Geschenke". Und überließ es der Fantasie der Leser, ob denn auch hinter ihrem Ohr ein Preis klebt.  Kristina gilt als jüngstes Supermodel aller Zeiten: Armani, Cavalli, Fendi reißen sich um sie. Wenn sie sich auf Facebook einen Lutscher in den Mund steckt oder ihr Kleidchen über eine Schulter rutschen lässt, regnet es gleich mal 120.000 (!) Likes.

GALA-Kolumnistin Katja Kessler
GALA-Kolumnistin Katja Kessler
© Felix Müller

Nun reden wir hier über die Fashion-Branche. Da weiß man als Laie eh nie so genau: Ist das jetzt Mist oder Mode? Brecht meinte ja: "Kunst ist, wenn man unter Beifall in die Stube scheißt." Wer sich die Mühe macht, durch die Facebook-Kommentarspalten der Baby-Beautys zu scrollen (jeweils bis zu 3.000 Einträge), der stolpert schon ein wenig über die vielen Michaels, Christophers, Denzels und Schwänzels, die da "Love you so much!" stöhnen.

Kristinas Mutter erklärt zu den Fotos ihrer Tochter: "Wer sie sexuell anzüglich findet, sollte zum Arzt gehen." Das folgt der Logik: Ich geb Gas, ich hab Spaß – wenn's kracht, ist immer der andere schuld.

Kürzlich stellte Karl Lagerfeld die 17-jährige Lily-Rose Depp als seine neue Lolita-Muse vor. Die Tochter von Hollywood- Star Johnny Depp ist so dünn, dass selbst Kate Moss dagegen aussieht wie ein Mops. Für die Show trug Lily-Rose ein rosa Hochzeitskleid, sie war die "Child Bride".

Lily-Rose Depp
© Getty Images

Wer ihre kurzgeknabberten Fingernägel sieht und weiß, dass sie lange an Magersucht litt, fragt sich: Ist das jetzt schön? Oder schön schrecklich?

Herzlich, Katja Kessler

Gala

Katja Kessler schreibt exklusiv für GALA


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