GALA-Kolumne by Katja Kessler: Time to say goodbye

Time to say goodbye. Unsere Kolumnistin schreibt jetzt lieber Mails an die Lehrer

Katja Kessler

Liebe GALA-Freundinnen,

als auf der großen Hollywood-Bühne stand, um sich für ihren Oscar zu bedanken, schluchzte sie: "Dank an meinen Großvater, der so eine wundervolle Familie geschaffen hat!" Ihre Schauspielkollegin kreischte an selber Stelle ins Publikum: "Ich kann nicht mehr leugnen, dass ihr mich liebt!" Und "Titanic"-Regisseur James Cameron erklärte den verdutzten Zuschauern, als er seinen Goldjungen in die Luft reckte: "Ich bin der König der Welt!"

Forscher haben herausgefunden: Wenn Stars sich bedanken, ist ihr Wortschatz der eines zehnjährigen Kindes. Besonders häufig verwenden sie die Wörter "Mami" und "Oh, mein Gott!" Sie sagen: "Wow, verdammte Axt, ist das geil!" ( nach dem Eurovision Song Contest). Oder: "Ich bedanke mich bei meiner Frau und bei meiner Freundin!" (Fußballprofi Mohammed Anas) Ich habe da heute einen vergleichsweise einfachen Job.  Ich bin kein Megastar. Deswegen zwingt mich auch niemand, dass ich Blech rede. 

Dies ist tatsächlich meine Goodbye-Kolumne. Schweren Herzens nehme ich Abschied von "meiner" letzten GALA-Seite. Schnief. Ich möchte mich bei Ihnen bedanken, dafür, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Für Ihr Lesen und Mitlachen. Für das Lob und die viele Aufmerksamkeit. Per Mail, Brief oder wenn ich nackig vor meinem Spint im Fitness-Club stand: "Sind Sie nicht die von der GALA?!" Für die Waschkörbe voller Teddys und Schokolade, die Sie mir geschickt haben.

Hinter mir liegt ein Jahr voller Spaß am Schreibtisch, Vorfreude und Frohlocken. Denn der Kick des Kolumnisten ist der Gesichtsausdruck seines Lesers – die Vorstellung, wie er grinst, schmunzelt und alles mindestens Pulitzer-Preis-verdächtig findet.

Es hat mich sehr, sehr stolz gemacht, Ihnen jede Woche auf der letzten Seite die Hand schütteln und tschüs sagen zu dürfen, immer bis zur nächsten GALA. Doch jetzt mache ich ein Sabbatical. Das ist Neuhochdeutsch und heißt soviel wie: ein Jahr nüscht, nada, nix tun. Wenn die Pflicht ruft, lass ich ihr ausrichten, ich ruf zurück. Meine Kinder freuen sich auch schon unheimlich auf die kommenden zwölf Monate. Endlich hat Mama mehr Zeit zu kontrollieren, ob jemand heimlich Handy spielt. Ab sofort wird bei uns gebastelt, gebacken und gesungen, bis der Arzt kommt! Können Sie sich die frohen Gesichter vorstellen?

Und wenn bei mir doch mal Sehnsucht aufkommt nach Schreiben? Dann kann ich ja lustige Mails ans Lehrerkollegium tippen: "Hallo, ihr Nasen!" Oder das Betrefffeld von Online-Banking-Überweisungen kreativ betexten: "Für sexuelle Gefälligkeiten." Und jetzt geschwind noch folgende Anekdote: Als vor Jahren meine Großmutter starb, zupfte mein Cousin, damals vier, meinen Bruder, auch vier, am Ärmel, deutete auf den Sarg, der gerade hinabgekurbelt wurde, und flüsterte: "Wenn alle weg sind, buddeln wir die Oma wieder aus und bringen sie zum Arzt …"

Das hat die ganze schöne traurige Stimmung total kaputt gemacht. Keep on laching! Kein Trübsal! Das müssen Sie mir versprechen.

Herzlich, Katja Kessler

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