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GALA Kolumne by Katja Kessler Shit happens!

GALA Kolumne by Katja Kessler
GALA Kolumne by Katja Kessler
© Felix Müller, Getty Images
Von Ivanka Trump lernen heißt, trotzdem smilen lernen

Liebe GALA-Freundinnen,

mit berühmten Menschen ist es wie mit Schmetterlingen: Jedes Jahr werden rund 700 neue Arten entdeckt. Seit der Wahl von Donald Trump hat die Welt einen neuen leuchtenden Giga-Prachtfalter – seine Tochter Ivanka, 35.

Die krabbelte zwar schon vorher durchs Society-Unterholz von Manhattan, war da aber eher die kleine Raupe Nimmersatt mit dem klassischen Berufs-Portfolio "Verwöhnte Tochter von", "Wo modelt die eigentlich?"- Model und "Ab sofort bin ich Designerin!"- Designerin.

Ich erinnere mich noch gut an ihren menschenleeren Shop, in den ich per Zufall stolperte, als ich mal in New York war. Und wie ich mich mit Blick auf viele fade Handtaschen wunderte: Wer soll diesen nachgemachten Birkin-Bag-Kram kaufen?

Alles wurscht! Neue Zeitrechnung! Ivanka Trump hat sich entpuppt. Vor uns steht: eine der cleversten, coolsten Business-Ladys aller Zeiten. Überarbeitetes Geschäftsmodell: Unverkäufliches verkäuflich machen. Erweitertes Produktsortiment: Daddy.

GALA-Kolumnistin Katja Kessler
GALA-Kolumnistin Katja Kessler
© Felix Müller

 Die Experten sind sich einig: Ivanka hat ihren Vater ins Präsidentenamt geführt wie der Blindenhund sein Herrchen. Ihre diplomatische Art, ihre Loyalität, das Sauberfrau-Image als Ehefrau, Dreifach-Mutter, Summa-cum-laude-Uni-Absolventin, Feministin, Unternehmerin – all das erst machte den rammeligen Donald für Frauen wählbar.

Doch damit jetzt keine Gefühlsduseleien aufkommen: Natürlich ist Ivanka zu hundert Prozent Daddy's Girl. Sie kann Unschuld. Aber sie kann auch Vamp. Und Seifenblasen sind ihr Handwerk. Das "summa" vor dem "cum laude" ist genauso geschummelt wie die kleine Nase und der große Busen und die Designerkarriere. Letztlich verkauft sie ihren Namen, der dann von Firmen auf Klamotten geklebt wird. Nennt sich Merchandising. 

Zum Trumpschen DNA-Pool gehört auch das dicke Fell. Wenn die Zeitungen beispielsweise genüsslich berichten, dass Ivankas Ehemann Jared Kushner, 35, seinen Harvard-Studienplatz mit Papis 2,5-Millionen-Spende erkauft hat. Und dass dieser Charles Kushner, also Ivankas Schwiegervater, mal im Knast saß, unter anderem wegen Steuerhinterziehung.

Shit happens! Von Ivanka lernen heißt, trotzdem smilen lernen.

Gefragt, was sie fühlt, wenn Trump-Fans Hillary Clinton bepöbeln, antwortete sie strahlend: "Es ist aufregend. Und eine major production!" Sie hätte auch sagen können: Es ist Leberwurst. Und eine Muh!

Nach der Wahl postete Ivanka ein Foto mit Daddy: "Ich bin so froh über das, was er geschafft hat!" Natürlich vergaß sie nicht den Link zu den Schuhen, die sie trug: hellblaue Pumps für 67,50 Dollar. Eigene Kollektion.

Wie sagte kürzlich ein amerikanischer Journalist: "You can fake everything. But you can't fake a brilliant daughter."

Herzlich, Katja Kessler

Katja Kessler Gala


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