GALA Kolumne by Katja Kessler: Schallala statt Shampoo

Waschen, föhnen, singen: Warum immer mehr Friseure Popstar werden

GALA Kolumne by Katja Kessler

Liebe GALA-Freundinnen,

ich habe einen neuen Lieblingssong: "Wenn du liebst." Vom Erfurter Singer-Songwriter Clueso (sprich: Klüsó). Was für ein Schnuckel! Was für eine Stimme! Und der Song: Herzschmerz-Musi vom Feinsten. Passt zum Autofahren und stört auch nicht beim Bügeln. Ganz oben auf meiner Spotify-Playlist!

"Irgendwas sagt mir leise / wenn du sie liebst / dann lass sie ge-he-he-he-hen." Mmhhh… Worte wie Pflaster. Ich sag nur: Ist dein Typ eine Pfeife, hast du Liebeskummer, dann kleb dir Clueso!

Nun ist das Ulkige, dass Clueso, heute 36, früher mal Friseur-Azubi war, bevor er Star wurde. Vom Haarband zum Stimmband sozusagen. Jetzt kommen 60.000 Fans zu seinen Konzerten.

Auch Thomas D von Fanta 4 verdiente seine Brötchen ursprünglich nicht mit Hip-Hopen, sondern mit Haareschneiden. So wie Peter Plate von Rosenstolz, Sängerin Jeanette Biedermann und Ex- Touché-Boygroupler Martin Scholz. Und dreimal dürfen Sie raten, was Ballermann-Star Tim Toupet ("Du hast die Haare schön!") von Beruf ist.

GALA-Kolumnistin Katja Kessler

Okay, ich fasse zusammen: Dass Friseure singen, muss eine Art verquere Berufskrankheit sein. Wie wenn der Fischhändler Schuppen kriegt oder der Gastronom Mitesser. Oder, ich sag jetzt mal so, der Tischler Stuhlbeschwerden. Und es kann eigentlich nur noch eine Frage von Minuten sein, bis TV-Nase Klaas Heufer-Umlauf ("Circus HalliGalli") ins Tonstudio rennt und seine nächste CD besingt. Mit der Band Gloria hat er es ja schon getan. Was Klaas ursprünglich gelernt hat? Schon gut, ich spar's mir.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass kein Mann uns Frauen so gut versteht wie der, der uns den Kopf wäscht. Ich sage sogar: Haste einen guten Friseur, brauchste keinen Therapeuten. Wobei ich auch schon negative Erfahrungen gemacht habe mit meinem Haarexperten. Mehr noch – dieser Typ hat mir etwas angetan, was mir so noch mit keinem Lover passiert ist: Er hat per SMS mit mir Schluss gemacht. "Liebe , deine Strähnchenfarbe ist 7.0! Guten Tag und guten Weg und für immer. Tschüs, dein Fred." Also echt!! Dabei hatte ich nur angefragt, ob ihm mein Blond nicht ein bisschen gelb geraten war. Aber Kamm, äh, Schwamm drüber!

Zurück zum Thema. Dass Friseure Shampoo gegen Schallala tauschen, ist das eine. Doch warum sind sie dabei eigentlich so erfolgreich? Nun, wer uns Frauen gerne zuhört, dem hören wir Frauen gerne zu. Könnte eine Erklärung sein. Eine weitere: Was so ein richtiger Hardcore-Friseur ist, der dreht auch die deutsche Sprache auf niedliche Wickler. Völlig schmerzfrei.

Ein paar Kostproben gefällig? Vielhaarmonie. Kammbodscha. Dirty Hairy. Haarem. Schnittstelle. Vorhair – Nachhair. Haar la Carte. Ryan Hair. Stewhaardessen … Lauter Friseursalon-Namen, die ich im Internet gefunden habe.

Sollte Klaas Heufer-Umlauf einen echt flutschigen Titel für seine neue CD brauchen – ich hätte da einen: "Wellkamm tu mei Barbaschobb!"

Hairlich!

Herzlich, Katja Kessler

Themen

Mehr zum Thema

Star-News der Woche