Frisch Hapeziert: Zwischen Zuckerschnuten und Scanner-Piep

Hape Kerkeling über den wahren Härtetest des Lebens

Liebe GALA-Freunde,

ob Lady Gaga, Angela Merkel oder Caitlyn Jenner – an einem Ort werden alle auf Normalmaß geschrumpft: im Supermarkt. Nur in der Schlange vor der Kasse (und vielleicht noch in der Sauna) erfüllt sich die Forderung der Französischen Revolution. Dort sind wir wirklich alle gleich.

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©Gala

Wenn die späte Jungmutter vor mir, mit einer bis zum Anschlag gefüllten Shopping-Karre, verzweifelt versucht, ihre quengelnden Zuckerschnuten in Schach zu halten, bin ich im Härtetest des Lebens angekommen. Während die Kleinen gierig nach – freundlicherweise auf Kinderaugenhöhe drapierten – ungesunden Klebrigkeiten schnappen, beginnt man zu erahnen, was "Engelsgeduld" ist.

Heidi Klum hätte sicher kein Foto für die armen Moms. Leider besitze ich persönlich nicht die autoritäre Ausstrahlung des deutschen Top-Models. Mein Mantra lautet stattdessen: Ich wäre gern die Ruhe selbst, wenn die Welt um mich herum im Chaos versinkt. Dabei kaufe ich ja schon wohlweislich immer das Gleiche ein, damit es zügig läuft. Ich kann blind in die Regale greifen. Tomaten, Äpfel, Eier, H-Milch, Mozzarella, Leberwurst, Corned Beef, Gewürzgurken, Schwarzbrot, Cola, Shiraz.

Weil nicht jeder den Inhalt meines Wagens unverhohlen checken soll, werfe ich eine alte Hundedecke über die Waren. Okay, zumindest im Geiste. Generell bin ich in den Gängen einfach gern schnell durch. Es kommt ja noch als Knaller die Kasse! Seit der Renaissance hat sich dort wenig geändert. Abgesehen von Scan und Payback. Payback klingt bedrohlich, "zurückzahlen" wie "heimzahlen".

Kann die Politik da nicht was machen? Unserer Kanzlerin geht es doch beim Shoppen – die täglichen Einkäufe macht sie gern mal selbst – auch nicht anders. Gut, sie ist an der Kasse von durchtrainierten Bodyguards umringt. Bei diesem Anblick sind Kids sofort still. Oder sie schreien noch mehr. Wenn ich das Kassenlaufband erreicht habe, wird wie bei „Dalli Dalli“, der TV-Show aus den Siebzigern, mächtig aufs Tempo gedrückt. So schnell wie die Waren mir nach dem Scanner-Piep entgegengeschleudert werden, kann ich nicht einpacken.

Null Chance. Und wie wird erst die alte Dame hinter mir im Wettrennen mit der Kassiererin abschneiden? Soll ich bleiben? Großmütig helfen? So viele Fragen! Aus reinem Zeitdruck landen in meinem Jutebeutel die Eier direkt auf den Tomaten und die Cola-Flasche auf der streichzarten Leberwurst. Es geht drunter und drüber. Warum gibt’s die helfenden Hände vom Packservice eigentlich nur zur Weihnachtszeit?

Meine zweitbeste Freundin Gudrun ist kinderlos und kampferprobt und hat ihre persönlichen Schlüsse gezogen. Bei einem Gläschen Prosecco sagt sie: "Ich gehe nicht mehr monokausal in den Supermarkt." Ich stutze. Das klingt klug! Aber was meint sie? "Wie meinst du das?", getraue ich mich zu fragen. Gudrun: "Ich kaufe auf Vorrat ein, da muss ich nicht so oft hin. Mein Tipp für dich wäre aber eine sympathische Schwuppe, die ich kenne. Der macht jetzt auf Personal Shopper." Kommt mir nicht in die Tüte. Personal Shopper klingt anzüglich. Da gehe ich lieber online einkaufen. Das ist weit genug weg vom Wahnsinn.

Bei meinem letzten Supermarktbesuch erscholl irgendwann der Ruf: "Frau Siebert, Storno!" Danach drückte man viele Tasten, immer verzweifelter. Erst weit nach Sonnenuntergang konnte ich, gemeinsam mit der übermüdeten alten Dame aus der Schlange, durch die sich selbst öffnende Glastür in die Freiheit treten. Spontan umarmten wir uns.

Ich drücke Sie! Ihr Hape Kerkeling

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