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Frisch hapeziert Windmaschinen und Tonartwechsel

Hape Kerkeling, Lena Meyer-Landruth, Conchita Wurst
Hape Kerkeling, Lena Meyer-Landruth, Conchita Wurst
© Felix Rachor, Getty Images
Kolumnist Hape Kerkeling über seine große Liebe ESC
Liebe GALA-Freunde,

Lust auf ein kleines Quiz? Was haben die norwegische Sängerin Wencke Myhre, die deutsche TV-Legende Heinz Schenk, Nena und meine Wenigkeit gemeinsam? Na, klingelt’s? Wir haben alle mal die deutsche Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest moderiert! Abba, Céline Dion und Conchita Wurst hingegen haben den ESC (der früher schön melodisch "Grand Prix Eurovision de la Chanson" hieß) nie moderiert. Dafür haben sie den internationalen Wettbewerb gewonnen. Aus Nobodys wurden im Douze-Points-Flitter schillernde Weltstars.

Der größte Musik-Event des Globus’, von einigen als Trash geschmäht, besitzt in Wahrheit eine riesige künstlerische Sprengkraft. Und er kann noch viel mehr: Eνωμένοι στην πολυμορφία! Das war Griechisch und bedeutet "in Vielfalt geeint". Mon dieuchen, so wird das Motto der EU lebendig.

Doch weiter mit meinem Quiz. Wer wurde 1976 Fünfter? Richtig, das Duo Waterloo & Robinson für Österreich mit "My Little World". Und wer landete 1982 auf Platz acht? Natürlich die Chips aus Schweden mit "Dag Efter Dag". Mörder-Hit. Dieses Jonglieren mit Zahlen und Song-Titeln mag vielleicht an Angeberei grenzen. Ist mir als eingefleischtem Fan aber eurovisionsfanfarenschnuppe.

Begonnen hat meine Liebe 1974 vor dem Fernsehgerät bei Kartoffelsalat und Käsehäppchen. Als Abba siegten, war ich zehn und der Traum vom geeinten Europa blutjung. 1987 durfte ich als Radioreporter des Bayerischen Rundfunks zum ersten Mal live beim großen Finale dabei sein, im Brüsseler Congress Centre unterm Atomium. Johnny Logan gewann furios mit "Hold Me Now" zum zweiten Mal für Irland. Vor dem Spektakel hatte ich bereits in der Hotel-Lobby auf einer gemütlichen Ledercouch stundenlang alle mit meinem Fachwissen bombardiert. Es gibt Schlimmeres. Zum Beispiel Leute, die den Fahrplan der Deutschen Bahn auswendig herunterbeten können.

Zu meiner Begeisterung saß im Kongresszentrum nur fünf Plätze von mir entfernt das künftige Königspaar der Belgier, Albert und Paola. Ein doppelter Spaß für mich, denn Royals liebe ich ja auch. 2010 gehörte ich mit Mary Roos, der Kaiserin des Schlagers – die 1972 mit "Nur die Liebe lässt uns leben" selbst den dritten Platz belegt hatte – zur deutschen Jury. Lena versüßte uns den Oslo-Kurztrip mit ihrem Sieg, bei dem sie ganz Europa verzauberte. Ein Jahr zuvor hätte ich übrigens meine eigene kleine ESC-Karriere krönen können, und zwar mit einer Teilnahme in Moskau. Die deutsche Fachjury hatte in geheimer Abstimmung Uschi Blum mit "Sklavin der Liebe" ausgewählt. Das Ticket nach Russland hatte die Diva also in der Tasche. Doch dann wollte Horst Schlämmer just in jenem Jahr Bundeskanzler werden. Uschis internationale Gesangskarriere musste hinten anstehen …

Was auch immer diesmal kommt: Meine zweitbeste Freundin Gudrun und ich machen schon beim Vorentscheid am 22. Februar wieder unsere legendäre ESC-Party mit Mett-Igel und Fähnchen. Wir freuen uns auf Windmaschinen und Tonartwechsel, gerne auf Albanisch, Finnisch und Ungarisch. Höhepunkt wird unser kleines Trinkspiel sein, mit Conchita- Cocktail (viel Tequila, etwas roter Grapefruit-Saft). Voriges Jahr lautete die Spielregel zum Finale: immer dann ein Glas leeren, wenn Deutschland zwölf Punkte bekommt. Es wurde ein nüchterner Abend. Dieses Jahr denken wir neu. Ich setze am 12. Mai auf Spanien.

Un fuerte abrazo!

Gala


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