Frisch hapeziert: Wahlkämpfchen jefällig, Schätzelein?

GALA-Kolumnist Hape Kerkeling über prominente Unterstützung im Wahlkampf 

Liebe GALA-Freunde,

vor acht Jahren versuchte der stellvertretende Chefredakteur des "Grevenbroicher Tagblatts", dem bis dahin langweiligsten Wahlkampf ever neue Vitalität einzuhauchen. Horst Schlämmer wollte Bundeskanzler werden. Dank knallharter Aussagen wie "Yes Weekend!" oder "Es muss alles mehr werden!" hätten laut Umfrage – in echt! – 18 Prozent ihr Kreuzchen bei der Horst-Schlämmer-Partei gemacht. Zur Attraktivität der HSP trugen die zauberhaften Unterstützerinnen von Senta Berger bis Iris Berben bei.

TV-Eklat beim ZDF-Fernsehgarten

Luke Mockridge macht sich zum Affen

Luke Mockridge
Comedian Luke Mockridge machte sich im ZDF-Fernsehgarten wortwörtlich zum Affen - Moderatorin Andrea Kiewel reagierte wütend.
©Gala / Stern

Jetzt ist wieder Wahlkampf, sogar schon Endspurt. Schnarch … Da ist die Rede von mehr Digitalisierung, endlich Vollbeschäftigung, weniger Diesel. Als mündiger Bürger sage ich: Die ersten zwei Punkte hätte man schon vor Jahren wuppen sollen, und zum dritten hätte es gar nicht erst kommen dürfen.

Prominente Unterstützung gibt es natürlich auch 2017 wieder. Wie Uschi Glas oder Heino zählt inzwischen Sophia Thomalla zum Team Merkel. Das Motto der bunten Truppe lautet: "I love Raute!" Finden Sie irgendwie inhaltsleer? Da will ich mal an Günter Grass erinnern, der einst für die Es-Pe-De blechtrommelte, unter dem Slogan "Willy wählen!". Klingt nicht sooo viel ausgeklügelter, oder?

Ich finde es jedenfalls gut, dass ein Literaturnobelpreisträger und ein TV-Starlet jetzt als Wahlhelfer etwas gemeinsam haben. Gelebte Demokratie ist, wenn alle mitmachen. Und Publizisten waren bzw. sind eh beide. Grass brachte seine Gedanken mit Romanen unters Volk, Thomalla macht’s per Tattoo.

Politik als Show, Show in der Politik: Die Grenzen verschwimmen langsam, aber sicher. Merkel-Herausforderer Martin Schulz wirbt in Nordrhein- Westfalen mit: "Berlin braucht mehr Rheinland." Eine schlämmerreife Forderung, weisse Bescheid, Schätzelein … In Amerika wurde ein B-Promi Präsident, und seine Gattin sieht haargenau so aus wie Frau Thomalla. Sind das Vorzeichen? Was kommt da noch?!

Vielleicht wird mein guter Freund Henry Maske Regierender Bürgermeister von Berlin. Sein Boxer-Kollege Vitali Klitschko macht diesen Job ja schon längst in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Mein geschätzter NRW-Landsmann Ralf Moeller könnte Ministerpräsident werden, angelehnt an die Karriere seines Bodybuilder-Buddys Arnie Schwarzenegger in Kalifornien. Und Til Schweiger stelle ich mir als Bundeskanzler vor. Vom Typ her Schröder reloaded, kernig und kantig. Aber bringen wir doch erst mal den 24. September in trockene Tücher!

Als ich meine zweitbeste Freundin Gudrun dieser Tage während ihrer alljährlichen Frühherbst-Heilfastenkur bei einem Glas trüber Apfelschorle gespannt fragte: "Für wen stimmst du denn am Wahltag?", antwortete sie wie aus der Pistole geschossen: "Natürlich für Sahra Wagenknecht! Sie hat alles, was man als Wähler will. Sie ist zäh und ehrgeizig, und das Zepter würde ihr gut stehen!" – "Welches Zepter?", fragte ich verdattert. Gudrun rollte mit den Augen. "Na, das haben die doch alle als Dschungelkönig! Wenn sie in der nächsten Staffel antritt: Meine Stimme hat sie, diese perfekte Mischung aus Désirée Nick und Menderes."

Wenn Sie mich jetzt fragen, wen ich wählen werde: Mit meiner Stimme unterstütze ich unsere hart erkämpfte, wundervolle Demokratie und erteile fremdenfeindlichen Angstmachern eine klare Absage. In echt.

Ich drücke Sie!

Ihr Hape Kerkeling

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