Frisch hapeziert: TV-Köche werden immer abgebrühter

GALA-Kolumnist Hape Kerkeling über die Nähe zwischen Küche und Kamera 

Liebe GALA-Freunde,

wohin man auch zappt, überall kocht jemand sein eigenes Süppchen und blubbert dazu. Schon das Hacken einer Zwiebel wird als Starkoch-Event inszeniert. Mit Großaufnahmen von allen Seiten und endlosen "Experten- Tipps". Zum Heulen, da bin ich weg …

Erste "Die Bachelorette"-Folge

Das gnadenlose Urteil der Twitter-User

Gerda Lewis
"Die Bachelorette" ist zurück. In der ersten Folge lernt die neue Rosendame Gerda 20 Single-Männer kennen – und die kommen bei den Twitter-Usern nicht ganz so gut weg.
©Gala

Aber diese Nähe zwischen Küche und Kamera gibt’s ja eigentlich schon immer. Als Pionier der TV-Köche gilt Clemens Wilmenrod, von Hause aus Schauspieler – sag ich doch! Der legte 1953 Schinken und Käse auf eine Scheibe Weißbrot, on top eine Cocktailkirsche, und verkaufte den Hausfrauen sein "Toast Hawaii" als neues Nationalgericht.

Ich glaube, er überzeugte vor allem mit seinem Schnauzbart und dem schmalzigen Blick. Das Auge ist bekanntlich ein Mitesser. Patrick Lindner und Heino wiederum, der eine im wahren Leben Koch, der andere Konditor, machten einen glatten Schnitt und hängten ihre Schürze an den Nagel, um Schlagerstar zu werden. Gewissermaßen den umgekehrten Weg ging Alfred Biolek, Grandseigneur der Unterhaltungskunst.

Zum Brutzeln in "alfredissimo!" lud er sich stets jemanden ein – er war und ist der perfekte Gastgeber. Nebenbei wurde geplaudert, deutscher Markenwein stand bereit, der lockert die Zunge und ist, wie wir von Bio gelernt haben, "viel besserrr als sein Rrruf". (Der Mann rollt das R so wunderbar wie ein Sushi-Meister den Klebreis!) Ich war auch mal in der Sendung. Weinselig plauderte ich mich um Kopf und Kragen und vergaß dabei fast, meinen Auberginen-Hack-Auflauf aus dem Ofen zu holen. Ganz ehrlich: Ich vermisse Bio auf dem Bildschirm, als Vorkoster und Kommunikationsgenie, seinen Ton, seine Haltung.

Wieso es heute immer mehr Köche in die Studios zieht, warum sie nicht einfach weiter in ihren Restaurants zaubern? Meine Vermutung: Im Vergleich zur gelegentlichen Nachmittags-Show ist der tägliche Mittagstisch plus Abendbetrieb ein Knochenjob. Als coolster Fernsehkoch gilt derzeit Steffen Henssler. Der muss gar nicht mehr an den Herd, sondern darf 20 Meter hohe Sprossenwände raufturnen oder mit dem Buggy durch den Schlamm brettern: "Schlag den Henssler". Der Koch folgt dem Metzger. Absolut konsequent, aber nicht gerade mein Lieblingsformat: Diese Wettkampf-Idee ist mir einen Tick zu verbissen. Ich bin eher der "Fernsehgarten"-Typ. Da kocht Armin Roßmeier, kurz und knapp und fränkisch.

Meine zweitbeste Freundin Gudrun liebt alle TV-Köche. Besonders mag sie Horst Lichter und Nelson Müller. Müller findet sie sexy und knuffig. Bei Lichter ist es umgekehrt. Der Schnauzbart-Träger (!) moderiert inzwischen grandios den letzten Trödel wie geschnitten Brot. Gudrun hat er schon vorher verdorben, in seiner "Lafer! Lichter! Lecker!“-Zeit. Egal welches Rezept sie ausprobiert, immer nuschelt sie: "So, jetzt noch Bütterken dabei …" Wissen Sie übrigens, warum Butter so fettig ist? Laut Gudrun, damit es nicht quietscht, wenn man sie aufs Brot streicht. Das verriet sie mir an einem dieser sonnigen Herbsttage auf ihrem Küchen-Balkönchen, bei reichlich Butter-Salz-Gebäck à la Horst und einem Glas "Kröver Nacktarsch".

Übrigens: Die einzige Kochshow, die ich gelegentlich bis zum Ende schaue, heißt "Silent Cooking". Stilles Kochen. Genuss pur. Nur der Pudding hört mein erleichtertes Seufzen.

Ich drücke Sie! 



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