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Frisch hapeziert Na servus!

Hape Kerkeling, Thomas Müller, Mats Hummels
© Felix Rachor, Getty Images
Da sind sie ja wieder: Auf der Wiesn ist Hochsaison für Adabeis!
Liebe GALA-Freunde,

O’zapft is’! Die Musi spielt. Wieder einsteigen und wieder dabei sein. Gell?

Das Oktoberfest hat pünktlich zum alljährlichen Almabtrieb seine gigantischen Zelte aufgeschlagen. Was treibt Millionen von Menschen und Prominente aller Couleur nur in die schwülen Spaßkathedralen auf der Theresienwiese? Verklebte Tische, notorischer Platzmangel, stickige Luft und endlose Schlangen vor den provisorischen Toiletten. Und über allem schwebt ein schwerer Duft aus Schweiß, Bier und Hendlfett. Das Oktoberfest – die größte Viren- und Bakterienschleuder Bayerns. Kann man da ohne Hand-Sanitizer und Mundschutz überhaupt noch rein? Na servus!

Die Wiesn löst große Emotionen aus: Man liebt sie oder man hasst sie. Nähern wir uns ihr also in nüchternen Zahlen an: knapp 6 Millionen Maß Bier, eine halbe Million Brathendl und 600 verlorene Ausweise. Auch Bettwäsche und eine Klobürste wurden in diesem Jahr bereits im Wiesn-Fundbüro abgegeben. Ja, da schau her!

Und wohin man schaut: Tracht. Nicht jedem steht’s, aber alle tragen’s. So wie die Fußballer Michael Ballack oder Miroslav Klose. Auch Italiener und Japaner schrecken nicht mehr vor der Lederhose zurück. Hollywood-Größen wie Samuel L. Jackson und Kevin Spacey saßen höchst selbst auch schon im seidenen Wams auf der harten Bierbank. Ehemalige flüchtige Liebschaften, Fitnesstrainer, Friseure oder Kindermädchen von Celebrities sind in diesem Jahr auch wieder mit von der Partie. Die berüchtigten Adabeis. Kennen Sie nicht? So nennt man im Alpenraum nachrangige Prominente, die halt "auch dabei" sind, aber durchaus für eine Mords-Gaudi sorgen.

Meine zweitbeste Freundin Gudrun ist im Prinzip auch ein Adabei. Mehr als fünf Maß und einen Vogelbeer- Schnaps verträgt sie allerdings nicht. Als ich sie in der vergangenen Woche im einschlägigen Promi-Zelt wild knutschend mit dem Ex-Freund der geschiedenen Ehefrau eines Ex-Nationalspielers erwische, lallt sie mir unverständlich entgegen: "I hab an Promi am Haken. I bin a dabei! Obandlt is!" Entsetzt frage ich zurück: "Gudrun! Wie bist du denn in dieses super-exklusive Zelt mit geschlossener Gesellschaft gekommen?" Meine Bekannte rülpst anrüchig in ihre Maß: "Flanierkarte. 60 Euro!"

Die 1.000 Prominenten im obersten Stock des Nobel-Zeltes sind tatsächlich ab 21.30 Uhr nicht mehr ganz unter sich. Völlig unprominente Menschen mischen sich neuerdings unter die schunkelnden VIPs - und observieren sie eingehend beim Feiern. Es is’ a bisserl wie im Zoo …  Also, falls Sie Interesse an einer "bedirndelten" Vicky Leandros oder an einem krachledernen Boris Becker haben. Oans, zwoa, g’suffa! Jeder, der will, gehört halt dazu.

Und ganz ehrlich: Wenn man sich schunkelnd in den Armen liegt und mit vollen Maßkrügen zuprostet – das hat unbestritten eine besondere Kraft. Sogar Zugereiste, egal ob aus Chemnitz oder Gelsenkirchen, aus Tokio oder Sydney, auf der Wiesn werden alle zu Bayern. Ein Prosit der Gemütlichkeit.

Pfiat eich. 

Ihr Hape Kerkeling

Gala

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