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Frisch hapeziert Mein persönliches Highlight 2017

Hape Kerkeling, Angela Merkel
© Felix Rachor, Getty Images, Reuters
Ein Upgrade vom Standesamt? Unser Kolumnist hat es sich geholt – und ist jetzt "richtig" verheiratet
Liebe Gala-Freunde,

wat fott es, es fott – diese Kölsche Weisheit gilt besonders jetzt, zum Jahresende. Aber manchmal bleibt auch was. In diesem Fall: die Ehe für alle, mein persönliches Highlight 2017! Dem Himmel sei Dank und vergelt's Gott! Für mich war es wie ein zweiter Mauerfall!

Es kam ja auch ähnlich spontan und holterdiepolter nach nur 30 vertagten Abstimmungen im Bundestag und jahrelangem Hickhack der Parteien: zack, am Montag ein Merkel-Machtwort bei einer "Brigitte"-Podiumsdiskussion, am Freitag im Bundestag dann Nägel mit Köpfen. Mit viel Spaß in den Backen und bevor jemand auf die "War gar nicht so gemeint"-Taste drückt, stimmten SPD, Linke und Grüne dafür. Und frei nach dem Motto "War was?" votierten auch ein Viertel der CDU-Abgeordneten, die das Gesetz zuvor hartnäckig blockiert hatten, für die Gleichstellung.

Mittendrin: Bundes-Taktikerin Dr. Angela Merkel, die aus politischem Kalkül und gegen ihre innere Überzeugung die "Ehe für alle" möglich machte. Der Wind, den sie der Opposition ursprünglich aus den Segeln nehmen wollte, bläst ihr inzwischen volle Pulle ins Gesicht.
Karma? Ach, et kütt wie et kütt.

Aber schauen wir nach vorn. Eigentlich habe ich es nämlich gar nicht so mit nostalgischen Rückblicken. Ähnlich wie meine zweitbeste Freundin Gudrun. Gern singsangt sie zu vorgerückter Stunde im breitesten Rheinisch beschwingt in ihre Weinschorle: "Wat weg is, is weg!" Dabei schaut sie immer so, als wäre das Wasser im Rhein/goldener Wein/und sie selbst darin – das Fischelein. Nun, der Kolumnist will nicht vor Jahresfrist zum reimenden Hofnarr werden, dafür ist das Thema zu ernst. Denn auch wenn es in 13 europäischen Staaten – darunter so katholische Länder wie Irland und Spanien – inzwischen die gleichgeschlechtliche Ehe gibt, in viel zu vielen anderen Ländern ist Diskriminierung und Gewalt gegen Lesben und Schwule an der Tagesordnung. Vielleicht erbarmt sich ja bald auch der Papst. Gehört doch eh zu seinem Job.

Nach dem Ehe-für-alle-Coup sind wir hier in Deutschland nun eher mit Luxusproblemen beschäftigt. Denn die Frage ist ja: Was machen jetzt Menschen wie ich, die in einer so genannten eingetragenen Lebenspartnerschaft zwischen den Stühlen leben, also in einer halbgaren Ehe?! Nun, ganz einfach, man kann sich quasi vom Standesamt upgraden lassen, von "medium" auf "durch", von Holzklasse auf First Class, von Kleinwagen auf SUV.

Ob ich das inzwischen auch gemacht habe? Ob ich also inzwischen "so richtig" geheiratet habe? Donald Trump – oder der "Twittler", wie ich ihn spaßeshalber nach diesem Jahr voller irrer Posts nenne – würde so eine Meldung über ein namhaftes News-Network in die Welt zwitschern. Aber ich habe ja zum Glück meine GALA-Kolumne. Die Antwort lautet: Jaha!

Happy New Yes-Year. Ich drücke Sie!

Gala

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