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Frisch hapeziert Facebook-Fasten

Hape Kerkeling, Pink, George Clooney
© Felix Rachor, Reuters
Unser GALA-Kolumnist Hape Kerkeling startet einen riskanten Selbstversuch
Liebe GALA-Freunde,

ohne Toleranz geht es nicht. Ich zum Beispiel habe nichts gegen Veganer oder Facebooker. Auch nicht gegen Raucher, obwohl ich mich vor einiger Zeit nach 25 Jahren Kette aus dem Kreis der geselligen Qualmer verabschiedet habe. Mithilfe meiner thailändischen Homöopathin Pang übrigens, die mir ein Bitterkraut zum Kauen verschrieb. "Dami hö du betim au! Wid di chlecht von!", rief sie mir beim Verlassen ihrer Praxis noch strahlend hinterher. Schnell wurde mir tatsächlich nicht nur von dem modrigen Gewürznelken-Geschmäckle übel, sondern auch vom Nikotin. Vergelt’s Gott, liebe Pang!

15 Kilo mehr bringe ich als Nichtraucher inzwischen auf die Waage. Weil ich jetzt mehr Luft bekomme und die sich halt ungünstig im Körper verteilt. Ein, zwei Pfündchen würde ich ja gerne loswerden. Doch auch wenn Räucher-Tofu sicher nahrhaft ist – der Verzicht auf meine Pfälzer Leberwurst fällt mir schwer.

Wie ist es wohl, wenn man in Sachen Soziale Netzwerke fastet? Pink forderte gerade, dass die Leute wieder mehr echte Gefühle zulassen sollten, statt sich online künstlich zu optimieren. Und George Clooney würde nach eigenem Bekunden eine im TV live übertragene Rektaluntersuchung jeder Facebook-Aktivität vorziehen. Keira Knightley hat ebenso wenig Bock auf Zuckerbergs "Gesichtsbuch" wie Jennifer Aniston, die es als "so gefährlich wie einen Tanz mit dem Teufel" empfindet. Womit wir bei Vampiren wären. Robert Pattinson steht auch nicht auf Social Media. Von ihm gibt es nur unzählige Fake-Accounts.

Am 28. Februar war wieder "Ohne-Facebook-Tag". Für mich der Anlass, einen riskanten Selbstversuch zu starten: Ich habe mich eigenhändig abgemeldet! Ich war auf alles gefasst. Auf einer Zigarettenschachtel findet man ja auch keine Anleitung, wie man aufhört und sich gut dabei fühlt. Nach zwei Wochen kann ich nun verkünden: Mir geht es gut, ich hab’s geschafft. Ohne Selbsthilfegruppe. Bei Twitter, Xing und der AOK-Homepage klappt der Plan leider nicht. Da habe ich die Passwörter vergessen, um reinzukommen, um dann rauszukommen ….

All die netten Facebook-Einladungen zu Ninja-Turtle-Warrior-Battles fehlen mir jedenfalls null. Selbst Apps wie "So würdest du als Filmstar aussehen" oder "Was ist dein hawaiianisches Sternzeichen – Hibiskus oder Ananas?" vermisse ich nicht. Keine Katzenvideos mehr. Keine Haushalts-Tipps von australischen Mucki-Männern. Wobei … In diesem Fall muss ich sagen: schade eigentlich.

Auch über folgende Fragen muss ich mir keine Gedanken mehr machen. Wieso klingen die politischen Glaubenssätze eines Account-Inhabers umso radikaler, je schnuckeliger seine geposteten Hamster-Clips sind? Und warum konsumieren weltweit Millionen Menschen Autounfälle auf tief verschneiten russischen Straßen? Für mich gilt nun: endlich kein Messenger-Pling-Plang-Gebimmel mehr. Stille. Und Zeit für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens wie Online-Shopping.

Meine zweitbeste Freundin Gudrun ist dagegen immer noch begeisterte Facebookerin. Als ich ihr meinen Austritt mutig während einer nächtlichen Taxifahrt gestehe, fällt ihr beim Nachschminken der Lippenstift aus dem Gesicht. Sie blökt irgendwas von "weltfremd". So schnell gebe ich die Hoffnung aber nicht auf, dass sie mir folgt: Schließlich ist auch sie seit Kurzem rauchfrei, wer hätte das gedacht. Pang hat ihr das Kraut einfach lächelnd als Likörchen verabreicht.

Ich drücke Sie ganz echt!

Gala

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