Frisch hapeziert: Ein zweiter Mauerfall

So merkelte die Kanzlerin einen zweiten Mauerfall aus. Und was Beatrix damit zu tun hat

Liebe GALA-Freunde,

es sind manchmal recht drollige Formulierungen, die den Lauf der Welt unerwartet verändern: "Ich möchte die Diskussion mehr in die Situation führen, dass es eher in Richtung einer Gewissensentscheidung ist, als dass ich jetzt per Mehrheitsbeschluss irgendwas durchpauke." Mit diesen lapidaren Worten stellte Bundeskanzlerin Angela Merkel am 26. Juni in einem Podiumsgespräch der Frauenzeitschrift "Brigitte" die Weichen für die Einführung der "Ehe für alle". 

Ohne Pathos oder Aufregung, im Plauderton, als handele es sich um ein Backrezept für Vanille-Kipferl. Dabei ist es doch ein ziemlich großes Ding. Ein zweiter Mauerfall. Die letzte große Hürde vor der Gleichstellung kippt doch tatsächlich in einem leicht verunglückten Nebensatz der Kanzlerin.

Der Kolumnist singt und springt vor Freude: "Mutti ist die Beste!" Wobei mir – ein bisschen kritteln muss ich schon – das Wort "Gewissensentscheidung" in diesem Zusammenhang etwas zu pathetisch klingt. Es geht ja nicht um den Atomausstieg. Die "Ehe für alle" gibt es ja gottlob mittlerweile in 13 europäischen Staaten, Vorreiter waren 2001 die Niederlande. 

Der Kolumnist korrigiert sich: "Königin Beatrix ist die Beste!" In Deutschland hinken wir also fast zwanzig Jahre hinterher! Sage und schreibe 30 Mal wurde der Antrag bis heute im Deutschen Bundestag abgelehnt. Aller guten Dinge sind neuerdings 31!Unter uns: Mir persönlich hat diese sogenannte "Verpartnerung" als Kompromiss nie geschmeckt. Ich habe mich immer gefragt: "Wieso kriegen eigentlich die Heteros die Butter und die "Schwuppen" nur die Margarine?" Jetzt hat Frau Merkel der SPD genau diese Butter vom Brot genommen. Verpartnerung!? Wer hat sich dieses Unwort eigentlich ausgedacht? Der Verband der ostfriesischen Bullenzüchter oder die Kaninchen-Freunde Grevenbroich? Selbst die Autokorrektur auf meinem Laptop weist dieses Wort als Fehler aus. 

Übrigens: Im Jahre 2015 legalisierte der Oberste Gerichtshof der USA die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern in allen 50 Staaten. Das war auch am 26. Juni.

Als ich meine zweitbeste und weltoffene Freundin Gudrun bei einem Gläschen sehr trockenen Martini auf ihrer Bangkirai-Terrasse frage: "Sag mal, ab wann gilt denn diese Ehe für alle eigentlich?", antwortet sie mit feuchten Augen: "Das tritt nach meiner Kenntnis ... ist das sofort, unverzüglich" und guckt mich dabei so verdattert an wie 1989 am Abend der Maueröffnung der olle Schabowski die perplexe Weltpresse. Nun ist die Entscheidung für die völlige Gleichstellung im Bundestag gefallen. Am 30. Juni 2017. So wie – auf den Tag genau – vor zwölf Jahren in Spanien. Die Stimme der Kanzlerin war leider nicht dabei. Auch wenn sie vielleicht taktieren kann wie Churchill, bleibt sie doch so rätselhaft wie Mata Hari.

Ich persönlich freue mich jetzt schon auf meine zweite, echte Trauung mit allem Schischi, Tamtam, einem Orchester mit Ballett und zwei Blumensträußen. So wie wir eben sind. Dass ich das noch erleben darf!

Ich drücke Sie! Heute besonders fest.

Themen

Mehr zum Thema

Star-News der Woche