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Frisch hapeziert "Hape, du hier!?"

Hape Kerkeling, Elton John, Sharon Stone
© Felix Rachor, Wire Image, Getty Images
Kolumnist Hape Kerkeling schwelgt in Erinnerungen an Elton Johns Oscar-Party 
Liebe GALA-Freunde,

früher regnete es zwischen Januar und März Preise. Inzwischen ist das ein wahrer Trophäen-Hagel, denn gefühlt werden es immer mehr "Goldene Irgendwas" zwischen Globe und Grammy, Kamera und Bär und dem Oscar als Höhepunkt der Award Season. Sie wissen schon: "Oh! My! God! Ich danke meinem Hund, meinem Psychiater und meiner Frau, und zwar in dieser Reihenfolge!" Auszeichnungen und Preise sind wie Hämorrhoiden – früher oder später bekommt sie jedes Arschloch. Ich will mich hier nicht mit fremden Federn schmücken: Der Spruch ist von Regie-Legende Billy Wilder. Kluger Mann. Aber tief drinnen im Herzen mochte der oft Geehrte die Würdigung seiner Arbeit bestimmt auch.

Voriges Jahr war ich zum ersten Mal quasi live beim Oscar, als Gast auf Elton Johns Viewing-Party in West Hollywood. Sharon Stone und Ricky Martin, Caitlyn Jenner und Heidi Klum feierten ebenfalls feuchtfröhlich mit. Allerdings war keiner von uns für lau eingeladen. Man spendet dort sehr großzügig für ein Ticket. So fördern Elton John und sein Ehemann David Furnish beeindruckende Projekte für HIV- und Aids-Betroffene. Ich greife da gerne tief ins Portemonnaie.

Die Location: Wahnsinn! Nach einem etwas nüchternen Eingangsbereich öffnen sich riesige Zelte in Weiß, Blau und Pink, darin unter Kandelabern lauter Blumenmeere. Blitzlichtgewitter hüllt alles in einen märchenhaft diamantenen Schein. Das kann nur Hollywood!

In der Glamour-Menge entdecke ich eine Platin-Blondine um die 60 im spacken Gold-Outfit. Lindgrüne Wimpern, fliederfarbene Lippen. Lediglich ihr (randvolles) Champagner-Glas wirkt dezent. Der Ruhrpott-Junge in mir starrt diese Erscheinung mit offenem Mund an. Da stürmt sie mit weit geöffneten Armen auf mich zu und brüllt mir ins Ohr: "Hape, du hier!? Wir kennen uns aus Düsseldorf! Ich bin doch die Brigitte und mach in Immobilien! Du hast dir mal ’ne 80-Quadratmeter-Wohnung von mir angeguckt. War dir aber zu teuer, weißte noch?" Was ich für Leute kenne! Doch schon hat Brigitte jemand Neues entdeckt. "Da ist Mel Gibson, da muss ich hin, bin ja solo. Verstehste sicher." Ich schon. Aber Herr Gibson?

In einem der Rosenbeete steht eine wunderschöne Dunkelhaarige in roter Robe. Das gesamte Zelt starrt sie an, sogar die Schwuppen. Aus welchem Blockbuster müsste man sie kennen??? Auf einmal trippelt Schneewittchen zielsicher auf mich zu, flüstert schüchtern: "Darf i bei dir bleiben, Hape? Waast, i kenn hier niemanden, i bin die Lydia aus Wien und Bloggerin." Klar doch, ich helfe immer gern, ob als Gast, Host oder Preisträger.

Fünfmal durfte ich beispielsweise die Goldene Kamera moderieren, sie viermal selbst mit nach Hause nehmen. In meinem Büro haben die Kameras einen Ehrenplatz. Sie bekommen allerdings mit den Jahren schwarze Beine. Da hilft Poliboy. Der Bambi hingegen rostet grünlich im Schritt. Kann man nix machen.

Kinder, was freu ich mich auf die diesjährige Oscar-Viewing-Party im Hause meiner zweitbesten Freundin Gudrun! Wir werden in der langen Oscar-Nacht Gudruns allerjüngste Cocktail-Kreation "Roter Teppich" genießen. Das Rezept für zwei Personen: 0,3 l Wassermelonen- und 0,1 l Limonensaft, 0,3 l Campari, 2 Scheiben Rote Bete als Deko am Glasrand, trockener Gin nach Gusto. Für den Tag danach hat Gudrun einen "Californian Kater" angekündigt. Da erspare ich Ihnen die Details.

Ich drücke Sie!

Gala


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