Kochen wie die Stars Kulinarische Sommer-Tour mit Gwyneth

Rachel Brozowski, Gwyneth Paltrow
Rachel Brozowski, Gwyneth Paltrow
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Gwyneth Paltrow liebt es, gutes Essen mit Freunden und Familie zu genießen. Welche Rezepte sich dabei bewährt haben, verrät die Schauspielerin in einem ihrer Kochbücher. Ob ich meine Lieben damit auch begeistern kann, habe ich ausprobiert

Saftige Burger, üppige Pasta und süße Muffins: Wenn ich jemanden ganz und gar nicht mit kulinarischen Genüssen dieser Art in Verbindung gebracht hätte, dann Gwyneth Paltrow. Ich war immer der Überzeugung, dass die Schauspielerin, die auf mich stets einen eher verkniffenen Eindruck macht, sich im besten Fall von Vollkorngetreide und grünem, salzarm gedünsteten Gemüse ernährt - diszipliniert und ohne besonders große Freude. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass mir Gwyneth nie so richtig sympathisch war. Umso skeptischer war ich, als ich für die Redaktion das Kochbuch der 40-Jährigen ausprobieren sollte.

Beim ersten Durchblättern des 2011 erschienenen "Meine Rezepte für Freunde & Familie" stolpere ich allerdings gleich über Fotos von leckeren Sandwiches und Süßspeisen. Okay, die sind dann bestimmt für die Freunde und nicht für sie selbst, denke ich mir etwas höhnisch und suche ein paar Rezepte für meine Gwyneth-Woche aus.

Das erste Rezept teste ich an meiner Familie - schließlich heißt es ja "... für Freunde & Familie." Es soll einen verführerisch aussehenden Panzanella (italienischen Brotsalat) mit Tomaten und Basilikum geben. Prompt stoße ich auf ein kleines Hindernis: Für den Salat benötige ich unter anderem selbst hergestellte geröstete Paprikaschoten. Diese müssen mindestens 20 Minuten über einer offenen Gasflamme gewendet werden, bis die Haut vollkommen verkohlt ist (wird später abgezogen) - so hat es Gwyneths Vater immer gemacht, steht da. Zum Glück sind wir seit einigen Tagen stolze Besitzer eines Gasgrills. Was für ein Zufall! Und so kommt es, dass mein Freund den neuen Grill nicht etwa mit Würstchen und Steak sondern - von mir beauftragt - mit einer Gwyneth-Paprika einweiht. Schön, dass er so gleich in die Entstehung des Salates aktiv mit einbezogen wird - wie gesagt, es heißt ja auch "...Freunde & Familie".

Der ganze Aufwand bringt meinen Zeitplan etwas durcheinander, denn die Paprika muss noch vollständig abkühlen, bevor ich sie weiterverarbeiten kann. Hungrig und ungeduldig nehme mir vor, die restlichen Rezepte gründlicher zu lesen, bevor ich an die Umsetzung gehe. Dabei macht Gwyneth die Zeitplanung eigentlich ganz einfach: Unter jedem Rezept ist übersichtlich vermerkt, wie lange die Zubereitung (aktiv und insgesamt) dauert. Man muss es nur lesen ...

Das erste Ergebnis kann sich aber sehen und schmecken lassen. Der Panzanella mundet allen vorzüglich - zugegebenermaßen vor allem wegen der selbst gerösteten Paprika - und ist eine tolle und wahrscheinlich auch gesündere Alternative zu unserer allabendlichen Familien-Brotzeit. Am folgenden Tag steht er gleich wieder auf unserem Tisch.

Mein erstes Fazit: Wenn man sich durch das Buch von Gwyneth Paltrow kochen möchte, sollte man - abgesehen von dem gründlichen Durchlesen der Rezepte - auf jeden Fall einen Grill zur Hand haben. Gwyneths Buch ist nämlich eine Hommage an ihren inzwischen verstorbenen Vater Bruce, der seine große Liebe zum Kochen tatsächlich am Grill entdeckte und seine Familie regelmäßig mit den köstlichsten, kalifornischen Grillgerichten überraschte.

Kochen wie die Stars: Meine Ergebnisse: Oben links: Panzanella mit gerösteter Paprika, Tomate und Basilikum. Oben rechts: Schnittlauch-Vinaigrette. Unten links: Rucolasalat mit Räuchermozzarella und Crostini. Unten rechts: Clubsalat mit Hummer (in meinem Fall mit Surimi).
Meine Ergebnisse: Oben links: Panzanella mit gerösteter Paprika, Tomate und Basilikum. Oben rechts: Schnittlauch-Vinaigrette. Unten links: Rucolasalat mit Räuchermozzarella und Crostini. Unten rechts: Clubsalat mit Hummer (in meinem Fall mit Surimi).
© Rachel Brozowski

Gegrillt wird bei mir nach der Paprika allerdings nicht mehr. Da die Temperaturen in Hamburg ausnahmsweise mal die 30-Grad-Marke überschreiten, mache ich mich stattdessen an eine weitere interessante Salatkreation. Allerdings schummele ich. Für Gwyneths Clubsalat muss ein mittelgroßer Hummer zubereitet werden und davor schrecke ich ehrlich gesagt zurück. Ich entscheide mich deshalb für eine Version mit Surimi. Das geht wesentlich schneller, ist günstiger und schmeckt einfach toll! Das Rezept für die dazugehörige Schnittlauch-Vinaigrette ist so simpel, dass ich erst skeptisch bin. Zukünftig werde ich mein Standard-Balsamico-Dressing aber öfter mal dagegen eintauschen.

Während ich den Clubsalat zubereitet habe, rösteten im Ofen übrigens schon einmal Tomaten für das Gericht am nächsten Tag vor sich hin. Denn ich habe gelernt: Beim genauen, rechtzeitigen Durchlesen des Rezeptes "Rucolasalat mit Räuchermozzarella und Crostini" hatte ich entdeckt, dass ich dafür langsam geröstete Tomaten benötige. Diese müssen sage und schreibe drei bis fünf Stunden bei niedriger Temperatur in den Ofen, bis sie aussehen wie die handelsüblichen getrockneten Tomaten, nur viel saftiger und leckerer sind. Hierbei ist zu empfehlen, gleich eine größere Menge Tomaten zuzubereiten, ansonsten lohnt es nicht, den Ofen einen halben Tag laufen zu lassen. Die fertig gerösteten Tomaten halten sich laut Gwyneth im Kühlschrank eine Woche. Gemeinsam mit dem geräucherten Mozzarella, von dessen Existenz ich zugegebenermaßen bisher noch nie etwas gehört hatte, dem Rucola und dem lecker krossen Baguette ergeben die Stromfresser-Tomaten eine tolle sommerliche Vorspeise. Vorausgesetzt man hat etwas übrig für das dominante Räucheraroma des Käses.

Am nächsten Morgen freue ich mich darauf, meine Kaffee-und-Kuchen-Gäste mit hervorragenden Blaubeer-Muffins - die "besten der Welt" laut Gwyneth - zu betören. Das Rezept dafür stammt von Gwyneths Mutter Blythe und die Schauspielerin war während ihrer ersten Schwangerschaft angeblich geradezu süchtig danach. Ich bin auch schwanger und riskiere bereitwillig, ein weiteres Gelüst auf meiner Heißhunger-Liste aufnehmen zu müssen.

Vielleicht nicht die "besten der Welt", aber auf jeden Fall richtig gut: Die saftigen Blaubeer-Muffins von Gwyneth haben meine Gäste überzeugt.
Vielleicht nicht die "besten der Welt", aber auf jeden Fall höllisch lecker: Gwyneths Blaubeer-Muffins haben meine Gäste und auch mich überzeugt.
© Rachel Brozowski

Auch dieses Rezept klingt so simpel, dass ich mir erst nicht viel davon verspreche. Doch schon beim Naschen der klebrigen Teigmasse denke ich "Oha, das könnte was werden!" Ich folge Gwyneths Tipp und serviere die Muffins am Nachmittag warm. Alle sind begeistert - Mütter, Väter und natürlich ganz besonders die Kinder. Die Muffins sind nicht zu süß, extrem saftig und ernten Komplimente wie "Sehr, sehr lecker" und "Ich will unbedingt noch einen!".

Zum meinem absoluten Favorit wird allerdings das Gericht, das ich als nächstes ausprobiere: "Spaghetti mit Zitrone und Parmesan" - kinderleicht und blitzschnell zubereitet. Genau das richtige, wenn man an einem warmen Sommerabend noch Lust auf ein bisschen Pasta hat, aber schnell wieder von der Küche zurück auf Balkon oder Terrasse möchte. Das Rezept klingt so einfach, dass ich mich frage, warum ich nicht selbst darauf gekommen bin: Zitrone (Saft und abgeriebene Schale), Olivenöl, Parmesan, Basilikumblätter, Salz und Pfeffer werden vermischt und anschließend mit den heißen Spaghetti vermengt - fertig! Wer es ausprobieren möchte: Hier gibt es das Rezept.

Kochen wie die Stars: Wird es bei uns nun öfter geben: das frisch-sommerliche Pasta-Gericht "Spaghetti mit Zitrone und Parmesan" - lecker!
Wird es bei uns nun öfter geben: das frisch-sommerliche Pasta-Gericht "Spaghetti mit Zitrone und Parmesan" - lecker!
© Rachel Brozowski

Am Ende meiner Gwyneth-Woche hat sich meine Kochwelt zwar nicht komplett revolutioniert, dennoch haben mich ein paar der Rezepte dazu inspiriert, hin und wieder etwas kreativer und vor allem "sommerlicher" zu kochen. Vielleicht kann ich mir auf diese Weise im langen Hamburger Winter ein bisschen kalifornische Sonne an den Esstisch holen.

Die größte Überraschung für mich jedoch: Gwyneth Paltrow sehe ich nun mit ganz anderen Augen. Die kleinen Anekdoten und Ausflüge in ihre Kindheit, die liebevollen Erinnerungen an ihren Vater und die kleinen Geschichten über ihre Kinder - das alles hat mir die Schauspielerin richtig sympathisch gemacht. Und Ausführungen, in denen Gwyneth ihren Lesern etwa eine vegetarische oder gar vegane Lebensweise aufdrängen will, sucht man im Buch vergeblich. Sie erklärt lediglich, weshalb sie kein rotes Fleisch isst und dass sie glaubt, Ihr Vater hätte durch eine gesündere Lebensweise länger leben können. Alles durchaus nachvollziehbar und für den ein oder anderen Nachkocher mit Sicherheit ein guter Anstoß.


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