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Kochen wie die Stars Gangster am Herd

Kochen mit Coolio
Kochen mit Coolio
© Gala.de
Er hat Mikrofon gegen Bratpfannen getauscht: Rapper Coolio will mit seinem Kochbuch zeigen, dass jeder für kleines Geld lecker essen kann. Und ich lasse mich auf das Experiment "Ghetto Gourmet" ein

"Was? Coolio hat ein Kochbuch? Her damit!" So oder so ähnlich habe ich reagiert, als ich gehört habe, dass der Rapper jetzt eher mit Kochschürze in der Küche als mit Mikrofon auf einer Bühne steht. Denn schließlich war auch ich in den 90ern so etwas wie ein Fan. Zumindest habe ich in meiner Stammdisco zu "Gangsta’s Paradise" gebounct und mich über den Typen gewundert, der während des Tanzens bei der Textzeile "Minute after minute, hour after hour" immer auf seine Uhr gezeigt hat. Zu Zeit hat Coolio auch heute sicher noch ein besonderes Verhältnis - die ist wichtig beim Kochen.

Als ich das Buch "Cooking With Coolio" dann das erste Mal in den Händen hielt, verflog allerdings meine Freude. Denn der "Ghetto Gourmet", wie sich der Hip-Hopper selbst nennt, mag's fleischig. Und ich eben nicht. Auf dem Speiseplan von Coolio stehen deshalb vor allem "Sündige Steaks" und "Aufgemotztes Geflügel" - er nennt es "Pimpin' the Poultry". Denn leider ist das Kochbuch mit dem Untertitel "Fünf-Sterne-Essen zu einem Ein-Stern-Preis" auch wirklich nur in der Muttersprache des US-Amerikaners erhältlich. Deshalb braucht man beim Kochen neben einem Slangwörterbuch wahrscheinlich auch eine Umrechnungstabelle für Maßeinheiten.

In einem Vorwort erfährt man, dass Coolio schon vor seiner Rap-Karriere in der Küche stand. "Meine Spezialität ist es, aus nichts etwas zu zaubern", schreibt der kochende Rapper oder rappende Koch. Noch vor dem Kochbuch hatte er sogar eine Kochshow im Internet, deren Episoden auch weiterhin abrufbar sind .

Zwischen den schinkenumhüllten Muscheln und den Rezepten für "Pimp My Shrimp", "Ghetto Burger" und Popcorn-Steak habe ich dann doch etwas Vegetarisches gefunden, in einem fleisch- und fischlosen Abschnitt des Buchs, den der Küchenchef selbst abfällig "Vegetarier? Okay, egal" nennt. Tomatensuppe, Spinat mit ganz viel Knoblauch, Bohnensuppe und Chili klingen so bodenständig wie unkreativ. Wären da nicht die Rezeptbeschreibungen, die Coolio in 1A-Ghetto-Sprache (so stelle ich die mir zumindest vor) aufschreibt. Mit dem Buch will er schließlich auch seine "Homies" an den Herd führen.

Der Artischockendip von Coolio beinhaltet vor allem Käse und Mayonnaise.
Der Artischockendip von Coolio beinhaltet vor allem Käse und Mayonnaise.
© Gala.de

So muss der "Spinat, den selbst deine Kinder essen werden", zunächst unter "arschkaltem" Wasser gewaschen werden. Überhaupt ist für Coolio alles irgendwie "Arsch" (Englisch "ass") – ob arschheiß, arschscharf, arschgroß oder arschspitz.

Ich entscheide mich dafür, die Gerichte nachzukochen, von denen ich so vorher noch nichts gehört habe. Artischocken-Dip und das "Himmlisch Getthalienische Knoblauchbrot" stehen als erstes auf dem Speiseplan und ich merke gleich: Echte Gangster lieben's fettig. Hauptzutaten sind bei beiden Snacks Mayonnaise, Käse und Knoblauch. Und beides ist schnell gemacht: Artischockenherzen aus der Dose kleingeschnitten mit Mayonnaise, Käse, Knoblauch, ein paar Gewürzen vermischt und für 30 Minuten ab in den Ofen. Ein ähnlicher Mix ohne die Artischocken und mit mehr Knoblauch kommt auf das französische Baguette, das als Basis fürs Knoblauchbrot herhalten muss. Auch das kommt in die Backröhre.

Sowieso mag es Coolio gern einfach und am besten kommen die Zutaten aus der Dose. Klar, er möchte ja auch, dass das Fünf-Sterne-Menü wenig kostet.

Coolio weiß, was Amerikaner mögen: Dieses Knoblauchbrot zum Beispiel.
Coolio weiß, was Amerikaner mögen: Dieses Knoblauchbrot zum Beispiel.
© Gala.de

Was dann aus dem Ofen kommt, ist tatsächlich ein wohlschmeckender, weil fettiger Snack. Wenn dann noch der sehr einfach zu machende Spinatsalat à la Coolio dazu serviert wird, könnte man die Illusion von etwas Gesundem zaubern.

Der süße Schokoladen-Kartoffel-Kuchen rundet das Coolio-Menü ab. Aus Süßkartoffeln, braunem Zucker, weißem Zucker, Schokomilch, Eiern, Muskat, Zimt und Vanilleextrakt entsteht zwar kein farblich sehr ansehnlicher Belag für einen Mürbeteig, dennoch schmeckt er hervorragend, ähnlich einem amerikanischen Kürbiskuchen, an den er angelehnt ist.

Süßkartoffelkuchen: Wegen des Zimts schmeckt der ein bisschen nach Weihnachten.
Süßkartoffelkuchen: Wegen des Zimts schmeckt der ein bisschen nach Weihnachten.
© Gala.de

Nach diesem ungesunden Kocherlebnis mit Coolio möchte ich das Buch zwar ehrlich gesagt nicht mehr aufschlagen, um Rezepte nachzukochen. Aber die derben Koch-Weisheiten des Rappers machen "Cooking With Coolio" zu einem amüsanten, wenn auch nicht ganz politisch korrekten Schmöker.

"Dieses Gericht heißt nicht nur Karate-Fleisch, weil es einen asiatischen Kick hat. Es heißt Karate-Fleisch, weil es dich fertigmacht, wie eine Taube im Knast" oder "Alles was ich koche, schmeckt besser als die Nippel deiner Mutter" oder "Lass die Eier für 15 Minuten in heißem Wasser baden, wie ein sexy schwedisches Mädchen in einer Mineralsauna". Vielleicht dient das Kochbuch eher als Crashkurs im Ghettoslang.

Auch wenn ich kein Essensgangster wie Coolio mehr werde, musste ich feststellen, dass ich wohl doch einen Ghetto-Gourmet kenne. Während ich mit der Mayonnaise und dem Fett im Essen zu kämpfen hatte, sagte mein US-amerikanischer Ehemann über Coolios Kochkünste: "Schmeckt wie zu Hause".


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