Wolfgang Joop: Der neue Model-Papa

Modedesigner Wolfgang Joop über seinen Jury-Job bei "GNTM" und den schwierigen Start mit Heidi Klum

Leicht humpelnd erscheint Wolfgang Joop, 69, zum "Gala"-Interview im Restaurant "Wolfgang Puck at Hotel Bel-Air" - er ist tags zuvor gegen einen Stuhl gelaufen, hat sich dabei den kleinen Zeh gebrochen. Seiner guten Laune tut das aber keinen Abbruch an diesem leicht bewölkten Vormittag in Kalifornien. Joop bestellt sich eine Kanne grünen Tee und eine Obstplatte. Als "GNTM"-Juror neben Heidi Klum muss man schließlich auf die Figur achten ...

Sie sind der Neue in der Jury von "Germany's next Topmodel". Wie kam es dazu?

Ich fand die Idee ganz spannend, meine Erfahrung aus dem Modebusiness in dieses Format einzubringen. Zumal ich auch gestalterische Freiheiten genieße, um neue Dinge auszuprobieren. Es war mir wichtig, den Zuschauern - vor allem jungen Mädchen - einen möglichst realistischen Einblick ins Modelbusiness zu geben. Ich denke, dass ich zusätzlich zu Heidi einen Beitrag leisten kann.

Es geht um jene Heidi, die Sie mal als "Durchschnitt" bezeichnet haben …

Da wurde einiges aus dem Zusammenhang gerissen. Ich habe gesagt, dass ich sie nicht als Runway-Model buchen würde. Aber ich würde auch keine Claudia Schiffer für den Laufsteg buchen. Die heutigen Models fallen nicht durch ihre Persönlichkeit auf und sind somit keine Stars mehr. Heidi Klum ist genau das Gegenteil davon.

Hat Heidi Sie mal auf Ihre frühere Äußerung angesprochen?

Na klar, gleich beim ersten Treffen. Heidi stupste mich an und sagte: "Na, du mochtest mich doch gar nicht!" Dann nahm sie mich in den Arm und sagte: "Aber das wird jetzt anders." Da war das Eis gebrochen. Wir sind ein gutes Team. Sie versteht, was ich mit meiner Aussage eigentlich meinte - sie wurde ja damals wirklich nicht gebucht in Mailand und Paris. Aber dafür hatte sie so viele andere Vorzüge, und sie hat ein erfolgreiches Imperium geschaffen.

Germany's Next Topmodel

Heidi Klum und ihre Mädchen

Staffel 11  Kaum sind die Castings in Deutschland vorbei, da wird schon wieder geshootet, was das Zeug hält. Hinter der Kamera gibt Heidi Klum ihren in neonpink gekleideten Models Tipps. Der Spaß kommt dabei natürlich nicht zu kurz.
Ganz der Profi: Mit einem prüfenden Blick checkt Heidi Klum die Foto-Resultate ihrer Mädchen. So richtig warm scheint es in Los Angeles jedoch nicht zu sein. Das Topmodel muss sich mit einem flauschigen Mantel warmhalten.
Doch nicht nur hinter der Kamera hält sich Heidi auf. Sie erklärt auch direkt am Shooting-Set, wie man am allerbesten posiert. Sie weiß es ja schließlich.
Das offizielle Jury-Foto ist da: Gemeinsam mit Thomas Hayo und Designer Michael Michalsky sucht Heidi Klum "Germany's Next Topmodel" 2016.

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Kann man sagen, dass Heidi Sie positiv überrascht hat?

Wir haben uns gegenseitig positiv überrascht. Ich habe mich sehr gefreut, als sie über mich sagte, sie sei verblüfft, wie bodenständig und sympathisch ich bin. Und ich muss sagen, Heidi ist eine unglaublich kluge Geschäftsfrau mit einer sagenhaften Disziplin und viel Humor. Ich habe wirklich größten Respekt vor dieser Frau. Heidi ist ein weltweit bedeutender deutscher Star, so wie es Marlene Dietrich war. Ihr TV-Format ist das einzige in diesem Genre, das funktioniert. Und nun wird es noch besser, denn wir heben es in dieser Staffel auf ein neues Level!

Gala: Inhaltsverzeichnis

Gala

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Bislang war Heidi Klum die unangefochtene Chefin der Show. Haben sich die Hierarchien nun verschoben?

Ich sage schon, was ich denke. Ich bin sowohl zu meinen Mitjuroren als auch zu den Mädels sehr ehrlich. Es hilft den Mädchen, wenn man ihnen genau sagt, was schiefgelaufen ist. Das ist ja auch der Sinn des Ganzen - sie zu begleiten.

Entwickeln Sie Vatergefühle für die Mädchen?

Auf jeden Fall. Ich habe ja auch meine eigenen beiden Töchter aufwachsen sehen, mit allen Dramen, die im jungen Alter dazugehören. Jette lebte mit 16 in London, sie hatte oft Heimweh und wollte zurück zu Mama und Papa. So geht es den Mädchen in der Show auch oft. Meine eigenen familiären Erfahrungen haben mir schon geholfen, die Mädchen besser zu verstehen. Ich habe jahrelang gesehen, wie hart das Geschäft sein kann, wie schnell Models plötzlich abgeschrieben sind. Es geht nicht immer nur um das Geld, das dann fehlt, sondern auch um die Zurückweisung. Damit muss man fertig werden.

Welche Perspektiven haben die Kandidatinnen wirklich?

Die Modewelt braucht Models. Aber nur wenige schaffen den Sprung an die Spitze. Erfolg ist in diesem Beruf letztlich eine Verabredung mit einem bestimmten Zeitpunkt. Glück spielt eine große Rolle. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein - darauf kommt es oft an.

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