Wallis Simpson: Vamp oder Opfer?

Sie war die meistgehasste Frau der Welt: Wallis Simpson soll 1936 König Edward VIII. zum Abdanken getrieben haben. In ihrem Spielfilm "W. E." zeigt Madonna ein ganz anderes Bild der Amerikanerin

Wallis Simpson

Eigentlich sollte man ihr dankbar sein.

Hätte es Wallis Simpson nicht gegeben, und hätte König Edward VIII. nicht abgedankt, um sie heiraten zu dürfen, dann hätten die Briten in diesen Tagen nicht das Diamantene Thronjubiläum der Queen feiern können. Elizabeth II., Edwards Nichte, wäre nie auf den Thron gekommen und hätte das Empire nie auf ihre großartige Weise zusammenhalten können.

Bis heute wird Wallis Simpson, Herzogin von Windsor, als Mode-Ikone gefeiert. Ihr Credo: "Ich bin keine schöne Frau, kein Hingucker. Das einzige, was ich tun kann, ist, mich besser anzuziehen als alle anderen".

Doch statt Dankbarkeit schlug Wallis Simpson Zeit ihres Lebens Ablehnung entgegen. Lange galt sie als meist gehasste Frau der Welt. Die Briten beschuldigten die Amerikanerin, sie habe ihnen den König gestohlen. Eine Darstellung, der nun, 25 Jahre nach Wallis Simpsons Tod, erstmals vehement widersprochen wird. Eine Fürsprecherin hat sie ausgerechnet in Madonna gefunden, die in ihrem Film "W. E." ein ganz neues Bild von Wallis Simpson zeichnet. Eines, welches die vermeintliche Täterin als Opfer erscheinen lässt.

Edwards Abdankung - für Wallis eine Katastrophe. Sie erhielt Morddrohungen, fürchtete um ihr Leben. War sie bis dahin wegen ihres Modestils bewundert worden - sie trug stets die neusten Kreationen von Dior, Elsa Schiaparelli und Givenchy sowie exquisiten Schmuck von Cartier und Van Cleef & Arpels -, war das aufregende Leben in der britischen High Society mit einem Schlag vorbei.

Jetzt im Kino: "W. E." über die Beziehung zwischen Wallis und Edward, die ihre Liebesbriefe mit den gemeinsamen Initialen unterschrieben.

Niemand wollte mehr mit ihr und Edward, die nach ihrer Hochzeit 1937 Herzog und Herzogin von Windsor hießen und isoliert im Exil in Frankreich lebten zu tun haben. In "W. E." stellt Madonna die These auf, dass Wallis in Wirklichkeit mehr aufgeben musste als Edward. Nämlich ihren Ruf, ihre Freiheit und ihre Privatsphäre.

Die Pop-Diva als Historikerin? "Alles, was ich über den Herzog und die Herzogin zu sagen habe, ist das Ergebnis meiner ausführlichen Recherchen", erklärt Madonna. "Mir ging es um ein vollständigeres Bild von Wallis als das, welches man normalerweise kennt." Wie man ihren Film auch beurteilen mag - diesem eigenen Anspruch jedenfalls wird Madonna gerecht. Ihre Quellen: Briefe, die Wallis im Exil sowohl an Edward als auch an Freunde verfasst hatte. Ihr Besitzer, der ehemalige Harrods-Eigentümer Mohammed Al-Fayed, gewährte Madonna exklusive Einblicke in die brisanten Schriftstücke.

"Sie machen sich keine Vorstellung, wie schwer es ist, die größte Romanze der Welt zu leben", schrieb Wallis etwa einer Vertrauten. "Er hat mich benutzt, aus seinem Gefängnis auszubrechen. Jetzt muss ich für immer bei ihm bleiben." Und so ist es in Madonnas Film nicht etwa Wallis, die den König zum Abdanken bewegt, sondern der junge König ist seinem Amt ohnehin nicht gewachsen. Mehr noch: Als Wallis versucht, Edward davon abzubringen, nach nicht mal einem Jahr abzudanken, und sich lieber von ihm trennen will, ist er es, der darauf besteht, ohne sie nicht leben zu können. Unterstützung für ihre Version der jüngeren britischen Geschichte bekommt Madonna in Form von zwei neuen Biografien, die im vergangenen Jahr erschienen sind: "Behind Closed Doors. The Tragic Untold Story Of The Duchess of Windsor" von Hugo Vickers und "That Woman: A Life Of Wallis Simpson, Duchess of Windsor" von Anne Sebba.

Nach ihrer Hochzeit 1937 trugen Wallis und Edward die Titel Herzogin und Herzog von Windsor.

Letztere bezieht sich ebenfalls auf bislang unbekannte Briefe der Herzogin, vornehmlich solche, die sie 1936 und 1937 aus dem Exil an ihren zweiten Ehemann Ernest Simpson schrieb, ein amerikanischer Geschäftsmann, mit dem sie 1928 nach London gezogen war. Ihm gegenüber beklagte sich Walis über Edwards kindische Art: Die Beziehung sei "ein Durcheinander", und sie spüre eine "beginnende Leere". Die größte Liebesgeschichte der Welt - in Wahrheit eine Tragödie für die Liebenden selbst? So sieht es aus. Und den meisten Briten dürfte das gefallen. Stefanie Richter

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