Vanessa Mae: Zum Erfolg gezwungen

Star-Geigerin Vanessa Mae hat erstmals über die wahren Gründe ihres Erfolgs als Musikerin gesprochen. Jahrelang soll ihre Mutter sie mit Schlägen gedrillt haben

Vanessa Mae im Jahr 2009

Wenn ein Kind im Alter von zehn Jahren bereits beim "London Philharmonic Orchestra" Geige spielen darf, muss es ein herausragendes Talent für Musik mitbringen. Doch im Fall von Star-Geigerin Vanessa Mae, der genau das im Jahr 1988 gelang, kam - wie sicher bei vielen anderen besonders erfolgreichen Kindern auch - noch ein weiterer Faktor hinzu, über den die heute 35-Jährige nun erstmals in einem Interview sprach.

Wie sie im Gespräch mit der britischen "Daily Mail" erklärte, habe ihre Mutter Pamela Tan Nicholson sie seit ihrer frühen Kindheit unter Schlägen und Anwendung demütigender Rituale zum Üben gezwungen. "Bis ich 20 war, schlug mich meine Mutter, wenn sie verärgert war", so die Tochter eines Thailänders und einer Chinesin. "Sie schlug mich auf die Arme und ins Gesicht - es war einfach ihre Art, sich auszudrücken." Bei einem Aufenthalt in Lyon sei sie von ihrer Mutter und ihrem Musiklehrer gleichzeitig geschlagen worden. Ihre Mutter habe sie außerdem zur Anwendung des so genannten Kotau gezwungen, ursprünglich einem alten Gruß, der im Kaiserreich China gegenüber Monarchen angewandt wurde. Dabei kniete sich der Grüßende auf den Boden und berührte mit der Stirn den Boden. "Es ist eine unterwürfige Geste, die einen daran erinnern soll, wer der Boss ist", erklärt Mae. "Ich musste mir gleichzeitig an den Ohren ziehen."

Vanessa Mae bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi.

Gegen ihren Musiklehrer habe sie sich jedoch bereits im Alter von 15 Jahren erfolgreich zu wehren begonnen, indem sie zurück schlug - woraufhin er zu weinen begonnen hätte. Darüber hinaus sei außer dem Training an der Geige kaum Zeit für andere Aktivitäten gewesen, nicht einmal der Erledigung ganz alltäglicher Dinge. Erst im Alter von 20 Jahren sei es ihr erlaubt gewesen, allein das Haus zu verlassen. "Ich habe nie mein eigenes Bett gemacht, mir mein eigenes Frühstück zubereitet, bin nie allein die Straße entlang gelaufen oder habe mir eine Tüte Milch gekauft." Ihre Mutter habe ihr zudem das Skifahren verboten, mit dem Vanessa Mae - genau wie mit dem Geige spielen - im Alter von vier Jahren begonnen hatte. "Meine Mutter hat mich das Skifahren gelehrt, als ich vier war, aber mit 18 war sie plötzlich strikt dagegen, dass ich weitermache". Für ihre Mutter habe die Verletzungsgefahr ein zu hohes Risiko dargestellt, doch für Vanessa Mae habe es Freiheit und Abstand zur Musik symbolisiert.

Am Tage ihres 21. Geburtstags löste sich Vanessa Mae von ihrer Mutter - und hat seither nie wieder ein Wort mit ihr gewechselt. Laut "Daily Mail" soll sich Vanessas Mutter im Februar 2014 per SMS bei ihr gemeldet haben, als ihre Tochter bei den Olympischen Spielen für Thailand im Skislalom antrat, um ihr viel Glück zu wünschen.

Für Mae, die in Sotschi den letzten Platz machte, allerdings kein Grund, den Kontakt zu ihrer Mutter wieder aufzunehmen. "Ich fand die SMS nett, aber das ist auch alles", wird sie zitiert. "Wenn du jemandem vor den Olympischen Spielen kein Glück wünschst, dann musst du schon ein kleiner Spielverderber sein."

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