Ulrich Tukur ist "Grzimek": "Ein Steppenpavian zerriss das Drehbuch"

In einem ARD-Drama spielt Ulrich Tukur den Tierschützer Bernhard Grzimek. Gala.de traf den "Tatort"-Kommissar zum Interview

165 Minuten geballter Geschichtsunterricht! Am Karfreitag hält die ARD einen ganz besonderen Film für ihre Zuschauer bereit: Ein Biopic von Bernhard Grzimek, das sich schlicht "Grzimek" nennt. Verkörpert wird die Legende von Ulrich Tukur ("Tatort"). Der Generation Ü40 wird der Naturschützer noch präsent sein. Denn Grzimek war rund 30 Jahre lang ein prägendes TV-Gesicht. Von 1956 bis 1980 entführte er Fernseh-Deutschland in fremde Länder, ließ exotische Tiere in der Sendung "Ein Platz für Tiere" über seine Schultern krabbeln.

1960 dann der Höhepunkt: Der damals 51-Jährige bekommt für seine Naturdokumentation "Serengeti darf nicht sterben" einen Oscar. Es war 1957 als er mit seinem Sohn Michael ins Flugzeug stieg, einer Dornier-27, die mit Zebrastreifen bemalt war. Das Ziel: Afrika, die Serengeti. Dort wollten Grzimek und sein Team das Wanderleben Gnus, Antilopen, Zebras und anderen Tieren untersuchen. Tragisch: Grzimeks Sohn stürzte mit der kleinen Maschine in den Tod.

Für den 1,90 Meter großen Mann waren die Film- und Fernsehauftritte nur Mittel zum Zweck: Er sah den Fernseher als Kanal, durch den er zur breiten Masse sprach. Er wollte wachrütteln. Umweltbewusstsein schaffen.

Vor seiner TV-Karriere, in der Nachkriegszeit, war Bernhard Grzimek Direktor des Frankfurter Zoos, lernte dort Tiere lieben und schätzen - und wurde zu einem der Vorreiter in Sachen Naturschutz. Verschrieb den Tieren sein Leben, brannte regelrecht für sie. So sehr, dass er die Menschen völlig aus den Augen verlor, auch nahestehende.

Die ARD zeigt am 3. April, 20.15 Uhr, nicht nur den öffentlichen Bernhard Grzimek, sondern auch seine persönlichen Dramen. Ein Film mit mit wundervollen Bildern, der sehr spannend und auch rührend ist.

Gala.de sprach mit Hauptdarsteller Ulrich Tukur über Steppenpaviane, die Drehbücher in Fetzen reißen, "Pipikacka"-Humor und seinen Bammel, eine Legende darzustellen.

Warum sollten sich Menschen "Grzimek" denn eigentlich anschauen?

Weil es sich bei Bernhard Grzimek um eine bedeutende Person der Zeitgeschichte handelt, die einmal sehr viel bewirkt hat. Das Umweltbewusstsein, das in den 70er Jahren entstand, basiert in weiten Teilen auf der Arbeit von Bernhard Grzimek. Er war beseelt von einer großen Liebe zu den Tieren, zur Natur und unserem Heimatplaneten überhaupt und hat darunter gelitten, dass der Mensch all das leichtfertig aufs Spiel setzt. Er ging seinen Weg leidenschaftlich – auf unkonventionelle, radikale, manchmal geradezu halbkriminelle Art und Weise. Als alter Mann klettert er über den Zaun einer Hühnerfarm, bricht in die Gebäude ein und filmt die Hühner in den Legebatterien. Das zeigt er dann ein paar Tage später im Fernsehen.

Hatten Sie besondere Ehrfurcht, solch eine Ikone darzustellen?

Ehrfurcht ist das falsche Wort. Eher Bammel. Ich musste ja einen Menschen spielen, dessen Bild in den Köpfen vieler Menschen fest verankert ist und die jetzt etwas ganz Bestimmtes erwarten. Denken Sie an die lebenden Familienmitglieder, die Witwe. Natürlich wollen sie ihren Verwandten wiedererkennen. Aber man darf nicht imitieren, sonst landet man schnell bei Loriot. Also habe ich versucht, das Wesenhafte der Figur „Grzimek“ zu greifen und darzustellen.

Und hat das geklappt? War Familie Grzimek zufrieden mit Ihrer Darstellung?

Es sind sehr symphatische Menschen. Sie waren uns eher zugetan, in der Recherche, auch beim Schreiben des Drehbuchs. Ich habe Christian (Enkel von Bernhard Grzimek, Anm. d. Red.) irgendwann gefragt: ‚Und? Habe ich bestanden?‘ Da sagte er: ‚Ja, das war ganz gut.‘

Wenn sich der Enkel so positiv äußert, ist das ja ein kleiner Ritterschlag…

Natürlich kann ich niemals das erfüllen, was die Erinnerungen an den Großvater hergeben. Das kann kein Film, auch wenn er 165 Minuten lang ist. Auch Christian Grzimek musste sich an das neue Bild erst gewöhnen, das ich und Roland Suso Richter entworfen haben; damit werden sich erst einmal all die schwer tun, die an einem fixen Bild hängen. Das wird sich aber nach zehn Minuten geben.

Was war die größte Herausforderung am Dreh?

Dass uns vom Regisseur Roland Suso Richter untersagt wurde zu proben. Es gab nicht eine Probe, kaum eine Information. Wir gingen in eine Wohnung, die für den Dreh eingerichtet worden war - gesehen haben wir vorher nichts. Irgendwo standen die Kameramänner, alles war eine Überraschung.

Warum gab es denn keine Proben?

Das ist wohl der Erwartung geschuldet, ein höheres Maß an Authentizität zu erzielen. Es war am Anfang wirklich schwer, vor allem wenn es sich um intime, feine Szenen handelte, die man gerne mal ein bißchen probend erforscht hätte. Aber alles in allem hat es dann erstaunlich gut funktioniert…

Die ersten 90 Minuten sind sehr gut inszeniert und spannend!

Und es wird noch aufregender. Denn danach kommt das große Familiendrama im zweiten Teil. Und das ist manchmal wirklich schwer zu ertragen – da hatte ich mit Barbara Auer und Katharina Schüttler zwei großartige Partnerinnen.

Und gefährliche Situationen mit Tieren, gab es die?

Gefährliche Situationen hat es nicht gegeben, da wurde sehr aufgepasst. Aber es gibt eine Szene, die in Afrika spielt - mit Nilpferden, die in einem See baden. Uns wurde erklärt, wie gefährlich diese Tiere sind, die so gemütlich im Wasser liegen. Aber wehe, man verletzt ihr Territorium, dann sind sie schneller aus ihrem Element, als wir davonlaufen können. Und obwohl die Vegetarier sind, töten sie mit einem Biss.

Grzimek moderierte jahrzehntelang die Fernsehsendung "Ein Platz für Tiere", wo er dem Publikum verschiedene Lebewesen vorstellte. Was ist denn bei Ihnen während der Dreharbeiten alles auf den Schultern rumgeklettert?

Allerhand! Zum Beispiel ein Steppenpavian. Der hat meine Schreibtischschublade aufgerissen, mein Handy an sich genommen, das Drehbuch zerrissen und ab dafür. Ich bin hinterher, habe versucht, es mir zurückzuholen - da hat er mir die Zähne gezeigt. Diese Affen sind ekelhaft, sie waren von allen dem Menschen am nächsten. Ansonsten liebe ich Tiere, das war auch einer der Gründe, warum ich in diesem Film mitspielen wollte.

Haben Sie eigentlich ein Lieblingstier?

Ich hatte immer Hunde, mein letzter, „Totò“ ist vor einem Jahr an einem Hirntumor gestorben, er war ein wunderschöner, geradezu spiritueller Hund. Hunde gleichen die menschliche Seele auf eine magische Art und Weise aus, sie sind bedingungslos in ihrer Liebe, unverstellt und verstehen viel mehr von einem als man denkt. Außerdem liebe ich Esel, Eulen und Waldelephanten.

Bernhard Grzimek nutzte ja gern Furzkissen, hatte einen ganz speziellen Humor.

Ja, so eine Art Pipikacka-Humor. Er liebte den Einsatz von Furzkissen, Hundstrümmerlimitaten, Kotzlachen u.ä. Meine italienischen Freunde, die kriegen sich auch nicht mehr ein, wenn man einen fahren lässt, und Japaner lachen sich schlapp, wenn ich sie in ihrer Sprache nach einer Hämmorhoidensalbe frage. Das ist international. Dieser Hang Grzimeks spielt in unserem Film allerdings keine Rolle; es gab genug anderes zu erzählen.

Haben Sie auch schon mal einen Scherzartikel benutzt?

Ja, bei einem Konzert mit meinen „Die Rhythmus Boys.“ Da hatte mir meine Tochter einen ferngesteuerten Furzapparat aus den USA geschickt. Das war ein Lautsprecher, den man per Fernbedienung steuern konnte. Den habe ich vor dem Konzert unter einen Sitz gestellt, auf dem dann einen ältere Dame saß. Es war saukomisch. Auch ich bin nicht gegen solchen Unsinn gefeit …

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