TV-Tipp: Dokudrama über Olympia 72

Es war die Geburtsstunde des internationalen Terrors: Bei den Olympischen Spielen 1972 kommt es zu einer Geiselnahme. Im Dokudrama "Vom Traum zum Terror - München 72" spielt Stephanie Stumph eine israelische Athletin. Mit Gala.de sprach sie über den Dreh

Vom Traum zum Terror

Es ist als Massaker von München in die Geschichte eingegangen

: Während der Olympischen Sommerspiele 1972 nehmen palästinensische Terroristen israelische Athleten als Geiseln. Da die Polizei kein Sicherheitskonzept für diesen Ernstfall hat, geschehen zahlreiche Missgeschicke. Elf Athleten und ein Polizist sterben beim Versuch, die Gefangenen zu befreien.

Die ARD arbeitet diese Ereignisse 40 Jahre danach in einem Doku-Drama auf. In "Vom Traum zum Terror - München 72" (22. Juli, 21.45 Uhr) kommen Zeitzeugen zu Wort, unter anderem erzählt der damalige Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher laut ARD erstmals ausführlich, wie er sich als Tauschpfand für die Geiseln anbot. In Spielszenen werden die die dramatischen Ereignisse nachgestellt. Die Schauspielerin Stephanie Stumph ist im Film als israelische Athletin zu sehen. Mit Gala.de spricht sie über die Herausforderung ihrer Rolle, das Interesse an Olympia und ob sie selbst Angst vor Terror hat.

Im Doku-Drama "Vom Traum zum Terror - München 72" spielen Sie die israelische Athletin Esther Roth-Shachamarow. Und sprechen dabei kein Wort …

Ein bisschen was sage ich schon. "Was?" auf Hebräisch zum Beispiel und dann noch ein wenig Englisch. Aber sonst hatten wir keinen vorgeschriebenen Text.

Jasmin Tawil

Ihr Sohn Ocean kann schon klettern

Jasmin Tawil
Jasmin Tawil ist stolz auf Söhnchen Ocean: der kleine Mann weiß schon ganz genau, wie man klettert!
©Gala

War der Dreh dadurch schwieriger?

Ich hab’s mir schwieriger vorgestellt, aber es war entspannend. Obwohl du nicht mehr die Möglichkeit hast, Inhalte über den Text zu transportieren. Es war eine Bereicherung und ein Erlebnis, das ich so noch nicht hatte. Man lässt sich einfach mehr auf den Moment ein, arbeitet viel mehr mit Mimik.

Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Leider konnte ich Esther Roth vorher nicht treffen. Aber ich habe mir ein aktuelles Interview mit ihr angeschaut, auf Hebräisch. Ich habe zwar kein Wort verstanden, aber gesehen wie sie agiert. Obwohl man das auch nicht eins zu eins übertragen kann, denn damals war sie 20 und jetzt 60 Jahre alt. Grundzüge bleiben sicher, aber trotzdem sind 40 Jahre dazwischen. Frühere Aufnahmen waren leider kaum zu finden.

Filmszene: Ein palästinensischer Terrorist erschießt die israelischen Geiseln.

Gala.de-Redakteurin Ines Weißbach hat Stephanie Stumph in Hamburg getroffen.

Und wie ist es, jemanden zu spielen, den es noch gibt?

Das war die Schwierigkeit an der Sache, dass ich nicht Schneewittchen oder Claudia soundso spiele, wo ich mich mit meiner Fantasie annähern kann und die Figur selbst erarbeite. Man muss sich natürlich an eine gewisse Vorlage halten, die die reale Person mitbringt. Schwierig macht es das Ganze, wenn nicht viel Material über den Menschen zu finden ist. Wie bei Esther Roth, in Israel weiß zwar jeder, wer sie ist, dort ist sie eine Legende, aber in Deutschland kennt sie leider kaum jemand.

"Vom Traum zum Terror" ist ein Doku-Drama, Spielszenen wechseln sich mit Originalaufnahmen ab. Dabei sieht der Zuschauer Sie und ihre Kollegen Peter Lohmeyer oder Matthias Koeberlin in recht kurzen Sequenzen. Ist das unbefriedigend für jemanden, der sonst in Hauptrollen in Spielfilmen zu sehen ist?

Bei so einer tollen Produktion ist dabei sein alles. Es kommt nicht auf die Masse der Drehtage an, es gab ja auch insgesamt nur zehn. Ich war eher überrascht, dass die Szenen meiner Rolle so gut im Film verteilt sind. Da ist es mir gar nicht mehr so wenig vorgekommen. Außerdem wusste jeder, der da mitspielt, dass der Hauptteil des Films aus Interviews und zeitgeschichtlichen Videos bestehen wird.

Das Attentat von München jährt sich 2012 zum 40. Mal. Haben Sie sich vor dem Film bereits mit diesem Teil der deutschen Geschichte beschäftigt?

Ich habe wohl mal davon gehört, aber in der Schule im Geschichtsunterricht hat es gar keine so große Rolle gespielt, wie der Zweite Weltkrieg oder der Mauerfall. Erst für den Film habe ich mich damit auseinandergesetzt. Bei dem Wort Terrorismus wird hauptsächlich von 9/11 geredet, dass die Thematik allerdings schon Jahrzehnte präsent war, kam zu meiner Schulzeit leider viel zu kurz.

Was hat Sie besonders überrascht an der Geschichte?

Die Kette der Verfehlungen und Missgeschicke ist unfassbar. Da habe ich mit offenem Mund dagestanden. Dass die Polizei auf dem Dach rumsteigt, um unauffällig einen Angriff vorzubereiten, und die Terroristen können es im Fernsehen beobachten. Das ist schon krass. Und dass dann noch verkündet wurde, die Geiseln seien gerettet, obwohl es nicht stimmte. Eine sehr traurige, wahre Geschichte.

In wenigen Tagen beginnen die Olympischen Spiele in London, und tatsächlich wurden im Vorfeld bereits Terrorverdächtige festgenommen. Haben Sie Angst vor Terror?

Ich muss mich nicht überlang an Bahnhöfen und Flughäfen aufhalten, aber Angst würde ich nicht sagen. Ich reise sehr viel und wenn ich Angst hätte, würde Reisen für mich zur Qual. Ich vermeide zwar tunlichst Menschenansammlungen, trage aber keine Alltagsangst mit mir herum. Das würde mich zu sehr einschränken. Ich fühle mich in Deutschland doch recht sicher und ich hoffe, das bleibt auch so.

Interessieren Sie sich für Olympia?

Bisher nicht so sehr, wenn jemand anders einschaltet, gucke ich schon mit. Ich finde ja Sport eine tolle Sache, wenn das andere machen (lacht). Nach dem Film werde ich die Olympischen Spiele dieses Jahr allerdings mit anderen Augen erleben.

Ines Weißbach

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