TV-Tipp: "Herzkino" mit Tiefgang

Mit "Das Paradies in uns" beweist das ZDF: Das "Herzkino" am Sonntag funktioniert auch ohne reinen Kitsch. Doch die Grundmischung aus Traumlandschaft und großen Gefühlen bleibt

Am Sonntagabend um 20:15 Uhr wird wieder wie gewohnt auf den heimischen Sofas um die Fernbedienung gekämpft. Die wichtigste Entscheidung der Woche steht an: Will man das Wochenende lieber spannend mit dem Tatort oder mit herzerwärmenden Geschichten des Sonntagskinos im Zweiten ausklingen lassen? Das ZDF "Herzkino" zeigt sich am 27. Oktober von einer ungewohnten Seite. Anstatt leichtgänigen Liebesdramas vor Traumkulisse gibt es echte Gefühle und Tiefgang.

Christiane versucht auf Hawaii, den Tod ihres Sohnes zu verarbeiten.

Mit dem Melodrama "Das Paradies in uns" wagt sich das ZDF über die Grenze der heilen Pilcher-Welt hinaus und betritt thematisch ungewohntes Terrain. Statt Liebesrangeleien geht es um Tod, Trauerbewältigung und die Rückkehr ins Leben. Christiane (Katja Flint) und Mathis (Martin Brambach) erleben die Horror-Vorstellung jeder Eltern: Ihr Sohn Jonas verunglückt beim Surfen auf Hawaii und wird seitdem vermisst. Sofort steigen die beiden in den nächsten Flieger, um herauszufinden, was mit ihrem Sohn passiert ist. Bald müssen die beiden die schreckliche Entdeckung machen: Ihr Sohn ist tot. Mathis fährt sofort nach Hause, um die Beerdigung zu organisieren. Christiane dagegen kann sich nicht lösen, von dem wunderschönen Insel Maui, in die sich ihr Sohn Jonas so sehr verliebt hatte. Sie trifft Menschen, die ihrem verstorbenen Sohn dort kannten und kommt ihm so näher als je zuvor.

Traumkulisse Hawai - Endlose Strände laden zum Träumen ein


Die Handlung ist feiner gestrickt als das übliche "Herzkino"-Material. Hauptdarstellerin Katja Flint sieht darin einen großen Fortschritt: "Emotionale Geschichten für ein breites Publikum, die an schönen Orten der Welt spielen, können durchaus anspruchsvoll und ernsthaft erzählt werden," meint sie zu "Teleschau".
Nicht zum ersten Mal traut sich das ZDF am Sonntag Abend etwas mehr zu. Mit "Tsunami - Das Leben danach" oder "Wer liebt, lässt los" setzte das Zweite seinen Zuschauern bereits schwer verdauliche Themen wie Tod und Trauer vor. Doch schockierte Pilcher-Fans können sich schnell wieder beruhigen. Was bei einem ZDF-Sonntagsabendfilm nicht fehlen darf, sind atemberaubende Landschaften, die zum Träumen einladen.

Die raue Seite Hawaiis: Felsige Küsten und wilde Strömung


Diesem Grundprinzip des "Herzkinos" bleibt der Sender treu. Die hawaiianischen Insel Maui bietet einige traumhafte Filmkulissen. Statt Palmen und makellosem Sandstrand wird aber vor allem die raue Seite der Insel gezeigt. Mächtige Wellen und Felsen dominieren das Bild. Katja Flint überraschte die Rohheit des Meeres auf Hawaii sehr: "Ich bin wirklich eine gute Schwimmerin, aber in der einen Szene, in der ich schwimmen gehe, habe ich zum ersten Mal richtig gespürt, was Strömung bedeutet. Auf Hawaii wirken Kräfte am Meer, die ich so noch nie erlebt habe", erzählt sie der "Teleschau".

Das Drehbuch zu "Das Paradies in uns" stammt von Christoph Silber, der auch schon einige Hamburger Tatorte schrieb. Vielleicht lockt das auch den einen oder anderen Krimifan am Sonntag an.

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