Tom Wlaschiha: "Es ist schwer, in Hollywood Fuß zu fassen"

In den USA hat die fünfte Staffel von "Game of Thrones" begonnen - der Deutsche Tom Wlaschiha kehrt als Auftragskiller mit den vielen Gesichtern zurück. Im Interview verrät er, wie oft er hier auf der Straße erkannt wird und wie er zum internationalen Star wurde

Tom Wlaschiha: "Es ist schwer, in Hollywood Fuß zu fassen"

hat das erreicht, wovon viele deutsche Schauspieler nur träumen. Der Wahl-Berliner mit dem schwer auszusprechenden Namen wurde durch seine Rolle in der zweiten Staffel der US-Kultserie "Game of Thrones" quasi über Nacht berühmt. In der neuen fünften Staffel der Erfolgsserie kehrt der 41-Jährige jetzt als ominöser Killer mit dem ebenfalls schwer auszusprechenden Namen "Jaqen H'gha" auf die Leinwand zurück. Wir haben ihn in München zum Interview getroffen. Von Star-Allüren und Höhenflügen bei keine Spur. Er wirkt bescheiden und scheint, trotz des Hypes um seine Person, auf dem Teppich geblieben.

Tom, heute bezeichnest Du "Game of Thrones" als "die beste Serie der Welt". Was macht die Serie so besonders?

Wlaschiha: Da gibt es ganz viele Aspekte. Ich war vorher gar kein Fantasy-Fan. Es ist für mich aber auch keine richtige Fantasy-Serie, denn Fantasy bedeutet für mich immer viel Übernatürliches. Okay, es gibt ein paar Drachen und eine Figur, die ihre Gestalt verändern kann. Aber im Prinzip ist das wie Shakespeare: alles spielt sich auf einem sehr menschlichen Level ab. Alle Figuren haben Abgründe und Vorzüge. Es macht einfach Spaß zuzugucken. Denn man schaut nun einmal gerne anderen beim Intrigieren zu.

Tom Wlaschiha als Jaqen

Tom Wlaschiha als Jaqen

Musstest Du Dich für "Game of Thrones" auch optisch verändern?

Ja, ich musste mir wieder lange Haare wachsen lassen. Das ist innerhalb von zwei Monaten gar nicht so einfach (lacht). Deshalb habe ich dann doch wieder - wie in der zweiten Staffel - auf eine Perücke zurückgegriffen.

Was erwartet die Fans bei der neuen Staffel?

Ich darf noch nicht zu viel verraten. Nur so viel: Es wird spannend, es wird dramatisch und überraschend.

Wie hat sich Dein Leben seit "Game of Thrones" verändert? Du bist ja mittlerweile qasi ein Superstar.

Superstar? Das würde ich jetzt nicht sagen. Mein berufliches Leben hat sich dahingehend verändert, dass ich jetzt viel mehr Rollenangebote bekomme. So eine Rolle ist wirklich ein Glücksfall für einen Schauspieler. Ich ahnte anfangs nicht, dass es so einen Riesenhype um diese Geschichte geben wird. Noch dazu war meine Rolle ziemlich klein, dafür aber gut geschrieben und sehr einprägsam. Wenn eine solche Serie weltweit läuft, dann bekommt man natürlich einen größeren Bekanntheitsgrad und mehr Rollenangebote. Das ist toll.

Was ist bei den Dreharbeiten zu einer internationalen Serie anders als bei einem deutschen Format?

In dem Moment, wo die Kamera läuft, ist es egal, ob es ein Studentenfilm ist oder "Game of Thrones". Natürlich macht das Drumherum auch viel aus. Bei so einer Produktion, die ein riesiges Budget hat, kann man eine komplett andere Welt ans Set stellen. Als Schauspieler musst Du dann gar nicht mehr viel machen, denn Du fühlst Dich dann mitten ins Mittelalter gebeamt.

Muss man erst eine internationale Sache drehen um hier in Deutschland anerkannt zu werden?

Ich weiß es nicht, es sieht manchmal so aus. Man kann allerdings nicht einfach sagen: "Ich mach' jetzt mal eine internationale Sache." So funktioniert das nicht. Für mich war es eine Art zweites Standbein, dass ich mir eine Agentur in London gesucht habe. Ich hatte zwar in Deutschland immer Arbeit. Aber ich habe nie die Angebote bekommen, die mich wirklich interessiert haben. Dann hatte ich die Idee, ins Ausland zu gehen. Ich bin allerdings fest der Meinung, dass man als Schauspieler nicht einfach sagen kann: 'Ich geh' jetzt nach Hollywood'. Denn ich glaube, dieser Traum von Hollywood ist ein sehr irrealer. Wenn man dort hinfährt, dann ist jeder, den man trifft, Schauspieler. Es ist wahnsinnig schwer, in Hollywood Fuß zu fassen. Man braucht viel Glück.

Kannst Du in Berlin noch unerkannt auf die Straße gehen?

In Berlin wechselt niemand die Straßenseite wenn er dich erkennt. Und das soll bitte auch so bleiben. Ich habe kein Verlangen danach, auf der Straße erkannt zu werden. Das macht für mich nicht den Job des Schauspielers aus.

Aber Du wirst sicher ab und zu erkannt?

Wlaschiha (nickt): Ab und zu werde ich erkannt. Das überrascht mich dann aber oft. Denn in Game of Thrones sehe ich ganz anders aus. Es kommt durchaus vor, aber hält sich in Grenzen.

Hat auch die Zahl der weiblichen Verehrerinnen zugenommen?

Natürlich. Die Gesamtzahl der Verehrer hat zugenommen. Da habe ich auch nichts dagegen. Aber ich hätte nicht ständig Lust auf Selfies oder Autogramme wenn ich unterwegs bin. Das wäre etwas anstrengend.

Du kannst also noch ganz normal leben?

Ich ziehe mich selbst an - die Sachen, die ich mir selbst rausgelegt habe - und schmiere mir meine eigenen Brote (lacht). Auch sonst mache ich alles selbst.

Gibt es eine Freundin?

Nein, im Moment nicht.

Was machst Du wenn Du einmal nicht arbeitest?

Schlafen! Schlafen ist eines meiner Liebsten Hobbies im Moment. Wenn ich zu Hause bin, dann spiele ich gerne Klavier. Dabei kann ich gut abschalten, mich dabei vergessen. Ansonsten habe ich im Moment wenig Freizeit. Und die wenige Freizeit ist prall gefüllt mit dem Treffen von Freunden, die ich lange nicht gesehen habe.

Gab es auch eine Zeit, in der es nicht so gut lief und Du Dir gesagt hast: "Jetzt hänge ich die Schauspielerei an den Nagel"?

Als ich um die 30 war, da gab es eine Zeitlang die Situation, wo ich Zweifel hatte, weil nicht genügend gute Angebote kamen. Aber jetzt würde ich den Beruf nie mehr wechseln.

Game of Thrones

Hätten Sie diese Schauspieler erkannt?

In ihrer Rolle als "Daenerys Targaryen" hat Emilia Carke eine kalte, kriegerische Ausstrahlung. Mit weißblonden Locken und hellem Teint gibt sie in Game of Thrones die Mutter der Drachen. Privat sah sie ihrem Seriencharakter bisher allerdings nicht wirklich ähnlich...
Im wahren Leben ist Emilia Clarke kaum wieder zu erkennen. Von Natur aus trägt sie brünettes Haar und setzt auf einen sonnengeküssten Teint. Auf dem roten Teppich erscheint sie meist glamourös und in romantischen Looks.
"Mutter der Drachen, triff Emilia. Emilia, triff die Mutter der Drachen. Wenn ihr eure Augen zusammenkneift könnt ihr uns nicht auseinanderhalten" schreibt die Schauspielerin zu diesem Selfie auf Instagram. Im Oktober starten die Dreharbeiten zur achten Staffel von "Game of Thrones" und man könnte vermuten, dass Clarke keine Lust mehr hat wie bisher eine Perücke hat. 
Kit Harrington

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Sendehinweis: Die 5. Staffel von "Game of Thrones" läuft seit dem 12. April 2015 bei Sky.

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