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Titanic 3D Schmachten, reloaded

Zum 100. Jahrestag des Titanic-Untergangs bringt James Cameron eine 3-D-Version seines preisgekrönten Dramas heraus - und wir können uns noch einmal an einer der schönsten Lovestorys der Filmgeschichte erfreuen

Was haben wir geträumt, geschluchzt und gelitten!

Allein in Deutschland sahen 18 Millionen Zuschauer die Geschichte des mittellosen Künstlers Jack Dawson, der sich bei der Jungfernfahrt der Titanic in die Aristokratin Rose DeWitt Bukater verliebt und mit ihr untergeht. Das dreistündige Drama wurde 1997 weltweit zum größten Kassenschlager der Kinogeschichte und gewann elf Oscars. Jetzt dürfen wir wieder ins Schwärmen geraten, wenn RegisseurJames Cameron am 5. April sein Epos in 3D noch einmal auf die Leinwand bringt. Für den 57-Jährigen war "Titanic" nach "Alien", "Terminator" und "Wahre Lügen" die Krönung seines bisherigen Schaffens, lange vor "Avatar" (2009). Und das ganz ohne Staraufgebot. Denn vor 15 Jahren waren seine Protagonisten noch keine Big Names, ihnen ermöglichte er erst den großen Karrieresprung: Kate Winslet, heute 36, erhielt für die Rolle der Rose ihre erste Oscar-Nominierung und schaffte den Durchbruch in Hollywood, Leonardo DiCaprio, heute 37, gründete nach "Titanic" eine eigene Produktionsfirma und konnte sich seine Rollen fortan aussuchen.

"ICH BIN DER KÖNIG DER WELT" - Die Dreharbeiten für "Titanic" begannen im Sommer 1996. James Cameron hatte das "unsinkbare Schif
"ICH BIN DER KÖNIG DER WELT" - Die Dreharbeiten für "Titanic" begannen im Sommer 1996. James Cameron hatte das "unsinkbare Schiff", das am 14. April 1912 auf dem Weg von Southampton nach New York einen Eisberg rammte und unterging, originalgetreu nachbilden lassen.
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Dafür mussten die beiden jedoch auch einiges ertragen, denn die Arbeitsbedingungen für den Blockbuster auf der mexikanischen Halbinsel Baja California waren hart. "Ich wäre fast ertrunken, als ich mit Leo vor einer Riesenwelle flüchten musste", erinnert sich Kate Winslet an die Dreharbeiten eines der teuersten Filme aller Zeiten. "Mein Mantel blieb an der Tür hängen, und ich hätte es fast nicht geschafft, mich rechtzeitig zu befreien." Dabei hatte sich die Schauspielerin mit einem speziellen Schwimmtrainer monatelang auf die Wasserszenen vorbereitet. Doch laut Winslet war das nicht genug: "Ich hätte ein Workout wie Arnold Schwarzenegger gebraucht." Wegen der aufwendigen und langwierigen Aufnahmen erkrankten die beiden Hauptdarsteller an Grippe und Niereninfektion, andere erlitten bei den großen Fluchtszenen, die mit 1000 Statisten gedreht wurden, Knochenbrüche. "Irgendwann konnten wir nicht mehr", sagt DiCaprio. "Am Ende wollte ich einfach nur einen Eisklotz auf James’ Kopf fallen lassen."

James Cameron (M.) mit seinen Hauptdarstellern Kate Winslet und Leonardo DiCaprio 1998
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James Cameron (M.) mit seinen Hauptdarstellern Kate Winslet und Leonardo DiCaprio 1998 bei den Golden Globes. "Titanic" wurde als bester Film ausgezeichnet.
© Picture Alliance
Neue Dimension: Sogar die Werbung für "Titanic 3D" fällt dreidimensional aus, hier am Sunset Boulevard in Los Angeles. Von der ü
Neue Dimension: Sogar die Werbung für "Titanic 3D" fällt dreidimensional aus, hier am Sunset Boulevard in Los Angeles. Von der überarbeiteten Fassung versprechen sich Regisseur und Produzenten ein plastischeres Kinoerlebnis: Das Atlantikwasser erscheint jetzt noch bedrohlicher ...
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Über sechs Monate zog sich der Dreh in Rosarita Beach hin, insgesamt 14 Monate war James Cameron mit dem Projekt beschäftigt, das 200 Millionen Dollar an Produktionskosten verschlang und 1,8 Milliarden Dollar einspielte. "Ich wollte einen großen Film machen wie ‚Vom Winde verweht‘ oder ‚Doktor Schiwago‘, bei dem die Liebe eines Paars auf die Probe gestellt wird", erklärt er. Allein neun Millionen Dollar steckte Cameron selbst in die Produktion - dementsprechend anspruchsvoll war der als besessener Perfektionist geltende Kanadier auch am Set. "Man müsste mir unglaublich viel Geld bieten, damit ich nochmals mit James zusammenarbeite", sagt Kate Winslet mit einem Augenzwinkern. "Es war die Hölle. Wie gut, dass ich masochistisch veranlagt bin und mich gerne verausgabe!" Unter anderem gab Cameron seine Anweisungen über Riesenlautsprecher in Konzertlautstärke. Auf den Vorwurf, er quäle seine Crew, entgegnete der Regisseur: "Ich bin nicht der beliebteste Mensch der Welt. Ich verlange genauso viel von anderen wie von mir selbst. Wenn ein Film 45000 Dollar pro Stunde kostet, ist es mein Recht, ungeduldig zu sein. Der Regisseur ist Gott." Aus Protest erschienen Teile der Crew im TShirt mit der Aufschrift "Mich kann nichts erschrecken, ich habe für James Cameron gearbeitet". Mit der Neuauflage erfüllte sich James Cameron nun einen Traum. "Wenn es die Technik damals schon gegeben hätte, hätten wir ihn gleich in 3D gedreht, das erhöht den dramatischen Effekt", so der Regisseur, der gemeinsam mit Digitalspezialisten 60 Wochen lang jedes Einzelbild des Films umgewandelt hat. Als wäre das Original nicht schon tragisch genug. Für große Gefühle sorgte das Liebesdrama von Jack und Rose auch abseits der Leinwand: Aus den Kollegen Leonardo DiCaprio und Kate Winslet wurden Freunde fürs Leben, wahrscheinlich auch gerade wegen der außergewöhnlichen Umstände beim Dreh und wegen des Trubels, der anschließend über die beiden Jungschauspieler hereinbrach. "Die Aufmerksamkeit, die dieser Film bekommen hat, stellte meine Welt völlig auf den Kopf", erklärt DiCaprio. "Plötzlich wurde ich von Paparazzi gejagt, Mädchen kletterten über Mauern, um mich zu sehen. Das war total surreal." Die Einzige, die sich nicht veränderte und ihm Halt gab, war Kate, mit der er 2008 für ein weiteres Liebesdrama, "Zeiten des Aufruhrs", vor der Kamera stand. "Kate ist einfach unglaublich. Sie ist noch genau so wie damals und gehört zu meinen engsten Freunden. Ich vertraue ihr blind." Sandra Reitz Mitarbeit: Roald Rynning / IFA

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