Thomas Gottschalk: Mitleid schmeckt ihm nicht

Seine Vorabendshow hat sich als Flop erwiesen - eine herbe Niederlage für Thomas Gottschalk. Wie wird der Entertainer, der so lange vom Erfolg verwöhnt war, den Misserfolg verkraften?

Seine Besuche im "Borchardt" sind seltener geworden.

Das liegt sicher nicht daran, dass er das Schnitzel plötzlich nicht mehr mag oder den Wein. Auch die Gespräche mit Roland Mary, dem eigenwilligen Wirt, schätzt er nach wie vor. Aber das Mitleid der anderen Gäste schmeckt ihm gar nicht. Und es wurde immer größer, Tag für Tag: Zunächst, als seine ARD-Show "Gottschalk live" offiziell und ziemlich demütigend zur Großbaustelle erklärt wurde -und nun, weil sie zum 7. Juni abgesetzt wird. Was für ein Desaster für den Entertainer, der nach "Wetten, dass..?" etwas ganz Neues wagen wollte. Ein beruflicher Tiefschlag, der auch an der Persönlichkeit nagt. "Thomas geht es nicht gut. Mit so einem schnellen Ende hat er nicht gerechnet", sagt ein guter Bekannter "Gala" gegenüber.

Mit Haut und Haaren, viel Kreativität und seiner geballten Erfahrung hatte sich der Showman auf das Experiment Vorabendunterhaltung eingelassen. Sein klägliches Scheitern lässt den großen Gottschalk nun klein werden. Eine "kreative Pause" werde er einlegen, kündigte ARD-Chefin Monika Piel an. Und Gottschalk selbst verrät, dass er seine Zukunft in Malibu sieht, wo er seit Jahren mit Ehefrau Thea lebt. Die 240-Quadratmeter-Wohnung über dem Studio im Humboldt Carré an der Behrenstraße, die er gerade erst gemietet hatte, soll, so die Berliner Gerüchteküche, wieder auf dem Immobilienmarkt angeboten werden. Gottschalk wird nun das tun, was er eigentlich nicht wollte. Schon im Januar hatte er verraten, er habe einen Plan B in der Tasche: Wenn die Show nichts werde, gehe er ins Exil nach Malibu. Exil - das Wort, das man damals eher unpassend fand, bekommt heute eine neue Bedeutung. Ins Exil geschickt, bestraft, so fühlt Gottschalk sich wohl tatsächlich. Nur fünf Prozent Quote statt der vertraglich vorgegebenen zehn, ständige Veränderungen am Konzept, Ränkespiele hinter den Kulissen, immer weniger Mitspracherecht ... So entmachtet und ratlos hat er sich wohl selten in seiner über 40-jährigen Karriere gefühlt. Sicher, es gab immer wieder Niederlagen wie etwa die "Late Night Show" bei RTL Mitte der Neunzigerjahre oder später die "Houseparty" bei Sat.1. Doch mit vierzig fühlt sich ein Karriereknick einfach anders an als mit Anfang sechzig. In dem Alter wird es schwieriger, das Ruder wieder herumzureißen. "Vermutlich wird Thomas Gottschalk sich fragen, ob er die Zeichen der Zeit nicht richtig erkannt hat, und sich ärgern, dass er nicht auf dem Höhepunkt seiner Karriere abgetreten ist", sagt Dipl.-Psychologe Michael Thiel.

Nach dem Auftakt am 23. Januar: Mit so viel Spannung wurde eine neue Sendung selten erwartet. Doch das Debüt floppte, die Abwärtsspirale kam in Gang.

Thomas Bellut, Intendant bei Gottschalks jahrelangem Haussender ZDF, streute auch noch Salz in die Wunde seiner ehemaligen Allzweckwaffe. "Wir setzen auf neue Gesichter", so Bellut, als er in einer Pressekonferenz Markus Lanz, Gottschalks Nachfolger für "Wetten, dass..?", präsentierte. Gehört Gottschalk nun zum alten Eisen und muss Platz machen für Lanz, Raab & Co? "Nein, er ist nach wie vor ein großer Enter tainer", sagt der Medienexperte Jo Groebel zu "Gala". "Dass er mal strauchelt, macht ihn nur noch sympathischer und seine Biografie interessanter." Doch Gottschalk müsse realisieren, was er kann - und was nicht. Groebel: "Er braucht die große Bühne und viel Zeit zum Improvisieren." Ob die ARD, die Gottschalk weiterhin unter Vertrag hat, ihm diese Chance bietet, ist offen. "Möglicherweise", orakelte Monika Piel vergangene Woche, werde er "später Sendungen im Hauptabendprogramm moderieren". Wenn Thomas Gottschalk das dann überhaupt noch will. Jetzt macht er bis zum 7. Juni erst mal "Taliban-TV", feixte er letzte Woche. Es wäre nicht das erste Mal, dass er am besten ist, wenn er sich nicht mehr beweisen muss.

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