The Revenant: Leonardo DiCaprios härtester Filmdreh

Nach seinem großen Oscar-Abräumer "Birdman" kehrt Regisseur Alejandro González Iñárritu mit Wucht auf die Leinwand zurück

Ein Film wie ein zweistündiges Eisbad: "The Revenant" führte nicht nur Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio an seine Grenzen, auch dem Zuschauer verlangt das Abenteuer von Oscar-Preisträger Alejandro G. Iñárritu einiges ab. Das ist aber durchaus als Kompliment zu verstehen.

Darum geht's

Bei einer Expedition in der amerikanischen Wildnis wird der legendäre Jäger und Abenteurer Hugh Glass (DiCaprio) von einem Bären attackiert und von seinen Jagdbegleitern, die überzeugt sind, dass er dem Tod geweiht ist, zurückgelassen. In seinem Überlebenskampf erleidet Glass nicht nur unerträgliche Qualen, er muss auch erleben, dass sein vermeintlicher Beschützer John Fitzgerald (Tom Hardy) ihn verrät, beraubt und im Stich lässt.

Angetrieben von seinem ungebrochenen Willen zu überleben, um diesen Verrat zu rächen, kämpft sich Glass durch einen unerbittlichen Winter und eine feindliche Wildnis zurück ins Leben.

Keine Western-Romantik

"The Revenant" ist ein klassischer Rachewestern, allerdings ohne jede Wild-West-Romantik. Es gibt keine staubigen Steppen, keinen Mundharmonikaspieler, keine verschwitzten Cowboys und keine Saloons, in denen Frauen Can Can tanzen. Stattdessen: Jede Menge Schnee, eisige Täler und trostlos-grauen Himmel. Iñárritu zeichnet ein glaubhaftes und enorm physisches Bild des Trapper-Lebens im 19. Jahrhundert im Mittleren Westen.

Leo ging an seine Grenzen

Wie schon bei "Birdman" arbeitete der mexikanische Regisseur hier mit seinem kongeniale Kameramann Emmanuel Lubezki zusammen. Sieben Monate lang drehte das Team bei frostigen Temperaturen in Alberta, Kanada. Um ein möglichst realistisches Ergebnis zu erreichen, soll DiCaprio darauf bestanden haben, in einer Szene eine echte Bison-Leber zu verspeisen ("Es ist wie ein Ballon. Wenn man hinein beißt, platzt es im Mund").

In einem Interview mit Yahoo Movies verriet er, dass er an seine eigenen Grenzen gehen musste: "Es gibt 30 oder 40 Filmsequenzen, für die ich die schwierigsten Sachen machen musste, die je von mir verlangt wurden. Ich war die ganze Zeit unterkühlt, egal, ob ich nun in gefrorenen Flüssen schwimmen, in Tierkadavern schlafen oder was ich an Set essen musste. Ich esse definitiv nicht allzu häufig rohe Bison-Leber. In dem Film sieht man dann auch meine Reaktion beim Essen, weil Alejandro das unbedingt im Film behalten wollte."

Iñárritu wiederum ließ für eine kurze Einstellung Ameisen einfliegen, weil die vor Ort im verschneiten Wald überraschend rar waren. Angesichts des ohnehin schon weit überschrittenen Budgets von rund 155 Millionen Dollar übrigens eine ziemlich coole Entscheidung. Doch die Liebe zum Detail hat sich ausgezahlt. Lange Kamerafahrten und der ausschließliche Einsatz von natürlichem Licht verleihen dem Film einen fast dokumentarischen Charakter.

Oscarreife Vorstellung von DiCaprio

Vier Mal war DiCaprio bisher für einen Oscar nominiert. Für seine Rolle in "The Revenant" dürfte eine fünfte Einladung folgen - und die Chancen, den Academy Award endlich mitzunehmen, sollten gut stehen. Wie der ehemalige "Titanic"-Schönling im Bärenfell und verfilztem Vollbart sabbernd und geifernd vor sich hin leidet, ist eine Schau. Praktisch ohne Text ist er das alleinige Zentrum des Films. Einzig Ausnahmetalent Tom Hardy macht ihm als sein Gegenspieler mitunter den Platz auf der Leinwand streitig. Das High Noon der beiden ist dann natürlich auch kein klassisches Pistolen-Duell, sondern ein blutiger und schmutziger Kampf mit Messer und Axt.

Oscars

Die ewig Nominierten

Bradley Cooper - 7 Nominierungen  Schauspieler und Regisseur Bradley Cooper ist zwar preisgekrönt, eine Trophäe fehlt ihm aber noch zu seinem Glück: der Oscar. Trotz mittlerweile sieben Nominierungen kann sich Bradley aktuell noch nicht als Oscarpreisträger bezeichnen. Ob sich das in 2019 ändern wird? Für den Film "A Star is born" ist der Schauspieler gleich in drei Kategorien - "Bester Film", "Bester Hauptdarsteller", "Beste Kamera" - nominiert. 
Glenn Close - 7 Nominierungen  Auch Glenn Close durfte sich schon über sieben Oscar-Nominierungen freuen. Aber eben nur über die Nominierungen: Die Schauspielerin durfte bislang noch keine Trophäe mit nach Hause zu nehmen. Wie auch Bradley Cooper kann Glenn Close auch in diesem Jahr wieder hoffen - für ihre Rolle in "Die Frau des Nobelpreisträgers" ist sie als "Beste Hauptdarstellerin" nominiert.
Amy Adams - 6 Nominierungen  Oscar-Luft durfte Amy Adams schon das ein oder andere Mal schnuppern, einen Preis mit nach Hause nehmen aber leider nicht. Ganze sechs Mal wurde die Schauspielerin bereits nominiert, stand sogar schon als Laudatorin auf der Bühne. Vielleicht klappt es ja 2019 - Adams ist als "Beste Nebendarstellerin" im Film "Vice - Der zweite Mann" nominiert.
Leonardo DiCaprio - 5 Nominierungen  Fünf Mal war Leonardo DiCaprio schon nominiert. 2014 steht der Schauspieler noch voller Hoffnung, endlich den Goldjungen für seine Leistungen im Film "The Wolf of Wall Street" abräumen zu können, auf dem roten Teppich. Leider geht er auch bei seiner fünften Nominierung leer aus.

10

Fazit

Das Kino-Jahr 2016 startet mit einem winterlichen Highlight. "The Revenant" ist ein rohes, fantastisch inszeniertes Survival-Abenteuer von Oscar-Preisträger Alejandro González Iñárritu mit einem unglaublich intensiven Spiel von Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio.

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