Jeremiah Fraites: "Unsere Band und die Musik sind bekannter als wir"

Das neue Album von The Lumineers überrascht mit komplexen und melancholischen Klängen, außerdem wird das musikalische Familienporträt durch eine Videoserie ergänzt. Im GALA-Interview spricht The-Lumineers-Songwriter Jeremiah Fraites über die musikalische Entwicklung der Band.

 Jeremiah Fraites

2012 stürmten The Lumineers mit ihrem Ohrwurm-Song "Ho Hey" die Charts, jetzt, rund sieben Jahre später, hat die Band aus Denver im US-Bundesstaat Colorado eine neue Richtung eingeschlagen. 

The Lumineers: Songwriter Jeremiah Fraites über das neue Album

Das dritte Album trägt den schlichten Titel "III": Nicht nur, weil es sich um das dritte Album von The Lumineers handelt, sondern auch, weil es insgesamt neun Songs sind, die in drei Kapitel unterteilt sind, wobei jedes Kapitel einem von drei Protagonisten gewidmet ist: Gloria Sparks, ihrem Sohn Jimmy Sparks und Enkel Junior Sparks. Die sonst so weichen und beschwingten Töne werden durch einen komplexeren, melancholischen Klang und wehmütige Songtexte ersetzt. Die drei Kapitel bilden außerdem den Rahmen für eine ineinandergreifende Serie von Videos zu den neun Stücken, die allesamt unter der Regie von Kevin Philips entstanden sind. GALA hat mit dem Mitbegründer und Songwriter von The Lumineers, Jeremiah Fraites, 33, über das neue Album, kritische Fan-Reaktionen und das Leben auf Tour gesprochen. 

Ed Sheeran

Er kündigt eine Konzertpause an

Ed Sheeran
Fast zwei Jahre lang war Ed Sheeran auf Tour. Jetzt kündigt der Sänger eine Musikpause an.
©Gala

Das Album "III" von "The Lumineers" ist ab dem 13. September 2019 verfügbar.

GALA: In der Beschreibung Ihres neuen Albums "III" erzählen Sie, dass sich die Geschichte "wie von selbst" ergeben hat. War das wirklich so? Hätten Sie einen Plan B gehabt, wenn das nicht funktioniert hätte?
Jeremiah Fraites: Ich glaube, dass unser Album schrecklich geworden wäre, wenn wir ein Konzept gehabt hätten. Für mich fühlt sich das Album gerade so gut an, weil es nicht geplant war. Wir sind einfach unseren Instinkten gefolgt und haben in jedem Moment neu entschieden, was Sinn ergibt.

Haben Sie schon immer so gearbeitet?
Es gab keine Option, bei unserem dritten Album irgendwie anders zu arbeiten. Ich persönlich habe mich dabei sehr frei und gut gefühlt.

Zu Ihrem neuen Album gehören mehrere Videos, die alle zusammengehören und wie eine Art Kurzfilm wirken. Ist das ein Zukunftsmodell?
Vor allem durch Youtube und Co. sind Musikvideos in den letzten Jahren immer wichtiger geworden. Ich bin kein Hellseher, aber für uns war es sehr spannend, für jeden Song ein eigenes Musikvideo zu produzieren. Ob das anderen Musikern genauso geht, weiß ich aber nicht.

In Ihren Videos spielt die Familie von Gloria Sparks, ihrem Sohn Jimmy und Enkel Junior eine entscheidende Rolle. Welcher Charakter berührt Sie am meisten?
Jimmy Sparks! Immer wenn ich ihn anschaue, spüre ich eine gewisse Verbindung. In seinem Leben ist viel passiert, er hat ein paar falsche Entscheidungen getroffen. An sich ist er aber ein Junge mit guten Absichten, nur kann er nicht aufhören, immer wieder die gleichen falschen Entscheidungen zu treffen. Immer wenn ich mir die Videos anschaue, wünsche ich mir, dass er sein Leben wieder in den Griff bekommt.

Ihre Fans sind so düstere Themen und Songs normalerweise nicht gewöhnt. Haben Sie keine Angst vor negativen Reaktionen?
Mit negativen Reaktionen muss man als Künstler immer rechnen, vor allem, wenn man seine Richtung etwas verändert. Für uns fühlt sich das Album nicht wie eine vollkommene Veränderung, sondern eher wie eine Entwicklung an. Und unseren engen Fans geht das genauso. Wenn man aber lieber unsere alten Songs hört, dann ist das auch okay. (lacht) Künstler verändern sich eben.

"The Lumineers"

Wie ist das Leben auf Tour? Bestätigt sich das "Sex, Drugs & Rock-'n'-Roll"-Klischee?
(lacht) Vor 17 Monaten bin ich Vater geworden, also eher nein. Generell ist das eher ein Klischee, das durch die Medien oder Filme verbreitet wurde. Uns geht es immer darum, viel zu proben, pünktlich zu sein und nach den Shows gut zu schlafen. Vielleicht sind wir auch einfach etwas langweilig. (lacht)

Also können Sie mir auch nichts über Groupies erzählen?
Ehrlich gesagt nein. (lacht) In Südamerika ist mal ein Paar sehr stürmisch auf uns zugerannt, das war in dem Moment etwas beängstigend. Aber die beiden waren süß und wollten einfach nur ein Foto machen.

Das heißt, Sie haben auch keine Probleme mit Ihrer Privatsphäre?
Nein. Wir leben in Denver, Colorado, und nicht in Los Angeles. Wir sind keine Band, die für seine einzelnen Mitglieder viel Aufmerksamkeit bekommt. Unsere Band und die Musik sind bekannter als wir, darüber bin ich sehr froh.

Verwendete Quellen: Eigenes Interview

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