"Tatort: Im toten Winkel": "Alt werden in Deutschland kann ganz schön scheiße sein"

Im neuen Bremer Tatort beschäftigen sich Sabine Postel und Oliver Mommsen als Ermittler mit unterschiedlichen Aspekten der häuslichen Pflege. Doch wie denken die Schauspieler privat darüber?

Die Bremer Hauptkommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) hoffen auf Aufklärung

Als der Rentner ( , 91) seine demenzkranke Frau tötet, sehen sich die Bremer Ermittler , gespielt von  , 63, und Stedefreund, gespielt von  , 49, mit einem gesellschaftlichen Tabuthema konfrontiert.

Sabine Postel kritisiert die Pflege-Missstände in Deutschland 

So beginnt der "Tatort: Im toten Winkel" (11. März, 20:15 Uhr, das Erste). Und was denken die beiden Schauspieler Postel und Mommsen privat über das Thema? "Ich war sehr berührt und positiv angetan davon, dass diese Thematik ihren Platz im 'Tatort' findet. Wir alle sind früher oder später vom Thema Pflege betroffen. Leider gibt es in Deutschland, wie auch im Film dargestellt, unglaubliche Missstände, die es - nicht zuletzt durch neue Gesetzgebung - dringend zu beseitigen gilt", wird Sabine Postel vom Sender "Radio Bremen" zitiert.

Oliver Mommsen ist stolz auf den Tatort

Konkret fordert sie: "Nur, wenn die Berufe im Pflegebereich sozial und finanziell deutlich aufgewertet und ausreichende Stellen für diese verantwortungsvolle Arbeit geschaffen werden, hat unsere Gesellschaft die Chance, in Würde und Respekt zu altern." Auch Kollege Oliver Mommsen ist stolz auf diesen Krimi: "Ich finde, besser kann man einen von zwei 'Tatorten', die man im Jahr hat, nicht nutzen. Ein gesellschaftliches Anliegen über Figuren zu transportieren, mit denen man mitfühlt. Jedes einzelne Schicksal geht unter die Haut und man will sich nicht vorstellen, wie die Wirklichkeit aussieht." 

Sabine Postel

Sie denkt wie eine "Tatort"-Kommissarin

Sabine Postel hat auch privat einen kriminalistischen Spürsinn entwickelt

"Der Mensch ist nichts mehr wert, wenn er nicht mehr funktioniert"

Oliver Mommsen hat sich jedoch bisher noch nicht mit dem Thema häusliche Pflege auseinandergesetzt. "Dieser 'Tatort' gehört wieder zu denen, die mir selber die Augen geöffnet haben. Der Mensch ist nichts mehr wert, wenn er nicht mehr funktioniert. Alt werden in Deutschland kann ganz schön scheiße sein", so seine nüchterne Einschätzung. Sabine Postel will nicht zu viel zu dem Thema sagen, nur so viel: Ja, sie habe sich schon mal damit beschäftigt - "gezwungenermaßen, durch einen Pflegefall in der Familie".

Ist Selbsttötung eine Option?

Hauptkommissarin Inga Lürsen macht im Film klar, dass sie niemandem zur Last fallen möchte und für sich selbst deshalb ein "sozialverträgliches Frühableben" beschlossen hat. Eine Selbsttötung schließt sie nicht aus. Wie denkt Sabine Postel privat darüber? "Ich halte es für essentiell wichtig, eine Patientenverfügung zu haben, die im Falle einer schweren Erkrankung klar ausschließt, dass ich allein durch Gerätemedizin am Leben gehalten werde. Selbsttötung ist für mich persönlich kein Thema - ich kann aber akzeptieren, wenn Menschen in ausweglosen Situationen sich dafür entscheiden." Oliver Mommsen wurde "schon sehr früh mit Tod und Abschied konfrontiert", wie er sagt. Er habe gelernt, loszulassen. "Ich weiß, dass das Leben endlich ist und habe den naiven Wunsch, dass niemand leiden muss und dass man einfach friedlich einschlafen darf." Leider ist dem nicht immer so, was der "Tatort" eindrücklich erzählt. 

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