T. C. Boyle: Frauenversteher ist er auch noch

Kult-Autor T. C. Boyle über seine Qualitäten als Hausmann, die Liebe seines Lebens und seine irrsinnige Angst vor dem Tod

T. C. Boyle

Die Deutschen lieben T. C. Boyle: Nirgendwo außerhalb der USA räumt der Schriftsteller so ab wie hier. Sogar ein wenig Deutsch kann er mittlerweile. "Ich merke sofort, wenn der Verlag in meinen Büchern etwas schlecht übersetzt hat", sagt Boyle und lacht. Entspannt ist er, wie man es von einem Ex-Hippie erwartet. Gerade ist sein jüngstes Werk erschienen, in dem er sich intensiv mit dem Lebensweg dreier Frauen beschäftigt. In dem Sujet ist der 64-Jährige Experte: Seine Ehe hält fast 40 Jahre.

Zur Frankfurter Buchmesse (vom 9. bis 13. Oktober) erscheinen die besten Bücher des Jahres – auch der neue T. C. Boyle. Der Autor lebt mit seiner Frau und drei erwachsenen Kindern in Santa Barbara, Kalifornien.

Ihr neues Buch spielt auf der Insel San Miguel. Wie oft waren Sie schon dort?

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Nur einmal. Das hat gereicht, puh. Man fährt mit dem Schiff von meinem Wohnort Santa Barbara viereinhalb Stunden über sehr raue See dorthin. Und ich bin nicht eben seefest.

Haben sich die Leiden gelohnt?

Und wie! Ich habe dort einen Seeelefantenkampf erlebt. Oh Mann, sind die aufeinander losgegangen! Zu nahe durfte ich natürlich nicht heran, weil sie extrem gefährlich und schnell sind.

Ihre Geschichte handelt fast nur von Frauen. Wie schwierig war es, sich in die weiblichen Hauptfiguren einzufühlen?

Am Anfang meiner Karriere konnte ich das tatsächlich nicht. Aber ich habe ja Mrs. Boyle. Sie ist schon die längste Zeit meines Lebens meine persönliche Dienerin. (lacht) Heute verstehe ich Frauen viel besser und denke mich gerne in sie hinein.

Liest Ihre Frau Ihre Bücher als Erste?

Ich lese ihr jeden Tag alles vor, was ich geschrieben habe. Einfach um zu testen, wie sich das Ganze anhört.

Hört sich an, als wäre Mrs. Boyle sehr geduldig.

Das ist sie, das ist sie. Als wir jung waren und kein Geld für ein Flugticket hatten, mussten wir mit dem Auto von New York nach Kalifornien fahren. Es gab kein Radio im Wagen, also habe ich die ganze Zeit gesabbelt. Meine Frau sagt, ich sei keine Sekunde still gewesen. Es war ziemlich cool von ihr, das auszuhalten.

Was könnte Sie nach fast 40 Jahren Ehe überhaupt auseinanderbringen?

Stars als Leseratten

Huch, ein Buch!

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Heidi Klum ist unter die Vorleser gegangen - und nicht nur das: Das süße Kinderbuch "Der kleine schwarze Wackelzahn" stammt sogar aus der Feder des Models.

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Einer der Gründe, weshalb ich der einzige Schriftsteller bin, der nicht zig Frauen nacheinander hat, ist, dass wir die gleichen Werte teilen - und uns einfach lieben. Wir sind glücklich. Sie ist die technisch Begabte in der Familie, mein Job ist es, zu singen, zu tanzen und zu schreiben. Zudem erledige ich alle Hausarbeit, koche, kaufe ein, putze und bezahle die Rechnungen. Wissen Sie, warum? Ich will nicht streiten. Die Männer in Deutschland sind doch genauso, oder?

Ähm, so ähnlich ... In Ihren Büchern geht’s oft um Sex. Ihr Lieblingsthema?

Unter der Annahme, dass es Gott nicht gibt, existiert alles Leben nur, weil wir uns vermehren. Das ist, was Sex bedeutet. Wir denken, wir haben die Liebe erfunden. Dabei sind wir doch nur programmiert.

Einen wunderbaren Roman mit historischem Touch hat T. C. Boyle hingelegt: Seine Heldinnen Marantha, Edith und Elise leben auf dem unwirtlichen kalifornischen Eiland San Miguel und versuchen dort glücklich zu werden. Das gelingt nicht immer ... (Hanser, 448 S., 22,90 Euro).

Demnach glauben Sie nicht an Gott?

Natürlich nicht. Er ist offensichtlich ein Konstrukt der Menschheit. Irgendwann sterben wir und sind tot - wie alle Tiere.

Haben Sie Angst vor dem Tod?

Und wie! Ich versuche, ihn aus meinen Gedanken zu verbannen. Das gelingt mir beim Schreiben oder draußen in den Bergen. Für mich hat die Natur den traditionellen Gott ersetzt, an den ich als kleiner Junge geglaubt habe.

Sie haben in Ihrer Jugend diverse Drogen konsumiert. Wie schwierig war es, davon loszukommen?

Ich war nie ein Süchtiger. Was mich gerettet hat, war mein Verlangen nach mehr - nicht nach Drogen, sondern nach Geschichten. Heute ist Literatur meine Sucht. Weit gesünder und produktiver.

Wie haben Sie Ihre Kinder von Drogen ferngehalten?

Ich habe ihnen gesagt, dass ich Heroin genommen habe - und es nie wieder tun würde. Jeder muss aber für sich selbst herausfinden, wie er mit dem Thema umgeht. Was ich ihnen aber ganz klar befohlen habe: Steigt nie auf ein Motorrad!

Wozu Sie jedoch ganz klar raten, ist, auf den Komposthaufen zu pinkeln. Sie machen das jeden Tag.

Aber sicher. Wir haben kaum Wasser in Kalifornien und mit der Toilettenspülung gehen jedes Mal zig Liter den Bach runter. Ich schütze einfach nur die Umwelt!

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