Stephan Luca: "So viele Verbrecher kann es gar nicht geben, wie wir TV-Ermittler haben"

Das sagt Stephan Luca über Krimis im allgemeinen - und erklärt, warum er dennoch findet, dass sein ARD-Krimi "Zorn – Vom Lieben und Sterben" ein ganz besonderer ist: düster, konsequent, psychologisch ausgefeilt

Stephan Luca, Axel Ranisch

Im zweiten Film der neuen Krimi-Reihe nach den Romanen von Stephan Ludwig übernimmt Stephan Luca die Hauptrolle des kettenrauchenden Hauptkommissars Claudius Zorn von Misel Maticevic. Der zuverlässige Mann an seiner Seite bleibt jedoch Axel Ranisch als Zorns Partner Schröder: freundlich, intellektuell, übergewichtig. Sein ruppiger Chef dagegen trägt Lederjacke, keine Frisur und Sonnenbrille. "Du siehst aus wie ein Rockstar aus den Siebzigern", findet Schröder. Und nicht nur optisch ist Zorn ein eher unkonventioneller Ermittler: Er kann schlecht Blut sehen und hat schlimme Höhenangst – was bei dem Fall, den Zorn diesmal in Halle lösen muss, zum echten Problem wird.

Rauchen Sie eigentlich, Herr Luca?

Stephan Luca: Nur in "Zorn". Ich bin Nichtraucher und bleibe es auch. Ich war mal Gelegenheitsraucher, aber das Schnorren nach dem zweiten Glas Wein hat mich irgendwann selbst genervt. Aber bei "Zorn" gehört das einfach zur Figur dazu, da greift mein sportlicher Ehrgeiz. Und ja, es sind richtige Kippen. Ich habe Kräuterzigaretten ausprobiert, aber von denen wurde mir schlecht.

Es gibt so viele Krimis im deutschen Fernsehen – was zeichnet "Zorn" aus?

Das habe ich mich auch gefragt. So viele Verbrecher kann es gar nicht geben, wie wir TV-Ermittler haben. Aber "Zorn" hat mich sofort gepackt. Die Fälle erinnern mich eher an die skandinavischen Thriller: düster, konsequent, psychologisch ausgefeilt – und dazu noch die tolle Konstellation mit Zorns Partner Schröder. Für solche Figuren und Geschichten bin ich Schauspieler geworden. Da wird der Beruf wieder zur Berufung.

Szene aus "Zorn - Vom Lieben und Sterben" mit Stephan Luca und Alice Dwyer

Wären Sie ein guter Kommissar? Haben Sie kriminalistisches Gespür?

Ich weiß nicht, ob ich einen guten Kommissar abgeben würde, aber ich wäre auf jeden Fall ein Bauch-Ermittler. So wie Zorn, der sich auch eher auf seinen Instinkt verlässt. Der Analytiker im Team ist Schröder.

Sind Sie jemals mit der Polizei in Konflikt geraten?

Mit 16 bin ich ohne Führerschein Auto gefahren – in meiner Nervosität dummerweise auch noch ohne Licht. Da hat mich die Polizei angehalten. Zu Hause gab’s ordentlich Stunk. Die Quittung war, dass ich meinen Führerschein erst neun Monate später machen durfte. Das war damals bitter, aber ich war ja selbst schuld.

Claudius Zorn hat Höhenangst. Und Sie?

Zum Glück nicht. Ich bin ja in den Bergen aufgewachsen und habe lange Freeclimbing gemacht. Aber wie Zorn in "Vom Lieben und Sterben" bin auch ich mal sehr unglücklich im Schwimmbad vom Zehnmeter gesprungen. Damals war ich zwölf und wollte natürlich einem Mädchen imponieren. Zumindest habe ich sie zum Lachen gebracht, aber das war dann auch alles.

Haben Sie andere Ängste oder Phobien?

Nein. Ich gehe gern an Grenzen. Ängste zu überwinden ist eher mein Thema, als Angst zu haben – außer um meine Kinder.

Was können Ihre Töchter von Ihnen lernen?

Vorsicht ist gut, aber Angst ist kein guter Berater. Das versuche ich auch meinen Töchtern zu vermitteln: Es lohnt sich, mit offenen Augen und neugierigem Blick durch die Welt zu gehen. Die Große wird dieses Jahr volljährig, die Kleine ist in der ersten Klasse. Ich kann sie nicht immer und überall beschützen. Aber ich gebe ihnen das Gefühl, dass ich für sie da bin und ihnen den Rücken stärke. Keine Angst zu haben ist eine sehr lebensbejahende Einstellung.

Was hat Sie vor der Kamera am meisten Überwindung gekostet?

Letztes Jahr habe ich in Südafrika gedreht und musste in Camps Bay vier Stunden im Wasser stehen. Da hatte ich schon Schiss, denn da gibt’s Haie ohne Ende! Zum Glück ist mir keiner begegnet. Also, Gefahr und Nervenkitzel brauche ich nicht unbedingt.

Der coole Zorn wird in Maiglöckchen-Shorts erwischt. Haben Sie ein eigenwilliges Kleidungsstück im Schrank, von dem Sie sich nicht trennen können?

Die Lederhose, die ich als Kind ständig getragen habe, und dazu ein Jeanskäppi, auf dem "Fuzzi" steht. Das war lange mein Spitzname. Meinen Töchtern habe ich das nie angezogen, aber beides hängt immer noch mit schönen Erinnerungen im Schrank. Und manchmal trage ich zum schwarzen Anzug rote Socken, nur so für mich. Ich mag Clowns, vielleicht deswegen. Lange Zeit war ich für meine Kinder sowieso nur der Clown (lacht).

Wenn Sie ein Gesetz erlassen könnten, welches wäre das?

Ich würde beschließen, dass alle Jugendlichen nach dem Schulabschluss erst mal mindestens sechs Monate ins europäische Ausland gehen und Praktika machen können. Das wäre ein großartiger Austausch – und zwar für alle und nicht nur für Familien, die sich das leisten können. Danach können die Kids auch viel besser entscheiden, was sie werden möchten. Es ist gut und schön, Dinge aus Büchern zu lernen. Aber sie wirklich "live" zu sehen, zu riechen, zu erleben – das ist etwas ganz Tolles.

Sendehinweis: "Zorn - Vom Lieben und Sterben" läuft am Donnerstag, 16. April um 20:15 Uhr auf ARD.

Themen

Mehr zum Thema

Star-News der Woche