Smarte Revoluzzer: House of Cards, Bloodline & Co.

Stars und Autoren, Entertainment-Bosse und vor allem die Zuschauer: Alle lieben Streaming-Serien. Aber warum sind die eigentlich so viel besser als klassisches TV?

Streaming-Serien

Francis Joseph "Frank" Underwood ist ein eiskalter Machtmensch. Seine Fans verehren ihn für Sätze wie: "Ich liebe diese Frau. Ich liebe sie mehr, als Haie Blut lieben." Underwood ist die Hauptperson der Netflix-Serie " House Of Cards " und wird süffisant und aalglatt von Kevin Spacey gespielt. Als seine attraktive und nicht weniger machtbewusste Frau Claire steht Robin Wright vor der Kamera. Gemeinsam kämpfen sich die beiden im Intrigensumpf von Washington nach oben. Das alles ist schlau, spannend und innovativ.

Beste Serien-Unterhaltung, die allerdings nicht im Fernsehen läuft, sondern im Internet. Die Revolution erschüttert das Entertainment-Business im Februar 2013, als der Video-on-Demand-Anbieter Netflix seine erste in Eigenregie produzierte Serie "House Of Cards" zu streamen beginnt. Bis dahin war die Firma mit Hauptsitz im kalifornischen Los Gatos einfach nur einer von mehreren Dienstleistern, lieferte ihren Kunden via Internet gegen Gebühr verschiedene Serien und Spielfilme auf den heimischen Bildschirm. Doch plötzlich gehört Netflix zu den kreativen Playern im Serien geschäft.

Höchte Qualität für Serien-Gourmets

100 Millionen Dollar investiert der Neuling in die ersten beiden Staffeln von "House Of Cards", überrundet damit sogar führende Pay-TV-Sender wie HBO. Neben den Hollywood-Größen und verpflichtete man Starregisseur ("The Social Network"). Das Erfolgskonzept kopiert Netflix von Konkurrenten wie HBO: höchste Qualität für Serien-Gourmets, für solche Zuschauer also, die vom Mainstream-Kino und erst recht vom TV-Einheitsbrei enttäuscht sind. Die üblichen Fernsehmacher habe es allerdings auch nicht leicht. Sie müssen unter dem täglichem Quotendruck den kleinsten gemeinsamen Nenner finden.

"Talent statt Prominenz"

Das Ergebnis: meist Mittelmaß. Bei Netflix dagegen geht man Risiken ein, hat Mut, Stoffe gegen den Trend zu entwickeln und bietet frustrierten Spitzenkräften der Filmbranche eine Plattform, um ihre Ideen zu verwirklichen. Moralische Grenzen gibt es nicht. Schöner Nebeneffekt für reifere Stars wie den 55-jährigen Kevin Spacey: Streaming-Serien können eine Karriere-Frischzellenkur sein. Ein weiteres Beispiel für diesen Effekt ist " Grace And Frankie " mit Jane Fonda , 77, und Lily Tomlin , 75. Manchmal werden die Hauptrollen aber auch nach dem Prinzip "Talent statt Prominenz" mit relativ unbekannten Gesichtern besetzt. Bob Odenkirk wurde erst durch "Better Call Saul" zum Star.

Die Revolution für Serien-Junkies

TV-Serien

Diese Stars übernehmen Gastrollen

Eigentlich wollte Katja Burkhard nur zur 6000. Jubiläumsfolge von "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" berichten und hat prompt eine Rolle angeboten bekommen. Sie spielt eine Gerichtsreporterin und steht mit "Jo Gerner", Wolfgang Bahro und "Katrin Flemming", Ulrike Frank vor der Kamera.
Olivia Burkhart (als Fiona) und Lars Steinhöfel (als Easy) drehen mit der "GNTM"-Gewinnerin Jana Beller, die Model Lena spielt, eine Szene.
1993 spielt die 13 Jahre alte Michelle Williams eine Gastrolle in "Baywatch". In einer Drehpause lächelt sie mit ihrem gleichaltrigen Co-Star Jeremy Jackson in eine Fotokamera. Laut Jeremy Jackson sollen die beiden zu Zeiten von Baywatch auch ein Paar gewesen sein.
Teuflisch sexy ist Selma Blair in Charlie Sheens Sitcom "Anger Management" zu sehen.

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Inzwischen produziert Netflix zielsicher Hits wie " Orange Is The New Black ", "Bloodline", "Marvel’s Daredevil". Der moderne Konsument lässt sich seinen Tagesablauf nicht mehr vom TV-Programm diktieren. Genauso wenig will er eine ganze Woche auf die nächste Folge seiner Lieblingsserie warten. Nun kann man sie sehen, wann und wo man will und gerne auch die ganze Staffel auf einmal. Seit dem vorigen Herbst können Serien-Junkies Netflix auch in Deutschland nutzen. Die Geschichte des Unternehmens ist eine typische New-Economy-Story, im Gegensatz zu vielen anderen mit grandiosem Ausgang.

Geplant sind 20 eigene Serienstaffeln

1997 gründeten Marc Randolph und Reed Hastings ihre Firma mit 2,5 Millionen Dollar Startkapital. Der Name Netflix setzt sich aus der Kurzversion für Internet ("Net") und dem englischen Slang-Begriff für Filme ("Flicks") zusammen. Die Geschäftsidee damals: Als Alternative zur konventionellen Videothek verschickte man DVDs auf Flatrate-Basis an Abonnenten. Bis zum Börsengang 2002 schrieb das Unternehmen Verluste. Heute ist es mehr als fünf Milliarden Dollar wert, und die Ziele sind hochgesteckt. Bis 2020 will man der größte US-Serienproduzent werden. Geplant sind mindestens 20 eigene Serienstaffeln. Die Idee, die Online-Infrastruktur für eigene Produktionen zu nutzen, findet inzwischen Nachahmer. Gerade hat Amazon für eine zwölfteilige Serie verpflichtet. Er hat völlig freie Hand. Für die Zuschauer dürfte es das nächste große Vergnügen werden.

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